Bei der Gedenkfeier des Volkstrauertages der Stadt Radolfzell auf dem Luisenplatz hat CDU-Stadtrat Christof Stadler gestern die Brücke von der Vergangenheit zur Gegenwart geschlagen. Dabei zitierte er Erfahrungsberichte und Zeugnisse aus der Geschichte der beiden vergangenen Weltkriege und den Folgen für die Menschen in den betroffenen Ländern. Eindrücklich waren seine Gedanken, wie man den Volkstrauertag und seine eigentliche Bedeutung und Idee in die Gegenwart transformieren könnte. Er forderte "Mut zur Veränderung" und einen Gedenktag, der "noch mehr den Akzent eines Friedenstages erhalten" solle.

Den Volkstrauertag in die Stadt tragen

Wie bereits vor 14 Jahren von Stadler an gleicher Stelle gefordert, mahnte er an, dass die Stadt als Schulträger mehr Schulen und Organisationen zu diesem Zweck aktivieren solle. Oder dass zum Beispiel eine französische Gastrednerin, jemand der vertrieben wurde oder ein politisch Verfolgter der Gegenwart den Wert der Demokratie deutlich und bewusst machen könnte. Gleichzeitig wünschte sich Christof Stadler, "dass man den Gedenktag an verschiedenen Orten der Stadt angemessen thematisiert". Als Vorschläge stellte er Orte in den Raum, an denen Entscheidungen für oder gegen die Demokratie fielen, wie zum Beispiel das Rathaus, die Kaserne oder an den Stolpersteinen.

Forderte am Volkstrauertag dazu auf, mehr für den Frieden und die Demokratie zu tun: Stadtrat Christof Stadler. Bild:Gerald Jarausch
Forderte am Volkstrauertag dazu auf, mehr für den Frieden und die Demokratie zu tun: Stadtrat Christof Stadler. | Bild: Jarausch, Gerald

Radikale Kräfte missbrauchen den Luisenplatz

Mit Bezug auf aktuelle politische Entwicklungen riet er davon ab, sich allein auf den Luisenplatz zu fokussieren, weil dies radikalen Kräften leicht mache, diese Ort zu missbrauchen. "Was dem Ort fehlt, ist die Tatsache, dass hier das Trauern nur schwer eine Tiefe bekommen kann. An den historischen Brennpunkten Kaserne, Schießplatz und auch dem Friedhof gelingt es eher, da spüren wir stärker etwas von Trauer und Betroffenheit, weil wir wissen, dass dort Menschen, Opfer, gelitten haben", befand Stadler.

Als unkonventionellen Vorschlag schlug er für die Umgestaltung des Luisenplatzes ein digitales Laufband vor, auf dem beständig sichtbar gemacht werden könnte, wo gerade auf dieser Welt Kriege oder Konflikte herrschen, wo Menschen unterdrückt und verfolgt werden. Im Wechsel könnten Zitate aus dem Grundgesetz oder von mutigen Menschen und Zeitzeugen eingeblendet werden, die gegen Krieg und Unterdrückung aktiv sind. "Dann wird dieser Ort zum Sprechen kommen, Vergangenheit und Gegenwart verbinden und uns täglich erinnern, wie kostbar der Frieden ist und dass wir uns dafür einsetzen müssen, ihn zu bewahren", führte Stadler aus.

Stadtrat kritisiert Passivität in der Gesellschaft

Der Stadtrat kritisierte Haltung und Passivität in der Gesellschaft: "Wie können wir es zulassen, dass wir zu den Rüstungs-Exportweltmeistern gehören? Weshalb steuern wir nicht dagegen?", fragte Stadler die Zuhörer auf dem Luisenplatz. "Haltung beweisen wir dort, wo wir Halt sagen. Halt zu Kriegswaffen und zu Zäunen, zur Ausgrenzung und Entsolidarisierung", forderte Stadler alle auf. Bei dem Wunsch, die eigenen Werte und die Demokratie zu verteidigen, erinnerte der Redner daran, dass all diese Wünsche bereits längst im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verankert seien.