Radolfzell – So der Neubau für das Altenpflegeheim auf der Mettnau kommt, wird darin auch eine Tagespflege mit 24 Plätzen untergebracht. Das hat der Stiftungsrat – das Gremium ist identisch mit dem Gemeinderat – mit 18 Ja-Stimmen, vier Nein-Stimmen und vier Enthaltungen beschlossen. Das Neubauprojekt des Spitalfonds hat damit nach einer ersten Kostenschätzung ein Investitionsvolumen von 12,4 Millionen Euro für das Pflegeheim plus 1,4 Millionen Euro für die Einrichtung der Tagespflege. Noch ist die Tagespflege mit zwölf Plätzen in der Stadtmitte im Gebäude Seestraße 44 untergebracht.

Die Mehrheit des Stiftungsrats hat sich wohl in der vorausgegangenen nichtöffentlichen Sitzung von dieser Lösung überzeugen lassen. Offenbar ist den Stiftungsräten mithilfe eines Vertreters des Regierungspräsidiums vorgerechnet worden, dass eine Tagespflege mit 24 Plätzen in den bestehenden Gebäuden in der Altstadt nicht zu finanzieren sei. Voraussetzung für das Projekt auf der Mettnau ist: Die Gebäude Poststraße 15 und Seestraße 44 werden verkauft, die Seestraße 46 mit Kapelle soll im Eigentum des Spitalfonds bleiben. Eine Mehrheit der Stiftungsräte und damit auch der Stadträte favorisiert dann die Lösung, dass die Stadt Radolfzell die Poststraße 15 kauft.

Argumentative Rückgriffe auf diese nichtöffentliche Diskussion hat OB Martin Staab mit Verweis auf die Gemeindeordnung versucht zu unterbinden. Was nicht immer fruchtete. Siegfried Lehmann pochte mit einem Hinweis auf die öffentlich einsehbaren Unterlagen auf sein Rederecht: "Ich darf hier sehr wohl Bezug nehmen auf Zahlen, die in der Sitzungsvorlage für die öffentliche Tagesordnung stehen."

Doch die versammelte Mehrheit im Stiftungsrat folgte der Argumentationslinie der Verwaltung: Auf der Mettnau ließen sich beide Betriebsbereiche wirtschaftlich besser darstellen, weil es einfacher sei, in einem Haus Tagespflege und stationäre Heimunterbringung zu organisieren. "Die Tagespflege dient auch zur Kundengewinnung", betonte Sozialbürgermeisterin Monika Laule.

Unterstützung bekam sie aus einem breiten Lager. Die Altstadt habe sich als Standort für die Tagespflege als nicht passend erwiesen, erkannte Norbert Lumbe (SPD): "Wir können die Tagespflege auf der Mettnau zu Bedingungen unterbringen, die den Menschen auch gerecht werden." Jürgen Keck (FDP) befand: "Es gebietet schon die Logik, die zu betreuenden Menschen unter einem Dach unterzubringen." Auch Dietmar Baumgartner signalisierte für die Freien Wähler Zustimmung: "Uns liegt die Stiftung sehr am Herzen, Zentralität ist für uns das Wichtigste."

Skeptisch wird die Verlegung der Tagespflege von Martina Gleich und Christof Stadler (beide CDU) beurteilt. "Was aus der Altstadt wird, ist völlig unklar", kritisierte Martina Gleich. Christof Stadler bemängelte, dass die Verwaltung zwar eine Idee habe, was draußen auf der Mettnau passieren solle, aber sie habe nichts präsentiert, was mit dem Gebäude Seestraße 46 geschehen soll: "Eine sinnvolle Nutzung fehlt."

Thilo Sindlinger und Siegfried Lehmann von der Freien Grünen Liste misstrauten dem Vorschlag der Spitalfonds-Verwaltung, das sei ein Wunschkonzert und keine solide Finanzierung. "Ich halte es für völlig verantwortungslos, die Investition auf der Mettnau so hochzudrehen, Sie gefährden die Stiftung im Bestand", warf Sindlinger den Befürwortern der Umsiedlung vor.