„Das ist ganz schön hart, eine eigene Meinung zu sagen, wenn man eine sechs Jahre ältere Schwester hat!“ Der Viertklässler, einer von 26 Grundschülern aus Markelfingen, die mit ihrer Lehrerin Katrin Götz an diesem Morgen ins Kinder-Kulturzentrum Lollipop nach Radolfzell gekommen waren, schaute fast ein bisschen bekümmert. Knapp fünf Stunden später sah aber seine persönliche Welt doch deutlich entspannter aus. Denn an diesem Vormittag haben sie eine Menge gelernt über ihre Rechte. Hatten die Konvention über die Rechte des Kindes, 1989 von den Vereinten Nationen in New York beschlossen, spielerisch umgesetzt.

Dafür hatte das Lollipop-Quartett mit Nadja Gaßner (Pädagogin), Stella Schulte (Sozialpädagogin), Ibrahim Güler (Pädagoge) und Tarek Salloukh (Uni-Dozent) in Zusammenarbeit mit Birgit von Glan (bei der Stadt zuständig für Bürgerbeteiligung) einen speziellen Parcours aufgebaut. Dazu gehört anfangs eine sogenannte „Evaluationsabfrage am Seil“ zum Thema Kinderrechte – nur drei von 26 schätzten sich selber als Experte dazu ein und hielten das eine Ende des Seils, die restlichen 23 drängelten sich auf der Seite „ich weiß nicht viel davon“. Am Schluss, nach der „Tunneleinreise mit Passvergabe“ ins Kinderrechte-Land, der Absolvierung des „Gesundheitsgebirges“ sowie der „Informations- und Erholungsoase“ und schließlich der Durchquerung der „Insel der vielen Fragen“ ordneten sich 25 der 26 Kinder als Fachkundige ein – so effektiv kann es sein, wenn Kinder ernst genommen und spielerisch-sachlich informiert werden.

Kinder-Spione erforschen die Stadt

Gewaltfreie Erziehung, Gleichberechtigung, freie Meinungsäußerung: elementare Grundbegriffe menschlichen Zusammenlebens, die den meisten an diesem Vormittag aber durchaus schon irgendwie gegenwärtig waren. „Das ist für uns heute eine Auffrischung, denn es steht so im Bildungsplan und wir haben etwa schon einen wöchentlich tagenden Klassenrat, bei dem die Jugendlichen ansprechen können, was nicht gut ist.“ So erläutert Katrin Götz, auf welchem Wissensstand ihre Schüler sind. An diesem Punkt kommt auch Birgit von Glan ins Spiele, auf deren städtischer Visitenkarte „Strategische Steuerungsunterstützung, Stadtentwicklung, Bürgerbeteiligung, Demografie“ aufgedruckt ist. In ihren Bereich fällt Bürgerbeteiligung „für Große, Kleine, Alte, Menschen mit Behinderung – eigentlich für alle“. So erforscht sie auch Kinderwünsche, dazu gehören Schaukeln, Fußballtore, Bänke oder Mülleimer. Aber auch die Abrundung des Kinderrechte-Tages im Lollipop mit einer Postkarten-Aktion an den OB. Zudem gibt es sogenannte Kinder-Spione, die in der Stadt erforschen, wo etwas fehlt, kaputt ist oder dringend gebraucht wird: Spielplatzforscher, die sich manchmal sehr freuen ("Wir haben sogar schon einen Basketball-Korb bekommen“).

Wichtige und sinnvolle Kooperation

Im Lollipop erfahren sie an diesem Tag etwa, dass man in vielen Ländern noch einen Einreise-Stempel braucht oder sogar einen Fingerabdruck hinterlassen muss – „Iiii, mein Finger ist ganz blau“. Dass ein Handy überlebenswichtig sein kann bei einem Unfall in einsamer Gegend, dass Lutschlollis gut für den Zuckerspiegel sein können. Und, erklärt ihnen Tarek (aus dem Libanon): „Was haben wir alle gemeinsam trotz unterschiedlichster Sprachen in fremden Ländern? Unsere Rechte, eigene Meinungen und das menschliche Gen.“

Die Rundreise durchs Kinderrechte-Land war offenkundig nicht nur ein abwechslungsreiches und fantasievolles Format im Kinder-Kulturzentrum, sie hat den Jugendlichen gut getan, hat sie sicher ein gutes Stück selbstbewusster gemacht und Spaß gemacht. Die wichtige wie sinnvolle Kooperation Stadt/Lollipop hat damit einmal mehr ihre Bedeutung markieren können. Jedenfalls gingen alle fröhlich und entspannt wieder heim. Auch der mit der älteren Schwester...