Frau Nick, 14 Jahre nach ihrem Aufenthalt im Dschungelcamp wagen Sie sich wieder in den Süden. Kennen Sie Radolfzell bisher nur vom Überflug nach Mallorca oder Sidney?

Ich lebe nicht in der Vergangenheit und erinnere mich nur daran, dass ich seit meinem Sieg im Jahre 2004 das Label „Dschungelqueen von Weltklasse“ der FAZ verpasst bekam. Heute ist das ein Job geworden für Leute, die keinen Beruf haben und weder Vergangenheit noch Zukunft. Da ist es doch grandios, dass ich seit nunmehr 35 Jahren mit oder ohne TV-Formate mein Showpublikum mit Kunst und Entertainmentshow unterhalte. Wer mich nicht auf der Bühne erlebt hat, hat keine Ahnung von Desiree Nick. Ich kenne Radolfzell, weil ich die gesamte Bodenseegegend durch meine Tourneen immer wieder gern besuche. Das erste Mal in Radolfzell war ich vor 30 Jahren und ich war überrascht von der Lebensqualität dort.

Vermissen Sie den Dschungel oder gibt es andere Gründe für einen Auftritt am Bodensee?

Ich habe dort schon oft gastiert und man hat mir ein geschäftlich interessantes Angebot gemacht. Ich hatte am Bodensee immer ein dankbares Publikum und beurteile Orte nicht nach ihrer Größe. Meine Erinnerungen an jedes einzelne Gastspiel dort sind sehr gut, weil das Publikum bester Stimmung war. Jeder hat ein Recht auf beste Unterhaltung aus der Kulturmetropole Berlin.

Sie bezeichnen sich als die letzte lebende Diseuse, hat das was mit Dissonanzen zu tun?

Schon an dieser Frage sieht man, wie dringend nötig es ist, auf diese klassische, urdeutsche Kunstform, die Hollywood erobert hat, zu erinnern. Es gibt leider keine Diseusen mehr – außer mir –, aber es wurde von Friedrich Holländer ein fantastisches Repertoire hinterlassen, was mir eine Zeitreise in das Berlin der 20er Jahre ermöglicht, da ich die Diseusen dieser Epoche zu neuem Leben erwecke. Die Kunst der Diseuse war immer eine Berliner Spezialbegabung.

Mit welcher der berühmten Diseusen Blandine Ebinger, Grete Weiser oder Marlene Dietrich identifizieren Sie sich auf der Bühne und privat am meisten?

Mein Abend widmet sich den Werken die Holländer für seine Ehefrau Blandine schrieb, eine Ikone ihrer Zeit. Diese Werke hat dann die Dietrich geklaut, um damit Hollywood zu erobern. Dieses Spannungsfeld mit dem Genie Holländer in der Mitte ist der perfekte Spannungsbogen für Komik, Tragik, Glamour und Grotesque. Der Abend ist eine Perle der Hochkultur.

Sind Sie schon einmal in einem Milchwerk aufgetreten?

Nein, aber der Name klingt verlockend. Ich erwarte eine topsanierte, historisch erhaltene, gemütlich und liebevoll hergerichtete Kulturstätte, mit edlem Gemäuer und kultiviertem Ambiente.

Warum wählten Sie nicht die große Bühne im Konstanzer Konzil oder Bodenseeforum?

Warum werten Sie Radolfzell und das Milchwerk ab? Meinen Sie Radolfzell habe Glamour und Kultur nicht verdient? Ein intimer Rahmen mit unmittelbarem Publikumskontakt passt genau zu meinem Genre zwischen Burlesque und Chanson, viel besser als eine anonyme, große Halle. Wo ich gerne mal gastieren würde, das wäre das Stadttheater Konstanz, da würde die Show am besten hinpassen. Ich stand dort schon mehrfach auf der Bühne und habe es geliebt!

Fragen: Georg Becker

Zur Person

  • Desiree Nick ist am 30. September 1956 in Berlin-Charlottenburg geboren, ist Autorin, Entertainerin, Schauspielerin, Designerin und Mutter. Im Jahr 2004 wurde sie Dschungelqueen bei der Sendung "Ich bin ein Star – holt mich hier raus". Neben einer klassischen Ballettausbildung kann sie auch sechs Semester an der Theologisch-Pädagogischen Akademie Berlin-Westend vorweisen, nach dem Abschluss arbeitete sie als Lehrbeauftragte für katholische Religionspädagogik bis zur Oberstufe und übte diesen Beruf auch drei Jahre in Berlin aus. Nick war laut Wikipedia-Lexikon – auf das sie in ihrem Internet-Auftritt selbst verweist – 17 Jahre mit Heinrich Prinz von Hannover liiert. Sie haben einen gemeinsamen Sohn.
  • Zum Auftritt in Radolfzell: Desirée Nick tritt als „Die letzte lebende Diseuse – Blandine reloaded“ auf. Blandine Ebinger, Ehefrau und Muse Friedrich Hollaenders und Stimme der vom Elend gezeichneten Weimarer Republik, konnte so viel mehr als singen: Mit Krächzen, Gurren, Flöten, Fiepen und Kreischen wurde sie der erste Popstar der Cabaret- und Chansonszene Berlins. Beginn der Vorstellung am Donnerstag, 15. März, ist um 20 Uhr im Rahmen des Kabarett-Winters im Milchwerk Radolfzell.