Ihre Decknamen klingen harmlos. Doch die Wirkung von „Little Boy“ und „Fat Man“ waren verheerend. In Sekundenschnelle töteten der „kleine Junge“ und der „fette Mann“ mehr als 92.000 Menschen aus der japanischen Zivilbevölkerung. Sechs Monate später waren weitere 130.000 Menschen an den Folgen der ersten Atombomben-Abwürfe auf Hiroshima und Nagasaki vor 75 Jahren gestorben.

Es waren die ersten und bisher letzten Einsätze von Atomwaffen. Der gewaltige Schrecken, den Menschen über Menschen gebracht hatten, brannte sich über Generationen hinweg in das kollektive Gedächtnis ein.

Plakataktion in der Schützenstraße

Davon zeugt auch ein großes Plakatbild an der Schützenstraße. Nur noch die Steinfassade der ehemaligen Industrie- und Handelskammer in der Präfektur Hiroshima blieb übrig, als über ihr und in 580 Meter Höhe die Atombombe gezündet wurde, am 6. August 1945.

Ihre Umgebung verbrannte sofort und wurde kilometerweit von einer radioaktiven Druckwelle zerstört. Dieses Tages gedenkt eine Gruppe Bürger mit einer Plakataktion. Und mahnt zur weltweiten Abschaffung der bisher tödlichsten Waffe, die gegen eine Zivilbevölkerung eingesetzt wurde.

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Gegen Ende des Kalten Krieges hatten allein die Supermächte Sowjetunion und USA geschätzte 70.000 Atombomben in ihren Waffenarsenalen. Sieben weitere Staaten rüsteten sich zusätzlich atomar auf. Nach erfolgreichen Abrüstungsvereinbarungen verblieben nur noch in dem Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz die letzten Atomwaffen der US-Streitkräfte auf deutschem Boden. Für dessen Abzug tritt Heinrich Schuster mit einer Gruppe von Radolfzellern sowie mit Bürgern aus dem Landkreis ein.

Deutschland hat den Verbotsvertrag noch nicht ratifiziert

Die Gruppe spricht sich ebenso gegen eine Beteiligung der Bundesrepublik in einem nuklear geführten Krieg aus. Am 75. Gedenktag des Atombombenabwurfs sammelten sie in der Radolfzeller Innenstadt an einem Informationsstand Unterschriften für den von der UNO initiierten Atomwaffen-Verbotsvertrag, den bis dato 82 Staaten unterzeichnet haben – jedoch nicht die Bundesrepublik. Sie fordern, dass auch Deutschland sich am Vertrag beteiligt.

Bei der Sammlung von 160 Unterschriften blieben Heinrich Schuster besonders junge Familien in Erinnerung: Es gehe um die Welt ihrer Kinder, so sein Eindruck über die Beweggründe, sich an der Aktion zu beteiligen. Denn gäbe es noch mehr Atombomben, gäbe es auch noch mehr Angst und Unsicherheit. Es gehe um wieder um einen Anfang, dass sich die Großmächte zusammensetzen und die Atomwaffen abbauen.

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