So sieht die Kunst des Nachwuches aus: Elf Absolventen und Studenten der Stuttgarter Kunstprofessorin Cordula Güdemann zeigen in der Villa Bosch bis 6. Oktober eine inspirierende Schau mit über 100 Werken.

Die Schau lässt sich durch die Vielzahl der Künstler nicht auf einen einheitlichen Stil reduzieren. Sie zeigt Malerei, Plastik, Fotografie, Zeichnungen und Literatur mit klaren Statements zu aktuellen Themen wie der Radikalisierung der Gesellschaft. Sie erzählt von Flucht und Vertreibung, von der Bildungspolitik, der Umwelt sowie von Kindheit und Familie.

Die jungen Künstler zeigen Haltung und reagieren auf politische Umbrüche. Die Klasse Güdemann beschäftigt sich mit Menschenrechten in Deutschland. Dafür erstellte sie einen Katalog, der auch in Schulen im Unterricht verwendet und in der Ausstellung gezeigt wird.

Ein Ölgemälde des Chemnitzer Karl-Marx-Monuments von Yongchul Kim will an die Ausschreitung vom Sommer 2018 erinnern. Farbströme seiner Figuren zerfließen ins Spiegelbild. Statisches wird fließend, das Unbewegte bewegt, kommentierte Kunsthistorikerin Carla Heussler in ihrer Laudatio.

Bei Tiin Kurtz bilden Literatur und Kunst eine Einheit. Sie verbindet poetische Texte mit Bildelementen auf Pappkarton. Ihrer Kunst geht der Determinierung und Sozialisierung menschlicher Charakterzüge nach. Aus Handschuhen erschafft sie dramatische Plastiken. Ihre Wolken aus Watte werden auf den Boden der Tatsachen gebracht.

In Zeiten der Zensur richtet Weiran Wang ihren Blick auf die Verbrennung von Büchern – gestaltet in Keramik mit Wachs, Gras und Moos.

Claudia Merk zeigt farbintensive Gemälde. Ihr Werk erzählt von Gewalt und Tod, vom Dieb und Opfer. Modellierte Gewehrkugeln zeigen nicht nur den Schrecken des Todes, sondern bilden deren Ästhetik ab. Comics erinnern an die Kindheit. Doch das Lachen über die Helden kann im Hals stecken bleiben.

Jinjoo Lee arbeitet mit ironischen Brechungen. Ihre Figuren sind im neuen Kontext verfremdet. Einsamkeit, weibliche Sexualität und Flucht sind weitere Themen.