Novica Martinovic lebte bis zu seinem dritten Lebensjahr in seinem Herkunftsland Serbien. Seit 1978 ist Radolfzell nun das Zuhause des 44-Jährigen. Die Eltern von Martinovic seien bereits in den 60er-Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. Er selbst ist in Serbien geboren, da seine Mutter aus Angst vor einer Kündigung ihre Schwangerschaft verheimlicht hatte und deshalb für die Geburt nach Serbien reiste.

Seine ersten Erinnerungen hat er an den Kindergarten in Deutschland, sagt Martinovic. Von seiner heutigen Heimatstadt sei er noch immer begeistert. Doch habe er auch um seinen Aufenthalt in Deutschland bangen müssen. 1993 sei er nämlich zum Wehrdienst in Serbien eingezogen worden. Man habe ihm gedroht, seinen serbischen Pass andernfalls nicht zu verlängern. So hätte er keine Chance auf eine deutsche Aufenthaltsgenehmigung gehabt. Martinovic fügte sich also und diente in der serbischen Armee.

Zu dieser Zeit hätten gerade die Aufstände im Kosovo begonnen, im Krieg habe er allerdings nicht gekämpft, so Martinovic. Mittlerweile besitzt er einen deutschen Pass und plant die Zukunft mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Radolfzell.

Der gelernte KFZ-Mechaniker hat während seiner Lehre im Sicherheitsgewerbe ausgeholfen. 2007 hat er sich mit seiner eigenen Sicherheitsfirma selbstständig gemacht, erzählt er. 2015 wurde sein Betrieb um ein Geschäft für Sicherheitsbekleidung erweitert. Anfangs habe er seinen Namen von Martinovic zu Martin ändern lassen wollen. Er glaubte damals, sein Nachname würde Kunden abschrecken. Mittlerweile habe sich sein Geschäft etabliert.

Anfeindungen wegen seiner Herkunft habe es nie gegeben. „Die Radolfzeller haben die Ausländer so akzeptiert, wie sie sind“, sagt er. Seine Frau ergänzt: „Er ist Radolfzeller durch und durch.“

Serie: Zur Interkulturellen Woche erzählen Migranten, wie sie in Radolfzell ihre neue Heimat gefunden haben. Wir stellen ein paar davon vor.