"Ich freue mich sehr für die Menschen hier. Wir sind wie eine große Familie", sagt Seedy Fammeh aus Gambia. Er kam auf der Suche nach einem besseren Leben nach Deutschland. Jetzt ist er Gärtner. Einer von vielen, die anpacken. Statt Zeit totzuschlagen, wird kreativ und an der frischen Luft gearbeitet. Die Flüchtlinge im Garten kommen derzeit unter anderem aus Syrien, dem Irak, Afghanistan, Gambia, Kamerun und Mexiko. Kulturaustausch mal anders oder Integration über Arbeit und Gemeinschaft: so könnte das Motto der Gründer des Radolfzeller Gemeinschaftsgartens lauten. Mithilfe der Stadt schuf der Freundeskreis Asyl einen Ort der Begegnung für Flüchtlinge und Einheimische.

Martina Ruf ist selbstständige Gartenplanerin. Sie war federführend an der Umsetzung des Projektes beteiligt. Der Freundeskreis hat sich vor einem Jahr an sie gewandt und sie war Feuer und Flamme für die Idee. Die Planung für den Garten begann im vergangenen Sommer. Das Grundstück wird von der Stadt finanziert. Neben dieser Hilfe stellt die Stadt außerdem noch Wassertanks zur Verfügung, die sie regelmäßig kontrolliert und befüllt.

Das Gartenkonzept selbst ist simpel, aber vielversprechend. Einheimische und Flüchtlinge arbeiten gemeinschaftlich und verbringen Zeit zusammen, so soll allmählich ein Wir-Gefühl entstehen. Im Garten gibt es Privatparzellen und Gemeinschaftsparzellen. Die privaten Parzellen können für 30 Euro im Jahr frei genutzt werden. Der Kreativität sind bei dieser Arbeit keine Grenzen gesetzt. Für dieses Jahr sind allerdings schon alle Privatparzellen belegt. Nächstes Jahr kann man sich aber wieder ein eigenes, kleines Stück Grün sichern.

In erster Linie werden dort Obst und Gemüse, aber auch Blumen angebaut. Die Ernte geht an die Gärtner und ihre Familien. Aktuell wird die Hälfte der Parzellen von Einheimischen und die andere Hälfte von Flüchtlingen bewirtschaftet, was so gewollt ist. Schließlich wird das Projekt als wichtiger Baustein der Integration verstanden, so die Radolfzeller Flüchtlingskoordinatorin Susanne Schaffart. Initatorin Martina Ruf ergänzt: "Es ist ein Garten für alle. Es entstehen Kontakt und Gemeinschaft. Das Erlebnis von Normalität und die Möglichkeit, etwas gemeinsam zu schaffen, wirken heilsam." Die Bürger haben das Projekt gut angenommen, obwohl man am Anfang noch etwas vorsichtig damit umging, so Renate Sturm vom Freundeskreis Asyl Radolfzell. Sie ergänzt: "Die Gemeinschaft ist die Basis. Es ist eine tolle Gruppe hier und es macht Spaß, sich das Gärtnern gegenseitig beizubringen und selber dabei etwas zu lernen."

Im Garten wird überwiegend deutsch gesprochen. Trotz der vielen verschiedenen Kulturen, die sich im Garten begegnen, lief laut Martina Ruf bisher alles sehr harmonisch ab. Anfangs wirkten nur Frauen bei der Gartenarbeit mit. Inzwischen packen auch die Männer mit an. Vor allem an Samstagen, wenn alle mehr Zeit haben, ist der Gemeinschaftsgarten Radolfzell ein Ort für die ganze Familie.

Für die Zukunft ist eine Erweiterung der Anbauflächen geplant. So können dann noch mehr Parzellen für Interessenten angeboten werden. Demnächst steht außerdem die Bewerbung um ein Naturgartensiegel an. Der Anbau im Gemeinschaftsgarten erfolgt rein biologisch. Neben der städtischen Unterstützung konnten sich die Betreiber auch über viele Geld- und Sachspenden freuen, unter anderem von der Deutschen Umwelthilfe und dem evangelischen Kirchenbezirk. Auch die Radolfzeller Bürger haben immer wieder Hilfsbereitschaft und Engagement bewiesen, etwa durch die Spende von Gartengeräten oder ihrer Arbeitskraft.

 

Freundeskreis Asyl

  • Zur Flüchtlingshilfe: Der Freundeskreis Asyl Radolfzell unterstützt seit 30 Jahren Flüchtlinge in Radolfzell. Die Hilfe reicht über die Vermittlung von Wohnungen und Sprachkursen bis hin zur Organisation von Freizeitangeboten. Wer sich einbringen möchte, kann sich per Mail an den Freundeskreis wenden (kontakt@fk-asyl-radolfzell.org) oder anrufen, Telefon (0163) 222 3120. Auf der Homepage fk-asyl-radolfzell.org gibt es mehr Informationen. Ehrenamtliche Helfer sind stets willkommen.
  • Zum Garten: Offenes Gärtnern findet mittwochs von 14 bis 17 Uhr und samstags von 15 bis 18 Uhr im Garten am Rehbergle 3 in der Nordstadt statt.