Radolfzell Analoge Insel in digitaler Zeit: Wie ein Puppentheater in der Zeller Kultur Klein und Groß mitreißt

Christoph Stüttgens nostalgisches Puppenbühnen-Gastspiel avanciert zum Kult. Denn er ist herzlich-herb statt verträumt, authentisch statt "Kinder-Gutmensch". Die Kleinen finden's klasse.

Es gibt Dinge, die ihren Reiz nie verlieren. Das Kaspertheater von Christoph Stüttgen scheint eines davon zu sein. Seit 43 Jahren tourt der Düsseldorfer Künstler mit seinen Puppen und dem Miniaturtheater, das in einem Reisekoffer Platz findet, quer durch die Republik. Wenn er im Frühjahr der Zeller Kultur einen Besuch abstattet, ist der Zuschauerandrang groß.

Denn Stüttgens Puppentheater hat einen ganz eigenen Charakter. Die Puppen, die Kulissen, die leicht knarzende Musik, die klingt wie vom Plattenspieler – all das ist nostalgisch. Das Märchen kreist um den uralten Konflikt zwischen Gut und Böse, es gibt den guten König mit seiner schönen Tochter und dem bösen Zauberer Jagomir. Doch das Theater ist weder verträumt noch romantisch, sondern eher herzlich-herb.

Stüttgen fällt auf im Bereich der Kinderunterhaltung. Groß und aufrecht steht er da und unterhält sich mit rauchiger Stimme mit den Kindern, um zu verhandeln, wie der rostige Koffer wohl dieses Mal zu öffnen wäre. "Ich mach' nicht auf so einen Kinder-Gutmenschen", erzählt er nach der Aufführung. "Ich bin authentisch. Das merken die Kinder." Tatsächlich haben die meisten der Kleinen im Kita- und Grundschulalter keine Ängste, sich einzuschalten, wenn der Kasper nicht mitbekommen hat, wohin das Hofschwein, das den goldenen Apfel der Prinzessin bewacht, verschwunden ist. Sie haben gut aufgepasst und erzählen die Geschichte mit ihren vielen Verwicklungen nach.

Es stellt sich heraus: Das niedlich grunzende Schweinchen ist ein verwunschener Prinz. Nur leider ist die Prinzessin ohnmächtig. Was tun? "Ein Küsschen vielleicht?", meint eine leise Kinderstimme. Ein Moment zum Schmunzeln für die großen Zuschauer, weil es so spürbar ist, wie der Zauber des Theaters die Kleinen in eine andere Welt mitnimmt.

Vielleicht wirkt dieser Zauber heute sogar noch stärker als früher. Stüttgen ist davon überzeugt: "Gerade wegen der Digitalisierung ist das Theater eine magische Ebene für die Kinder. Diese Nähe kennen einige ja gar nicht mehr."

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