Radolfzell Bei den Schoofwäschern kommen die Überraschungen Schlag auf Schlag

Die Stahringer Schoofwäscher-Zunft feiert ihr Königspaar mit unvorhersehbaren Ehrerbietungen. Als besondere Überraschung wird beim Fasnetsunntig-Programm Ansager Rainer Zimmermann zum Ehrenmitglied der Zunft ernannt.

Unter dem Motto "Zu Gast am Königshof" huldigten die Stahringer Narren am Fasnetsunntig ihrem Königspaar. Bereits am Schmutzige Dunschtig waren Michael Kamarow und Fabian Merk als Narreneltern getraut worden und zogen nun beim traditionellen Sonntagsumzug in prächtiger Verkleidung zum Königshof. Umrahmt von Dienern und begleitet von einer großen Schar von Prinzessinnen, Rittern, Mönchen, und vielen anderen originellen Figuren erreichte das Königspaar seinen Hof, besser bekannt unter dem Namen Homburghalle.

Das Königspaar schreitet mit seinem Gefolge in einem bunten Umzug zum Stahringer Königshof. V. l.: Zeremonienmeister Reinhard Sauter, Diener Ralf Weber, Bräutigam Michael Kamarow, Braut Fabian Merk, Diener Johann Geiges und Vorkoster Bruno Sauter. Bilder: Petra Reichle
Das Königspaar schreitet mit seinem Gefolge in einem bunten Umzug zum Stahringer Königshof. V. l.: Zeremonienmeister Reinhard Sauter, Diener Ralf Weber, Bräutigam Michael Kamarow, Braut Fabian Merk, Diener Johann Geiges und Vorkoster Bruno Sauter. Bilder: Petra Reichle

Platziert auf einem prächtigen Thron, ließen sich Königin und König von ihrem Volk die Aufwartung machen. In Sachen Spontanität und Kreativität gibt es bei den Stahringer Narren keine Grenzen. Das Besondere am alljährlichen Sonntagsprogramm ist, dass es keinerlei Planung gibt. Zeremonienmeister Reinhard Sauter ließ zunächst die Wäscherinnengruppe der Zunft vor. Sie überreichten dem Königspaar in ihrer Rolle als Kräuterhexen einen Kräutertrunk nach Homburger Reinheitsgebot. Oberholzer Bruder Stefan leitete die Prozession der Holzergruppe in ihren Mönchsgewändern. Auch ihr selbst gebrautes Holzerbräu wurde von Kammerdiener und fleißigem Vorkoster Bruno Sauter als gut befunden und dem Königspaar überreicht. "Wie kann man zwei Deppen in so schöne Häser stecken" – mit diesem Ruf enterten Christiane Koch, Caroline Senger und Mirjam Muffler die Bühne. Prächtig verkleidet als Prinz, Bauer und Jungfrau bildeten sie das Kölner Dreigestirn nach und machten dem Stahringer Königspaar den Thron streitig.

Rainer Zimmermann (Mitte) wird von den Zunftmeistern Reinhard Sauter und Christiane Koch zum Ehrenmitglied der Stahringer Schoofwäscher-Zunft ernannt. Bild: Petra Reichle
Rainer Zimmermann (Mitte) wird von den Zunftmeistern Reinhard Sauter und Christiane Koch zum Ehrenmitglied der Stahringer Schoofwäscher-Zunft ernannt. Bild: Petra Reichle

Kreativität und Spontanität waren auch von Ansager Rainer Zimmermann gefragt, schließlich wusste nicht einmal er selbst, wer als nächstes die Bühne betreten würde. Zimmermann, der am Fastnetsunntig seinen 62. Geburtstag feierte, meisterte seine Aufgabe mit Bravour – nicht ahnend, dass er selbst zum Hauptakteur werden sollte. Als "wahren König der Stahringer Fasnacht" rief Zunftmeister Reinhard Sauter den Jubilar auf die Bühne und ernannte ihn gemeinsam mit der zweiten Zunftmeisterin Christiane Koch zum Ehrenmitglied der Schoofwäscher-Zunft. Bereits vor drei Wochen wurde Rainer Zimmermann für seine Verdienste um die Fasnacht von der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee zum Obristen ernannt. Die Leidenschaft für die Fasnacht hat Zimmermann von seinem Vater Peter, der seit den 50er-Jahren die örtliche Fasnacht prägte. Rainer Zimmermann tauchte 1964 zum ersten Mal in der Stahringer Fasnachtschronik auf, als er im Alter von acht Jahren das erstmals abgehaltene Preiskleppern gewann. Legendär war sein Klepperle-Auftritt beim offiziellen Festakt in Nenzingen, als 1977 die Schoofwäscher-Zunft in die Narrenvereinigung Hegau-Bodensee aufgenommen wurde. Dies gilt als die Geburtsstunde der Stahringer Klepperlegruppe, die Zimmermann bis heute musikalisch leitet. Eine weitere lebendige Tradition der Stahringer Fasnacht ist die Narrensuppe, die seit 1964 am Schmutzige Dunschtig im ganzen Dorf verteilt wird. Rainer Zimmermann gehört zu den ersten, die im Schulhof erstmals in den Genuss der Suppe kamen. Noch heute erinnert sich Zimmermann an das Klappern seines Suppengeschirrs im Schulranzen.

Gemeinsam mit vielen Stahringer Narren hält Zimmermann diese und viele weitere Bräuche aufrecht und vermittelt sie an die junge Generation. Als Chefredakteur des Narrenblättles, Betreuer der Homepage, Gedichteschreiber, Klepperle, Schnitzwieb und als Akteur bei den bunten Abenden ist Rainer Zimmermann aus der Stahringer Fasnacht nicht wegzudenken.

Woher die Schoofwäscher ihren Namen haben

Die Ursprünge der Stahringer Fasnet gehen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Der Name der Zunft stammt von einem alten Dorfspitznamen für die Stahringer. Die Menschen in den umliegenden Orten machten sich über einen Stahringer Bauern lustig, dessen Mutterschaf ein geflecktes Lämmle bekam. So eines hatte der wohl etwas beschränkte Bauer noch nie gesehen und war der Meinung, dass dieses Lamm lediglich schmutzig sei. Er versuchte, es in einer Gelte mit viel Wasser und Seife sauber zu bekommen, was natürlich nicht gelang. Diese Geschichte machte schnell in den umliegenden Dörfern die Runde, und wo immer ein Stahringer auftauchte, wurde er als fortan als "Schoofwäscher" bezeichnet.

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