Vor einer Dekade trat der kulinarische Abendmarkt mit dem Ziel an, die Radolfzeller Innenstadt beleben zu wollen. Mittlerweile zieht der Markt jeden Sommer-Donnerstag durchschnittlich 2000 Besucher an. Aus einem kleinen Wochenmarkt mit regionalen Anbietern entwickelte sich ein Abendmarkt mit Festivalcharakter mit großer Ausstrahlungskraft. Mit dem „Oktoberfest Warmup“ endete die aktuelle Saison. Zum kleinen Jubiläum ziehen Geschäftsinhaber aus dem Umfeld, Besucher und Beschicker ein Fazit.

Silke Krösser, gebürtige Radolfzellerin und in Steißlingen lebend, zog es zehn Mal auf den Abendmarkt und in ihre alte Heimat. Auf dem Markt traf sie viele Freunde. „Auch wenn der Markt oft überfüllt war, so war die Stimmung sensationell“, schwärmt Krösser. Der Abendmarkt verbreite gute Atmosphäre – auch auf auswärtige Besucher, mit denen man leicht ins Gespräch komme.

Gelegenheit zu netten Gesprächen mit Fremden

Marie-Luise und Hans-Peter Kling aus Markelfingen zeigten sich von der Saison durchweg begeistert. Anscheinend habe sich der Markt herumgesprochen und ziehe mehr Menschen aus dem Umland an. Es sei schön, dass der Abendmarkt auf attraktive Art auf die Stadt Radolfzell aufmerksam mache. Auf dem Markt könne man Bekannte treffen, die man sonst kaum sehen würde. Durch die zwanglose Atmosphäre käme man mit Fremden ins Gespräch.

Jolande und Rudolf Ehrle aus Radolfzell erlebten die Märkte als stimmungsvoll und insgesamt als positiv. In diesem Jahr vermissten sie jedoch das Angebot der zweiten Kapelle, die eine Abwechslung auf den Markt gebracht hätte. Menschenmengen ballten sich so vor der neuen Musikbühne. Ein zweites Musikangebot hätte den Markt aus ihrer Sicht entzerrt.

Händler verzeichnen immer mehr Stammkunden

Ralf Braun ist seit 23 Jahren Gastronom und seit vier Jahren mit dem Nordimobil auf dem Markt vertreten. Er war für ihn und die Stadt ein voller Erfolg. Bereits vor dem Saisonstart erlebte er bei seinen Gästen im Stammhaus eine Vorfreude auf den Abendmarkt. Bis zu 15 Prozent seiner Marktgäste waren Stammkunden, die wegen einer Bierspezialsorte seinen Stand besucht hatten.

Gabi Salewski aus Volkertshausen war zum dritten Mal beim Abendmarkt und bot Maultaschengerichte an. Ihre Gäste waren sehr nett und hätten großen Spaß mitgebracht. Sie registrierte eine Steigerung sowohl an Besuchern wie an Umsätzen.

Tanja und Stefan Ludolph hatten auf dem Markt einen Süßwarenstand. Die Umstellung fanden beide gut. Die zentrale Bühne verschaffte den Händlern mehr Ruhe. Zuvor seien die Beschicker mit konkurrierenden Musikrichtungen dauerbeschallt worden. Durch die Verlegung des Kunsthandwerks in die Schützenstraße konnten Besucher nun direkt auf ihren Stand zulaufen. Sie baute sich eine Stammkundschaft auf und erzielten höhere Umsätze.

Zehn Jahre Radolfzeller Abendmarkt – Projektleiterin Martina Gnirß erntet mit ihrer Neustrukturierung weitestgehend Zustimmung und kann zufrieden auf das kleine Jubiläum zurückblicken.
Zehn Jahre Radolfzeller Abendmarkt – Projektleiterin Martina Gnirß erntet mit ihrer Neustrukturierung weitestgehend Zustimmung und kann zufrieden auf das kleine Jubiläum zurückblicken. | Bild: Georg Lange

Regine Volk bot kunstvolle Lederwaren an. Auch sie zeigte sich durch die neue Musikbühne entspannter. Die Neuordnung hätte mehr Besucher erlaubt mit weniger Gedränge. Sie bevorzuge den Abendmarkt, weil dessen Besucher ihr Angebot zu schätzen wüssten. Zudem hätten zufriedene Kunden vermehrt eingekauft. Wolfgang Matthes erlebte eine besondere Atmosphäre und eine Saison mit abwechslungsreichem Programm. Mit seiner vergrößerten Senfmanufaktur zog er von der Peripherie mitten ins Marktgeschehen. Dies brachte ihm jedoch keine Vorteile, da große Menschentrauben vor den Gastronomieständen den Zugang seiner Kunden behindert hätten.

Sonja Uhl, Inhaberin eines Spielwaren-Geschäftes in der Schützenstraße, beobachtete in den letzten drei Jahren eine positive Veränderung mit zufriedenen Besuchern aus der Region. Insgesamt sei über den Abendmarkt der Einzugsbereich ihrer Kundschaft größer geworden. Besucher entdeckten das große Sortiment und erinnerten sich vor Weihnachten an sie.

Positive Auswirkungen auf Geschäfte und Gastronomie

Sarah Osek ist Geschäftsführerin eines Drogeriemarktes in der Schützenstraße. Während des Abendmarkts beobachtete sie eine größere Altersdurchmischung. Vanessa Link ist dort Auszubildende und zählte mehr Kunden und Spontaneinkäufe als an davorliegenden Tagen. Daniel Burger hat ein Modegeschäft in der Schützenstraße. Die letzte Stunde seiner Öffnungszeit sei belebter als früher. Kunden informierten sich und ließen sich Waren zurücklegen, die sie wegen des Festgetümmels später abholen. Der Abendmarkt sei sehr gut und brächte der Stadt viel. In Gesprächen mit Unternehmern und Wirten erfuhr er eine Zufriedenheit der Anrainer. Besucher würden im Anschluss umliegende Gastronomien besuchen.

Annegret Schlusemann vertreibt in der Schützenstraße Süßwaren. Trotz belebter Kernstadt beobachtet sie keine Steigerung ihres Umsatzes an den Abendmärkten. Das liege an der Wärmeempfindlichkeit ihrer Ware. Verstärkt würden Besucher am Wochenmarkt ihr Geschäft aufsuchen.