Für den Tontechniker im Milchwerk war der A-cappella-Abend eine ruhige Geschichte. Außer Mikrofone musste er nichts anschließen. Für Musik sorgten insgesamt neun hervorragenden Sänger, die sich an diesem Abend die Bühne teilten. Und diese beherrschten ihr Instrument bis zur Perfektion.

Die Les Brünettes beim Milchwerk-Festival in Radolfzell.
Die Les Brünettes beim Milchwerk-Festival in Radolfzell. | Bild: Arndt, Isabelle

Den Anfang machten die vier bezaubernden Damen von Les Brünettes. Ihr Bühnen-Outfit haben sie ihrem Programm "The Beatles Close-Up" angepasst. Adrett in Taillenhosen aus Tweed und weißen Blusen entführten sie die Zuhörer in die Musik der wohl bekanntesten Boyband aller Zeiten. Schon bei den ersten Nummern klingt es auf der Bühne nach mehr als nur vier Stimmen. Die Les Brünettes bedienen sich aller Wege und Möglichkeiten, mit ihrem Körper Musik zu machen.

Die Les Brünettes beim Milchwerk-Festival in Radolfzell.
Die Les Brünettes beim Milchwerk-Festival in Radolfzell. | Bild: Arndt, Isabelle

Es wird geklatscht, auf den Brustkorb getrommelt, gebeatboxt, gesungen, gebrüllt und gesummt. Dies muss nicht unbedingt ruhig und besinnlich klingen. Das Medley aus Beatles-Klassikern, die in den Sechziger Jahren die Stadien gefüllt haben, klingen auch bei Les Brünettes lebhaft und mitreißend. Die Les Brünettes bestehen aus den Sängerinnen Juliette Brousset, Stephanie Neigel, Julia Pellegrini und Lisa Herbolzheimer. Letzte befindet sich allerdings gerade in Elternzeit und wurde bei dem Konzert bestens von Friederike Merz vertreten.

Die Gruppe "Zell a Capella" überraschte als Vorgruppe im Milchwerk Radolfzell, noch bevor Les Brünettes oder Füenf auftraten.
Die Gruppe "Zell a Capella" überraschte als Vorgruppe im Milchwerk Radolfzell, noch bevor Les Brünettes oder Füenf auftraten. | Bild: Arndt, Isabelle

Die vier Frauen führen charmant und sympathisch durch das Programm. Obwohl alle brünett sind, sind sie so unterschiedlich wie ihre Stimmen. Den Song "Why don't we do it in the road", einem Ein-Zeilen-Lied der Beatles, interpretierten die vier recht unterschiedlich. Mal im Swing-Stil, im Stil der Comedian Harmonists der Zwanziger Jahre, mal als Heavy-Metal-Version oder im Disco-Stil. Höhepunkt und Beweis ihres Talentes war die sehr besondere Interpretation von "Let it be", die einerseits sehr fragil, aber gleichzeitig intensiv und modern klang. Einflüsse von Elektro und House paarten sich mit dem sakralen Charakter des Liedes. Ein Hörgenuss, wie man ihn selten bekommt.

Humor und Gesang sind ihre Stärke: Die A-cappella-Gruppe Füenf ist für ihre lustigen Liedtexte bekannt. Im Publikum sitzen viele Fans.
Humor und Gesang sind ihre Stärke: Die A-cappella-Gruppe Füenf ist für ihre lustigen Liedtexte bekannt. Im Publikum sitzen viele Fans. | Bild: Arndt, Isabelle

Das Kontrastprogramm dazu brachten die fünf Herren von Füenf. Viele Zuschauer kannten sie bereits und freuten sich auf den musikalischen Klamauk der rein männlichen A-cappella-Gruppe. Die neue gesangliche Tonlage wurde durch den Wechsel von Frauen- auf Männerstimmen besonders deutlich. Auch inhaltlich wurden völlig neue Seiten aufgeschlagen. Berühmte Hits ziehen die Füenf durch den Kakao, singen eine Ode auf den Thermomix und amüsieren die Zuhörer mit Liebesliedern, in denen sie das Wort "Love" durch "Horst" getauscht haben. So einfach kann Humor auch transportiert werden. Gepaart mit hervorragendem Gesang war es beste Unterhaltung.

Die Füenf beim Milchwerk-Festival in Radolfzell
Die Füenf beim Milchwerk-Festival in Radolfzell | Bild: Arndt, Isabelle

Die schönste Idee hatten die fünf Sänger mit einem Lied für Schlager-Ikone Patrick Lindner. Der Text bestand ausschließlich aus Song-Titeln von Patrick Lindner und zeigte die Bandbreite an schwülstigen und oberflächlichen Schlagerphrasen. Ein Fest für alle Zuhörer, die den Refrain begeistert mitsangen.

Die Füenf beim Milchwerk-Festival in Radolfzell
Die Füenf beim Milchwerk-Festival in Radolfzell | Bild: Arndt, Isabelle