577 Schüler des Friedrich-Hecker-Gymnasiums (FHG) haben gegen die Rekrutierung und den Einsatz von Kindersoldaten protestiert. Viele von ihnen waren bestürzt, als sie im Vorfeld erfuhren, welches Leid diesen Kindern widerfährt.

Mit dem roten Farbabdruck ihrer Hände auf weißem Papier haben sie sich der Aktion „Red Hand Day“ angeschlossen, die vor 20 Jahren von der Kinderhilfsorganisation Terre des hommes und anderen Menschenrechtsorganisationen ins Leben gerufen wurde. Die symbolischen roten Hände sollen zu einem späteren Zeitpunkt an den Bundestagsabgeordneten Andreas Jung übergeben werden.

Mehr Teilnehmer als bisher

„Aufgrund der Pandemie sollte die Aktion zunächst nur online stattfinden“, berichtete Till Rehfeld, Lehrer am FHG. Gemeinsam mit seiner Kollegin Regina Meyer-Stoll und der Unterstützung durch die Schülermitverwaltung setzte er sich dann aber dafür ein, dass die Schüler tatsächlich mit ihren Händen, Farbe und Papier an der Aktion teilnehmen konnten.

Linus Seitner malt die linke Hand von Leonie Schoss mit roter Dispersionsfarbe an.
Linus Seitner malt die linke Hand von Leonie Schoss mit roter Dispersionsfarbe an. | Bild: Natalie Reiser

„Wir haben die Klassen nacheinander in die Aula gerufen und nicht wie in den vergangenen Jahren nur die Pausenzeiten genutzt“, erzählt Meyer-Stoll. „So sind in diesem Jahr etwa 300 Handabdrücke mehr zusammengekommen“, schreibt Rehfeld nach der Aktion.

250.000 Kinder werden ausgebeutet

Schätzungsweise 250.000 Jungen und Mädchen werden weltweit als Kindersoldaten ausgebeutet, gibt das internationale Kinderhilfswerk Terre des hommes (Erde der Menschlichkeit) an. In mindestens 22 Ländern würden Kinder zwangsrekrutiert, getötet, verstümmelt, als Spione, Träger oder Kämpfer benutzt und oftmals sexuell missbraucht.

Die Kinderhilfsorganisation und das Global Net, ein Netzwerk von Friedensaktivisten und Kritikern von Waffenexporten aus verschiedenen Berufsfeldern, fordern von der neuen Regierung in Deutschland einen Kurswechsel, was die Waffenexporte angeht. Die Ampel-Koalition habe sich für eine restriktive Rüstungspolitik und ein Rüstungsexportkontrollgesetz ausgesprochen. „Das ist überfällig, denn deutsche Kleinwaffen landen auch in den Händen von Kindersoldaten“, so Ralf Willinger, Kinderrechtsexperte von Terre des hommes.

Gegen Waffenexporte in bestimmte Länder

In der letzten Legislaturperiode habe Deutschland als viertgrößter Waffenexporteur weltweit mehr Rüstungsgüter als je zuvor exportiert, erklärt Brigitte Geiger von der Terre des hommes-Gruppe in Radolfzell in einer Pressemitteilung. Ein erheblicher Teil dieser Exporte gehe direkt in Staaten, die an bewaffneten Konflikten und schweren Menschenrechtsverletzungen beteiligt seien. „Waffenexporte in solche Länder müssen dringend gestoppt und gesetzlich verboten werden“, fordert Geiger.

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Die Schüler des Friedrich-Hecker-Gymnasiums beschäftigt dieses Unrecht sehr. Jule Irmler aus der achten Klasse schreibt: „Ich finde es erschreckend, dass den Kindern die Kindheit geraubt wird. Sie werden einfach entführt oder es wird ausgenutzt, dass ihre Eltern umgebracht wurden.“ Ana Besic denkt über die Folgen nach: „Die Kinder werden ein Leben lang von vielen Traumata geplagt. Ich bewundere Unicef dafür, dass sie die Kinder aus den schlimmen Situationen befreien wollen.“