Wie stark sich unsere Gesellschaft verändert, kann man auch an den Allmendgärten am Mindelsee beobachten. Vor mehr als vierzig Jahren wurden dort im Bereich des Dorf- und des Fällbachs Gärten angelegt, um den ärmeren Bürgern die Möglichkeit zu bieten, dort ihr Obst und Gemüse anzubauen. Gleichzeitig stand dieses Gebiet auch der Allgemeinheit zur Verfügung.

Thema beschäftigt Rat seit Mai

Die Zeiten haben sich geändert. Aus einem reinen Obst- und Gemüseanbau sind im Laufe der Zeit nach Aussage von Möggingens Ortsvorsteher Ralf Mayer Freizeitgärten geworden. Das allein sei kein Problem. Aber es gibt von seiten der Verwaltung noch andere Punkte, die jetzt dazu führen sollen, über eine grundlegende Veränderung dieses Gebietes nördlich des Fällbaches nachzudenken.

Ganz überraschend ist das für die Gartenbetreiber nicht. Schon im Mai beschäftigte dieses Thema den Rat. „Das ist ein sensibles Thema, das wir mit aller Offenheit angehen müssen“, leitete Mayer die Besprechung ein. Auf der einen Seite nähme die Ortsverwaltung nur sehr kleine Pachtbeträge ein, auf der anderen Seite gäbe es Beschwerden, denen man nur begrenzt nachgehen könne.

Kritik an Kompost am Gewässerrand

Bei einem Ortstermin bemängelte Nadja Grundler von der Abteilung Landschaft und Gewässer der Stadtverwaltung, dass die zwingend einzuhaltenden Gewässerrandstreifen auch als Lagerfläche für Kompost genutzt würden. Doch auch ein Komposthaufen sei dort verboten. Generell sei die Umwandlung von Grünland zu Acker- oder Gartenland im Bereich dieser Gewässerrandstreifen verboten. Kai-Steffen Frank vom NABU erklärt, warum: „Nach einem Regen können Nährstoffe aus dem Kompost ausgeschwämmt werden und in den Bodensee gelangen.“

Dies stieß bei den Teilnehmern der Ortsbesichtigung nicht nur auf Zuspruch. Kompostierung sei eine altbewährte Möglichkeit, dem Boden eine Düngung zukommen zu lassen. Gegen eine Kompostierung innerhalb der Bestimmungen des Gewässerschutzes sei nichts einzuwenden, sagte Ralf Mayer, nur würden diese Bestimmungen nicht überall eingehalten.

Bäume sind zu hoch

Weiter führte Ortsvorsteher Mayer an, dass innerhalb dieser Schutzzonen auch kein Metall gelagert werden dürfe. „Schrott gehört nicht in diese Gärten“, sagte Mayer. Außerdem seien Bäume, die aufgrund ihrer Höhe soviel Schatten werfen, dass Obst- und Gemüsekulturen nicht mehr richtig wachsen könnten, ein Unding, befand Ratsmitglied Markus Honsel.

„Die gehören da nicht hin. Und von diesen Bäumen geht noch eine weitere Gefahr aus“, sagte Honsel. Bei feuchtem Boden und starkem Wind sei ihre Standsicherheit gefährdet.

Auflösung der Gärten bis 2020

Nun will der Ortschaftsrat die Probleme grundlegend angehen. Die Gärten sollen bis Ende 2020 aufgelöst und das Gebiet renaturiert werden. Ortsvorsteher Mayer erläuterte: „Das wollen wir im Einvernehmen aller Beteiligten angehen. Und wir bieten den Gartenpächtern auch Alternativen an. Keinem, der einen Garten betreiben möchte, soll das nicht mehr möglich sein. Nur an dieser Stelle, nördlich des Fällbachs, sind die Problemfelder zu groß.“