Radolfzell Anwohner seit Wochen ohne Telefon und Fernsehen

Bürger in Böhringen sind verärgert über Unitymedia: Sie warten seit Wochen auf den Anschluss von Fernsehen und Festnetz. Das Unternehmen ist zudem telefonisch so gut wie nicht erreichbar.

Wenn Doris Schunk mit Freunden telefonieren oder ins Internet gehen will, dann gleicht das derzeit einer unmöglichen Aufgabe. Die aus Oberfranken stammende Frau wohnt seit kurzem im Radolfzeller Ortsteil Böhringen und würde ja gerne telefonieren – wenn sie denn nur könnte. Eigentlich sollte das schon seit Wochen möglich sein, doch die Technik beziehungsweise das beauftragte Unternehmen lässt sie schlichtweg hängen. Die Rede ist von Unitymedia, die wegen ähnlicher Vorfälle in der Region in der Kritik stehen (der SÜDKURIER berichtete). Die Betroffenen sind alles andere als gut zu sprechen auf den Dienstleister. "Ich bin mit den Nerven am Ende" gesteht Doris Schunk. "Ich kann seit zwölf Wochen nicht mehr telefonieren."

Vor allem die Tatsache, dass sie den Anbieter nicht erreichen kann, um auf ihr Problem aufmerksam zu machen, macht sie regelrecht fertig. "Nach 80 Minuten geht mal jemand ran, wenn man dort anruft", beschreibt sie Problematik. Und auch, wenn sie dann darauf hinweist, dass sie seit der Vertragsbestätigung am 3. Juli darauf wartet, dass ihr Anschluss gelegt und freigeschaltet wird, ändert sich nichts weiter. Mittlerweile sind wieder Wochen vergangen, seit man sie darauf vertröstet hat, dass sich ein Techniker bei ihr melden wird.

Das Problem kennt Norbert Sprinkart nur zu gut. Der Inhaber einer Immobilienfirma hat das Gebäude errichtet, in dem Doris Schunk seit wenigen Monaten wohnt. Die insgesamt 21 Wohnungen in drei Gebäuden entlang der Bodenseestraße in Böhringen hat er von Anfang an mit einem fertigen TV-Anschluss beworben verkauft und vermietet. Dabei griff er ebenfalls auf Unitymedia zurück, weil er in der Vergangenheit mit deren Vorgänger Kabel BW gute Erfahrungen gemacht hatte. Die blieben in diesem Bauprojekt jedoch aus. Denn auch die Fernsehanschlüsse über Kabel wurden bis heute nicht fertig gestellt. Dabei wäre der technische Aufwand überschaubar. Das Glasfaserkabel liegt bis zum Verteiler im Gebäudekomplex und sämtliche Anschlusskabel sind gelegt. Einzig die Techniker von Unitymedia, beziehungsweise deren beauftragten Unternehmen, machen sich rar.

Norbert Sprinkart hat eine ähnliche Odyssee hinter sich wie seine Kundin. Auch er hat mehrfach versucht, mit dem Unternehmen Kontakt aufzunehmen. Doch außer dem reinen Hausanschluss ist bis heute nichts passiert. Zudem macht sich Sprinkart Vorwürfe, seinen Käufern und Mietern noch geraten zu haben, auch den Telefon- und Internetanschluss über Unitymedia abzuwickeln. Nach Monaten des Wartens hat er sich nun zu einer privaten Investition entschlossen. Er lässt die Wohnungsanschlüsse für das Fernsehen für rund 9000 Euro selbst legen. Bisher hat er den Bewohnern bereits mobile DVB-T Antennen zur Verfügung gestellt, damit sie überhaupt TV schauen können. Seine Kritik zielt auf den Umgang mit den Kunden ab: "Die Kommunikation funktioniert überhaupt nicht. Wenn ich einen Anschluss für so eine Anlage verkaufe, muss doch auch jemand zuständig sein", klagt er.

Aber auch die interne Abstimmung des Kabelanbieters scheint nicht fehlerlos zu sein. Kürzlich war ein Techniker vor Ort, der dann tatsächlich eine der insgesamt 21 betroffenen Wohnungen an das Telefonnetz angeschlossen hat. Von weiteren Aufträgen wusste der Mann laut Norbert Sprinkart nichts. Für den Immobilienverkäufer ergibt sich aus den Problemen in Böhringen bereits eine Konsequenz für die Zukunft. "Wenn ich noch einmal in so eine Situation komme, werde ich auf Satellitenschüsseln wechseln", lässt er wissen.

Hausbewohnerin Doris Schunk will ihren Antrag für das Telefon bei Unitymedia wieder zurück ziehen. Ihr Partner hat bereits einen Beschwerdebrief an die Bundesnetzagentur abgeschickt. Auch eine andere Hausbewohnerin kündigte den geplanten Festnetzvertrag mit dem Unternehmen.

 

Die Reaktion des Unternehmens

Unitymedia ist ein Unternehmen aus Köln und als größter Kabelnetzbetreiber einer der führenden Anbieter von Medien- und Kommunikationsdiensten via Breitbandkabel in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg. Unitymedia erreicht rund 12,7 Millionen Haushalte. Gegenüber dieser Zeitung wurde von Unitymedia bereits Besserung gelobt. Gudrun Scharlerdazu vor wenigen Tagen: "Wir können die Unzufriedenheit unserer Kunden absolut nachvollziehen. Wir bedauern sehr, dass es zu Problemen gekommen ist. Dafür möchten wir uns bei allen Kunden entschuldigen. In Zukunft werden wir unseren eigenen Qualitätsanspruch wieder vollumfassend erfüllen". 

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