Region Auswirkungen des April-Frosts treffen Obstbauern in der Region mit voller Wucht: Ernteverluste sind dramatisch

Die Frostnächte im April haben gewaltige Auswirkungen auf Obstbauern in der Region, zum Beispiel in Stahringen, Bodman und Wahlwies. Die Betroffenen sprechen von einer Katastrophe für den Obstbau, denn bis zu 80 Prozent des Volumens sind zerstört.

Das nun sichtbare Fazit der Frostnächte im April ist niederschmetternd: "In den 28 Jahren seit dem Bestehen der Mosterei, habe ich eine derartig dramatische Situation noch nicht erlebt", sagt Günther Schäfer. Erste Medienberichte, welche die Frostschäden mit etwa 50 Prozent beziffert hatten, hätte er zunächst als überspitzt empfunden. Nach einer erneuten Begehung seines eigenen Streuobstbestands musste er feststellen, dass viele Bäume, deren Fruchtansätze den Frost augenscheinlich gut überstanden hatten, die Früchte nun vollständig abgeworfen haben.

Besonders dramatisch und existenzbedrohend ist die Situation für Regionalvermarkter, die nicht wie viele große obstverarbeitende Betriebe Äpfel national oder sogar international kaufen. Zusätzlich erschwerend kommt hinzu, dass nach zwei schwachen Obstjahren zu Beginn der neuen Erntesaison alle Reserven aufgebraucht sind. Schäfers Jahresbedarf an 300 Tonnen Äpfeln und Birnen stammen ausschließlich aus der Bodenseeregion. "Schon seit einigen Jahren haben wir Streuobstflächen gepachtet und selbst bewirtschaftet, wir haben aber auch Kooperationspartner, die uns das geerntete Obst liefern", erklärt Günther Schäfer. Seine etwa 50 Kooperationspartner sind genauso wie die Streuobstmosterei Teil der Kooperation "Gutes vom See" des westlichen Bodensees.

Besonderen Wert legen Günther Schäfer und seine Kooperationspartner auf eine sinnvolle Verwendung der Streuobstwiesen durch eine Doppelnutzung von Grünlandwirtschaft und Obstverwertung. Jetzt plant die Streuobstmosterei, durch neue Maßnahmen auf 60 bis 70 Prozent des letztjährigen Erntevolumens zu kommen, um zumindest die Produktion der Bodenseelimonade Brisanti, der Direktsäfte und Obstweinspezialitäten aufrechterhalten zu können.

Stefan Müller (links) begutachtet gemeinsam mit seinem Vater Alex die Schäden an den Apfelbäumen seiner Obstplantage in Bodman. Normalerweise müsste jeder Baum mindestens 100 Äpfel tragen, in diesem Jahr sind es eine Handvoll.
Stefan Müller (links) begutachtet gemeinsam mit seinem Vater Alex die Schäden an den Apfelbäumen seiner Obstplantage in Bodman. Normalerweise müsste jeder Baum mindestens 100 Äpfel tragen, in diesem Jahr sind es eine Handvoll. | Bild: Petra Reichle

Durch die Aufstellung von eigenen Bewirtschaftungsteams sollen bislang nicht genutzte Streuobstbestände für die Mosterei erschlossen werden. Immer mehr Obstlieferanten seien nicht mehr in der Lage, die Streuobstwiesen zu pflegen,wollen aber die Flächen im Familienbesitz nicht abgeben. Die Streuobstmosterei bietet allen Obstwiesenbesitzern einen "Rundum-Wiesen-Service" und die komplette Bewirtschaftung ihrer Obstwiesen inklusive Pflege der Bäume und Nachpflanzung an. Momentan werden alle Anfragen gesichtet, in der Hoffnung, langfristige neue Kooperationen schließen zu können. Trotzdem geht Günther Schäfer davon aus, dass etwa 50 Prozent seines Sortiments in der neuen Erntesaison nicht produzieren werden können.

Auch Stefan Müller, der in Bodman rund 30 Hektar Obstplantagen bewirtschaftet und den Hofladen Obstkiste betreibt, hat einen dramatischen Ernteausfall zu beklagen. Während rund die Hälfte der Erdbeerernte dem Frost zum Opfer fiel, sind es bei den Äpfeln und Birnen über 80 Prozent und bei den Spätsorten der Zwetschgen rund 60 Prozent. Besonders die Obstbäume in Hanglage wurden vom Frost hart getroffen, da zusätzlich zu den Minustemperaturen auch der Wind in die Wiesen gedrückt hat. Kurzfristige Maßnahmen zum Ausgleich des Ernteausfalls greifen nach Ermessen von Stefan Müller für seinen Betrieb nicht.

Der Aufwand für Pflanzenschutz und Pflege der Obstbäume bleibt genauso hoch wie in den Vorjahren, lediglich die Zahl der Erntehelfer reduziert er von 17 auf vier. Neben den kurzfristigen finanziellen Folgen beschäftigen Stefan Müller und seinen Vater Alex vor allem die mittelfristigen Auswirkungen, denn sie mussten sämtliche Investitionen für die kommenden zwei Jahre streichen. Während in diesem Jahr die dramatischen Ernteausfälle zu Buche schlagen, wird im kommenden Jahr eine Vollernte mit Überangebot erwartet.

Obstbaumeister Alexander Buhl bewirtschaftet gemeinsam mit seinem Bruder Michael und seinen Eltern den Seeblickhof in Wahlwies. Den Frostschaden für die Region Wahlwies-Espasingen-Bodman beziffert er mit rund 90 Prozent. Lediglich der Obstbau am östlichen Bodensee habe einen geringeren Ausfall von 50 bis 70 Prozent zu beklagen. Im Fokus seiner Maßnahmen zur Begrenzung des Schadens steht die Pflege seiner Kulturen, besonders im Hinblick auf weitere mögliche Beschädigungen durch Blattläuse oder Wurmbefall bei den Äpfeln. Genauso wie in Jahren der Vollernte beträgt der finanzielle Aufwand zur Pflege der Kulturen 8000 Euro pro Hektar, ein enormer finanzieller Aufwand besonders im Hinblick darauf, dass die Bäume kaum Früchte tragen.

Während Obstbauern in diesem Jahr die Einnahmen der Ernte von 2016 erhalten, werden die finanziellen Einbußen des diesjährigen Ernteausfalls erst 2018 zum Tragen kommen. Im Zeichen der dramatischen Folgen dieser Kälteschäden hofft Familie Buhl gemeinsam mit allen Obstbauen auf eine finanzielle Unterstützung durch das Land Baden-Württemberg.

Frost im April

Streuobstwiesen prägen seit Jahrhunderten das Landschaftsbild rund um den Bodensee, in diesem Jahr wurde fast die gesamte Ernte witterungsbedingt vernichtet. Auch für Obstbauern, die große Plantagen bewirtschaften, haben die vier Frostnächte im April mit Temperaturen von bis zu minus 8 Grad dramatische Folgen, da die Obstbäume in diesem Jahr etwa zwei Wochen früher als üblich zu blühen begonnen hatten. Dadurch traf der Frost die empfindlichen Blüten direkt oder kurz nach der Blüte. (per)

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