Radolfzell Bei „Rudi“ wird die Demenz vergessen

Bei pflegebedürftigen Demenzerkrankten liegt die Konzentrationsdauer üblicherweise bei maximal 25 Minuten. Beim Kinofilm „Nicht schon wieder Rudi“ des aus Radolfzell stammenden Filmproduzenten Holger Sorg konnte die Zeit auf 120 Minuten ausgedehnt werden.

Der aus Radolfzell stammende Filmproduzent Holger Sorg und sein Team sind mit dem Ergebnis ihres Kino-Erstlingswerks sehr zufrieden. Laut Holger Sorg ist der Film mit dem Titel „Nicht schon wieder Rudi!“ mittlerweile in mehr als 50 Kinos gelaufen. Der Herkunft von Holger Sorg (und des aus Stockach stammenden Schauspielers Ismail Sahin) hat auch das Radolfzeller Nostalgie-Kino Universum einen Höhepunkt im Veranstaltungsprogramm des vergangenen Jahres zu verdanken. Die Premieren-Vorstellung des Streifens, in dem das Thema Demenz auf feinfühlig-humorige Art aufgegriffen wird, fand in dem Kino des Film- und Fotoclubs statt.

Was Holger Sorg, der über den Schauspieler und Regisseur des Films, Ismail Sahin, Kontakt zur Filmszene bekam, allerdings besonders freut, ist die Resonanz bei Zuschauern, die von Demenz oder Alzheimer betroffen sind. Wie er in einer Mitteilung an den SÜDKURIER schreibt, handelte es sich dabei um ein Experiment, das selbst Experten erstaunt habe. Entgegen der Erwartung war die Aufmerksamkeit enorm hoch und hielt zudem ungewöhnlich lange an. „Es hat uns besonders gefreut, dass wir den Betroffenen einen lustigen und unterhaltsamen Nachmittag bieten konnten“, schreibt Holger Sorg. „In dieser Form scheint das wohl nicht normal zu sein und uns wurde gesagt, dass man so etwas noch nicht erlebt hat.“

Die besondere Qualität des Films „Nicht schon wieder Rudi“ hat auch das Curatorium des Vereins „Altern gestalten“ überrascht. In einer Beurteilung hebt die Gerontologin und Curatorin Sabine Distler den Unterschied zu anderen Filmen hervor, die sich ebenfalls mit der Thematik befassen – wie etwa der Kassenschlager „Honig im Kopf“ (mit Didi Hallervorden in der Hauptrolle und Til Schweiger als Regisseur). Diese Beiträge seien wegen der öffentlichen Sensibilisierung für Demenzerkrankungen wertvoll und trügen zur Aufklärung und Entstigmatisierung bei. Wie Sabine Distler schreibt, bieten solche Filme jedoch keinen Unterhaltungs- und Erinnerungswert für Betroffene. Den Grund dafür sieht sie in den komplexen Inhalten mit schnellen Bilderabfolgen, der Reizüberflutung durch Effekte oder lange Dialoge. „Menschen mit Demenz sind damit überfordert“, schreibt Sabine Distler, „wenden sich ab, werden unruhig oder nicken ein.“ Das war bei der Vorführung von „Nicht schon wieder Rudi!“ vor 60 pflegebedürftigen Menschen mit Demenz offensichtlich anders. Der Film kam nach Einschätzung der Gerontologin gerade deshalb gut an, weil er ohne Effekte und komplexe Strukturen auskommt – stattdessen nimmt sich die Regie Zeit bei der Bilderfolge und bringt den Mut zur Thematisierung von Freundschaft, Gemeinschaft, Liebe, Treue und Toleranz auch ohne Worte auf. Das Ergebnis: Die Konzentrationsfähigkeit der pflegebedürftigen Zuschauer habe sich auf die gesamte Filmlänge von 90 Minuten sowie die anschließende rund 30-minütige Aussprache über den Film erstreckt. Üblicherweise liegt die Aufmerksamkeitsspanne bei Menschen mit Demenz laut Sabine Distler bei maximal 25 Minuten und erreicht bei zirka 15 Minuten ihren Höhepunkt. „Der Film“, so das Fazit der Gerontologin, „zeigt uns Lösungen für einen unkomplizierten und normalen Umgang mit Demenz und genau das ist auch der Wunsch vieler Betroffener.“


Start des DVD-Verkaufs

Die Film-Branche hat ihre eigenen Gesetze. Dabei gelten Kino-Präsentationen nach wie vor als Königsdisziplin. Filmproduzent Holger Sorg sowie der Regisseur und Schauspieler Ismail Sahin, die sich erst an ihrem jetzigen Lebensmittelpunkt in Berlin kennenlernten, hatten vor der Produktion des Films „Nicht schon wieder Rudi“ bereits bei anderen Produktionen zusammen gearbeitet – darunter einige bei Festivals beachtete und preisgekrönte Kurz-Filme mit Dokumentationscharakter. Was den „Rudi“-Dreh betrifft, so steht nach den Vorführungen in den Kinos jetzt der DVD-Vertrieb als nächste Stufe des Marketings bevor. Laut Holger Sorg ist der Verkaufsstart für den 22. April geplant. Detaillierte

Informationen zum Film inklusive Trailer gibt es im Internet:

http://nicht-schon-wieder-rudi.de

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