von Georg Lange

Radolfzell – Vor einem Jahr wurde im Radolfzeller Krankenhaus das Zentrum für Altersmedizin im Klinikverbund des Landkreis Konstanz gegründet. Es ist die einzige Akut-Geriatrie am deutschen Seeufer. Ihr Einzugsbereich ist von Lindau bis nach Waldshut-Tingen. Durch die Fusion, die die Konkurrenz der Kliniken beseitigte, wurde ein Konzept zur zentralen Versorgung älterer Menschen im Landkreis Konstanz erarbeitet. Die geriatrische Abteilung stellt derzeit 40 Betten. Der Bedarf liege bei rund 60 bis 80 Betten, erläutert Peter Fischer, einer der beiden Geschäftsführer des Gesundheitsverbands im Landkreis. Das Radolfzeller Krankenhaus gibt zu seinem ersten Jahrestag Einblicke in den Klinikalltag einer Geriatrie.

Die Geriatrie am Radolfzeller Klinikum richtet sich an ältere und hoch betagte Menschen. Typisch für ihr Patientenbild ist eine Vielzahl von Erkrankungen, die gleichzeitig vorliegen. „Im Schnitt liegen neun schwere Grunderkrankungen vor, die ein Patient der Geriatrie hat“, erläutert der Chefarzt am Radolfzeller Klinikum. Eine geriatrische Fachabteilung müsse erst mal sortieren, wo der Arzt bei der Vielzahl der Erkrankungen als erstes ansetzen und eine Schädigung mit einer Übermedizin verhindern könne, erläutert Achim Gowin. Zehn Ärzte, speziell ausgebildetes Pflegepersonal sowie Logopäden, Physio- und Ergotherapeuten betreuen die älteren Patienten und nehmen sie unter einen ganzheitlichen Blick. Ziel sei es, dass ältere Patienten nach ihrer Behandlung wieder nach Hause gehen können, so der Geschäftsführer Fischer: Neben der akutmedizinischen Behandlung sollen sie rehabilitiert werden.

Einmal pro Woche ist eine große Teamsitzung, bei denen alle Patienten aus der Sicht der jeweiligen Therapeuten besprochen werden. „Das Team reflektiert im Ganzen die verschiedenen Bedürftigkeiten der Patienten und die Komplexität ihrer Erkrankungen“, erläutert der Chefarzt: Geriatrie sei ein schwieriges Fach, weil viele Patienten auf der Station auch ihren letzten Lebensweg gehen würden, räumt Gowin ein.

Viele ältere Patienten empfinden die Räume in einem Krankenhaus als bedrohlich. Bei einer Aufnahme sind vor allem Demenz-Patienten überfordert und desorientiert. Die Seelsorge bildet gemeinsam mit der geriatrischen Abteilung ehrenamtliche Begleiter aus, die den an Demenz erkrankten Patienten nach der Operation zur Seite stehen und ihn durch das für ihn bedrohliche Krankenhaus zum EKG oder zur Computertomografie führen. Das Projekt befindet sich im Aufbau, für den die Klinik-Seelsorge engagierte Bürger sucht. Idealerweise bringen sie Einfühlungsvermögen und eine Freude im Umgang mit älteren Menschen mit.

Das Klinikum konnte für die geriatrische Abteilung auch den Lachfaltenverein gewinnen. Die Gesundheitsclowns haben eine professionelle Ausbildung und einen Sinn für Unsinn, den sie gegen die Langeweile und Einsamkeit der älteren Patienten einsetzten. Sie bringen Freude und Humor in den Klinikalltag und schaffen neue Lebenslust. Die Clowns finden Kontakt zu demenzkranken Patienten, die sich bis dato sprachlich verweigert hatten und ermöglichen einen Zugang. An Tagen ihrer Anwesenheit gingen die Verabreichungen von schmerzstillenden Medikamenten deutlich herunter, beobachtet Chefarzt Achim Gowin. Das geriatrische Zentrum hat einen eigenen Krankenhauschor und möchte sein Spektrum auch mit Musik- und Kunsttherapeuten erweitern.

Der Klinikverbund

Der Klinikverbund im Landkreis Konstanz beschäftigt 3500 Mitarbeiter und hält in seinen Kliniken in Konstanz, Singen, Radolfzell und Stühlingen rund 1000 Betten bereit. Die Gesellschafter der GmbH sind die Kommunen des Landkreises und die Spitalstiftung. Im Landkreis fehlte eine Krankenhaus-Einrichtung, die sich speziell um alte Menschen kümmert. Vor vier Jahren entstand die Idee eines geriatrischen Zentrums, das sich um mehrfach und schwerst erkrankte ältere Patienten kümmert. Vor einem Jahr wurde im Klinikum Radolfzell das Zentrum für Altersmedizin eröffnet.