Radolfzell Anmeldezahlen für September: Gemeinschaftsschule mit zwei Klassen, Tegginger-Werkrealschule bangt um Bestehen

Die meisten Schulen in Radolfzell sowie auf der Höri verkünden nach der Anmeldung künftiger Fünftklässler gute Neuigkeiten: Die Schülerzahlen sind mindestens stabil. Nur an der Tegginger-Werkrealschule besteht laut Schulleiter Norbert Schaible ein Grund zur Sorge: Mit bisher zwölf Anmeldungen wird keine reguläre Klasse entstehen, dafür braucht es mindestens 16 Schüler.

Schaible plant daher eine sogenannte kombinierte Klasse. Die Zusage des Regierungspräsidiums steht noch aus und soll am Montag eingehen. "Aktuell sieht es so aus, dass wieder ein Jahr gesichert ist", sagt der Leiter der Grund- und Werkrealschule. Aber ständig um die Zukunft zu bangen, biete kaum eine Perspektive mit Blick etwa auf die Unterrichtsentwicklung. Bereits vor drei Jahren drohte wegen niedriger Anmeldezahlen ein offizielles Hinweisverfahren und damit letztlich die Schließung der Schule.

Wenn zwei Jahre in Folge keine fünfte Klasse zustande kommt, wird eine weiterführende Schule abgewickelt, wie Schaible erklärt. Das bedeutet, dass keine fünfte Klasse mehr entsteht: Wenn bestehende Klassen ihren Schulabschluss erreicht haben, gäbe es dann keine Werkrealschule mehr in Radolfzell. Bei einer kombinierten Klasse zählen dagegen die Zahlen der künftigen Fünft- und Sechstklässler: Wenn das gemeinsam mehr als 28 Schüler sind, kann der Schulleiter sich für eine Aufteilung entscheiden. Im Fall der Teggingerschule gibt es zwölf Anmeldungen für die fünfte Klasse und 25 künftige Sechstklässler, die Voraussetzungen sind also erfüllt. Schaible plant, die bisherige Unterrichtsform beizubehalten, die Veränderung wäre also lediglich eine auf dem Papier. Aber: Wenn 2019 wieder so wenige Anmeldungen eingehen, müsse man erneut bangen. Im Vorjahr gab es noch 21 Anmeldungen, im Jahr davor sogar 32. "Wir als Schule können da nichts machen", sagt Schaible. Die Nachfrage sinke seit dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung. Er sei aber von ihrer Arbeit überzeugt. Den Bedarf sehe er auch an Schülern, die auf der Realschule überfordert sind und nach einigen Monaten doch auf die Werkrealschule wechseln.

Andere Schulen sind zuversichtlich

Viele der Schulleiter sind derzeit schwer zu erreichen: Das Verarbeiten der Schüleranmeldungen hier, Bewerbungsgespräche mit möglichen künftigen Lehrern da. An der Ratoldus-Gemeinschaftsschule unter Leitung von Angelika Haarbach sind derzeit vier Stellen ausgeschrieben und sie ist zuversichtlich, dass sie das nächste Schuljahr auch mit mehr Lehrern beginnen wird. Zwischen 36 und 38 Lehrkräfte mit verschiedenen Niveaus sollen es sein. Nachdem sich für das laufende Schuljahr nur 19 Kinder angemeldet hatten, sind es jetzt 33 auf zwei Klassen verteilt. Dass die Nachfrage gestiegen ist, wertet Haarbach als positives Zeichen. "Das dauert eine Schülergeneration, bis sich diese Schulart etabliert hat", sagt sie über die Gemeinschaftsschulen. Die künftigen Fünftklässler hätten Empfehlungen für verschiedene Schularten und kämen aus Radolfzell samt Teilorten, aber auch aus dem Umland wie Höri, Allensbach und Ludwigshafen.

Über geringe Schülerzahlen konnte sich die Schule Schloss Gaienhofen für das laufende Schuljahr nicht beklagen, sie bot eine vierzügige fünfte Klasse mit 100 Schülern an. Das Angebot soll jetzt bewusst um eine auf dann drei Klassen reduziert werden, wie Schulleiter Dieter Toder mit Blick auf die räumliche Situation erklärt: Je 25 Schüler in zwei gymnasialen Klassen und 24 Schüler in einer Realschul-Klasse. Die neuen Räume für die Unterstufe werden voraussichtlich erst nach den Herbstferien fertig. Über die Hälfte der Schüler komme von auswärts, zum Einzugsgebiet gehören auch Allensbach, Gottmadingen, Singen, Radolfzell und Stockach.

Beim Friedrich-Hecker-Gymnasium in Radolfzell haben manche der 123 künftigen Fünftklässler ebenfalls einen etwas längeren Schulweg. Sie kommen überwiegend aus Radolfzell und den Ortsteilen, aber auch aus Allensbach, von der Höri und aus Eigeltingen. "Ausgesprochen gut" fällt das Fazit von Ulrike Heller, Leiterin des Gymnasiums, aus: 123 Anmeldungen sind sieben mehr als im Vorjahr. "Seit zwei Jahren steigen die Zahlen wieder", sagt sie, zuvor seien sie eher rückläufig gewesen.

Ähnliches berichtet Günter Aßfalg über die Hermann-Hesse-Schule in Gaienhofen-Horn, eine Werkrealschule. Aßfalg führt das darauf zurück, dass sich inzwischen gezeigt habe, dass nicht jedes Kind in eine Gemeinschaftsschule passe. Die Werkrealschule biete eine ländliche kleine Umgebung und klare Lernschritte. 27 Kinder werden hier demnächst in die fünfte Klasse starten, im Vorjahr waren es 26. Sie kommen besonders von der Höri, aber auch aus Rielasingen-Worblingen, Überlingen am Ried oder Radolfzell. "Wir mussten eine Warteliste erstellen", erklärt Aßfalg. Theoretisch müsse eine Klasse erst bei 31 Anmeldungen geteilt werden, doch die Erfahrung habe gezeigt, dass später noch Schüler auf die Werkrealschule wechseln.

Stabil sind die Zahlen an der Gerhard-Thielcke-Realschule in Radolfzell, wie Schulleiterin Gabriele Wiedemann auf Nachfrage berichtet. 121 Fünftklässler starten im September, im vergangenen Schuljahr waren es 110. "Wir sind immer vier-, manchmal auf fünfzügig", sagt Wiedemann. Für nächstes Schuljahr sind fünf Parallelklassen geplant. Insgesamt kümmern sich 50 Lehrer einschließlich Referendaren um die Schüler bis zur mittleren Reife. Zwei davon gehen bald in Rente, daher seien bald Bewerbungsgespräche für eine ausgeschriebene Stelle geplant.

Lehrermangel weiterhin Thema

An der Tegginger-Werkrealschule fehlen 20 Lehrerwochenstunden, wie Schulleiter Norbert Schaible berichtet. Er sei jedoch fast schon froh, wenn angesichts einer drohenden Schließung kein Lehrer gehen muss. An der Hermann-Hesse-Schule fehlen ebenfalls 20 Lehrerwochenstunden: "Ich kann nur hoffen, dass es nächstes Jahr besser aussieht", sagt Schulleiter Günter Aßfalg. Acht Bewerber hätten sich für eine ausgeschriebene Stelle beworben, über die Besetzung entscheide das Schulamt. Um das Defizit aufzufangen, müsse derzeit jeder Kollege besonders mitarbeiten. "Ohne Stundenausfall ist das nicht zu machen, wenn jemand krank ist." Den Stundenplan, den Aßfalg sonst zu Beginn der Sommerferien gemacht hat, werde er dieses Jahr später machen. Denn erst während der Ferien werde sich voraussichtlich zeigen, ob sie einen neuen Kollegen bekommen.

Zeitplan

Das nächste Schuljahr startet in Baden-Württemberg am Montag, 10. September. Wenn Schüler dann in die fünfte Klasse starten, müssen sie sich bereits Ende März für eine Schulform entschieden und dort angemeldet haben. Bis dahin sind aber auf jeden Fall noch Pfingstferien vom 22. Mai bis 1. Juni, die Sommerferien beginnen am Donnerstag, 26. Juli.

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