Beim genauen Hinsehen sind die Farbreste noch zu erkennen. In der Nacht von Sonntag auf Montag ist das Kriegerdenkmal am Luisenplatz erneut Ziel eines Farbanschlags geworden. Am Montagmorgen erreichte die SÜDKURIER-Redaktion das Bekennerschreiben von "Antifa Paradise", die sich als eine neue autonome, antifaschistische Gruppierung aus der Bodenseeregion vorstellt. In dem Schreiben erklärt Antifa Paradise, dass es das Ziel gewesen sei, das Denkmal zu beschädigen, welches NS-Täter verherrliche und seit Jahrzehnten als Wallfahrtsort für Neonazis, wie zum Beispiel Mitgliedern des III. Wegs, diene. Der III. Weg ist eine rechtsextremistisch-neonazistische Kleinpartei, die unter Beobachtung des Staatsschutzes steht.

Gleichzeitig werden in dem Schreiben auch Vorwürfe gegen die Radolfzeller Stadtverwaltung erhoben. Nach bisherigen linken "(Schändungs)-Aktionen", wie Antifa Paradise weiter schreibt, sei die Stadt bei den Säuberungen bemüht gewesen, den Ansprüchen des III. Wegs an das Denkmal gerecht zu werden. Es habe sogar E-Mail-Verkehr zwischen Mitgliedern des III. Wegs und der Stadtverwaltung gegeben, in denen die Stadt die Säuberung des Denkmals nachweist, heißt es in dem Schreiben weiter. Damit habe die Stadt sicherstellen wollen, dass der III. Weg auch weiterhin in Radolfzell seine Feierlichkeiten abhalten könne, so der Vorwurf der linken Gruppierung.

Die Aktivisten fordern eine Entfernung des Denkmals und eine Umgestaltung des Platzes. Dies hat die Stadtverwaltung bereits geplant. Die ersten Vorschläge sind diskutiert worden.
Die Aktivisten fordern eine Entfernung des Denkmals und eine Umgestaltung des Platzes. Dies hat die Stadtverwaltung bereits geplant. Die ersten Vorschläge sind diskutiert worden.

Bürgermeisterin Monika Laule bestätigt einen E-Mail-Kontakt mit einem Absender namens "Der III. Weg – Stützpunkt Württemberg". Es ging um eine ähnliche Farbattacke vom 21. auf den 22. Januar 2017. In dieser Nacht hatten Linksautonome das Kriegerdenkmal mit Farblack besprüht. Aufgrund der kalten Temperaturen habe man das Denkmal nicht sofort reinigen können. Um den verwendeten Lack vom porösen Stein beseitigen zu können, habe man eine Spezialfirma engagieren müssen. Die Reinigung habe erst am 2. Februar 2017 abgeschlossen werden können. In der Zwischenzeit habe sich eben jener III. Weg – Stützpunkt Württemberg gemeldet, und die unverzügliche Reinigung des Denkmals gefordert. „Andernfalls wird unsere Partei vor Ort die Säuberungsaktion anmelden und öffentlichkeitswirksam durchführen“, lautete die Ankündigung in der Mail vom 29. Januar 2017. Diese öffentliche Säuberungsaktion habe Laule untersagt und wenige Tage später per Mail darauf hingewiesen, dass das Denkmal nun gereinigt sei. Das Denkmal werde nach jeder Farbbeutel-Aktion gereinigt, weil es sich um öffentliches Eigentum handle, und nicht, um dem III. Weg die Feierlichkeiten zu ermöglichen, stellt Monika Laule klar.

Allerdings möchte man das Denkmal nicht verschwinden lassen, sondern es in einen kritischen Kontext setzen. Das Denkmal soll am Luisenplatz bleiben.
Allerdings möchte man das Denkmal nicht verschwinden lassen, sondern es in einen kritischen Kontext setzen. Das Denkmal soll am Luisenplatz bleiben.

"Eine Zerstörung des Denkmals entspricht nicht den Radolfzeller Leitlinien zur Erinnerungskultur", lässt die Bürgermeisterin mitteilen. Der Arbeitskreis Erinnerungskultur werde sich im März dieses Jahres treffen und die vom Kulturausschuss beschlossenen Vorschläge zur Umgestaltung des Luisenplatzes besprechen. Im Oktober 2017 wurden insgesamt vier Optionen in die engere Wahl gezogen: Das Denkmal wird von Pflanzen zugewachsen, eine Erläuterungstafel zur Großherzogin Luise soll den Namen des Platzes erläutern, die Schaffung eines Aufenthaltsortes und die Versetzung der Figuren an einen anderen Standort innerhalb des Luisenplatzes.

Die Stadtverwaltung hat die erneute Beschädigung des Denkmals zur Anzeige gebracht. Willi Streit, Leiter des Radolfzeller Polizeireviers, gab an, den Fall an den Staatsschutz weitergegeben zu haben. Es sei völlig unklar, wer genau hinter dem Bekennerschreiben der Antifa Paradise stecke, so Streit. Dieser werde immer bei politisch motivierten Straftaten eingeschaltet. Für den Straftatbestand der gemeinschaftlichen Sachbeschädigung drohen den Tätern bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe.

Etwas pinke Farbe am Ohr des Soldaten ist noch übrig vom Farbbeutelanschlag auf das Kriegerdenkmal am Luisenplatz. Bilder: Anna-Maria Schneider
Etwas pinke Farbe am Ohr des Soldaten ist noch übrig vom Farbbeutelanschlag auf das Kriegerdenkmal am Luisenplatz. Bilder: Anna-Maria Schneider

Anonyme Seiten im Internet

  • Antifa Paradise: Eine neue Gruppierung namens Antifa Paradise hat sich zum jüngsten Farbanschlag auf das Kriegerdenkmal bekannt. Unter der Absenderadresse ist ein Internet-Blog zu finden, auf dem es allerdings noch keinen Inhalt gibt. Dieser Blog ist auf der Plattform "Blackblogs" eingerichtet. Dieser Anbieter wirbt auf seiner Seite, eine Plattform für nicht-kommerzielle, antifaschistische, antisexistische, antirassistische und datenschutzrechtliche Blogs zu bieten. Es würden bei der Einrichtung der Seite so wenig Informationen wie nötig gefordert, man wolle gar nicht genau wissen, wer diese Plattform nutzt, heißt es auf der Internetseite.
  • Verbot: Die ähnlich aufgebaute Seite "linksunten.indymedia" wurde erst jüngst im Zuge der Ausschreitungen zum G-20-Gipfel in Hamburg durch das Bundesinnenministerium verboten. Bis heute ist unklar, wer diese Seite betrieb. Auf "linksunten.indymedia" haben sich Linksextreme und Autonome Aktivisten vernetzt. Sie haben über Aktionen berichtet oder auch Informationen aus der rechten Szene geteilt. (ans)