Radolfzell ist seit den 60er Jahren ein anerkannter Kneipp-Kurort. Neben Überlingen ist es damit eine von nur zwei Städten am Bodensee, die dieses Gütesiegel besitzen. In ganz Baden-Württemberg gibt es nur 14 Kurorte mit diesem Titel. Verfechter eines Kneipp-Beckens bekräftigen ihren Wunsch nach dem Bau eines solchen Beckens im Mettnau-Park.

Kneippen ist nicht nur Wassertreten, sondern ein ganzheitliches Prinzip zur Förderung und den Erhalt der Gesundheit. Der Ansatz, vor 150 Jahren von Sebastian Kneipp (1821 bis 1897) ersonnen, zielt mit seinen fünf Elementen darauf ab, Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen. Laut Eckhard Scholz, Geschäftsführer der Mettnau-Betriebe, kann man durch das Kneippen "mit Bewegung und Ernährung viele Krankheiten verhindern", wie er jetzt bei einer Vorstandssitzung des Kneipp-Bund Landesverbands auf der Mettnau sagte.

Deren Vorsitzende Heidi Thies erklärte: "Die kneippsche Philosophie kostet kein Geld. Das wissen leider viele Menschen noch nicht." Das stimmt so nicht ganz. Zumindest im Fall der Stadt Radolfzell geht es sehr wohl um Geld. Und zwar für den Bau eines öffentlich zugänglichen Kneipp-Beckens im Mettnau-Park. Der Gemeinderat hatte im September 2016 vorbehaltlich einer Förderung mit öffentlichen Mitteln seine Zustimmung für das rund 150 000 Euro teure Becken erteilt. Die Förderzusage steht noch aus. Dabei ist der öffentliche Zugang zu Kneipp-Elementen ein wesentliches Kriterium für den Titel eines Kneipp-Kurortes. Schon allein die Aussicht auf ein Becken hat die Mitgliederzahl des Kneipp-Ortsvereins ansteigen lassen.

Während man vor rund vier Jahren aus personellen Gründen vor dem Aus stand, zählt man mittlerweile knapp 70 Mitglieder. Für den Vorsitzenden Wilfried Brendle ist das Becken nicht nur aus Vereinssicht eine Investition in die Zukunft. Kurdirektor Eckhard Scholz unterstrich noch einmal die Kompatibilität mit seiner Einrichtung: "Das passt voll in unser Konzept." Rund die Hälfte der Kurgäste kommt zur Prävention auf die Mettnau.