Radolfzell 42. Naturschutztage am Bodensee: Warum man Vögel und Insekten braucht

Seit 42 Jahren finden die Naturschutztage am Bodensee statt. Die Themen sind nicht immer neu, aber jedes Mal aktuell

Am westlichen Bodensee war man der Natur und deren Schutz schon immer etwas näher. Noch bevor sich die Grünen als politische Partei offiziell fanden und das Thema Umweltschutz in die Bundesregierung brachten, starteten die Umweltverbände 1976 mit einer kleinen Seminarreihe in Gaienhofen. Schon ein Jahr später berichtete der SÜDKURIER im Januar 1977 über das "viel beachtete Seminar" mit mehr als 120 Teilnehmern aus dem gesamten Bundesgebiet. Veranstaltet wurden die Seminare vom Landesverband des Bundes für Natur- und Umweltschutz (BUND) und des Deutschen Bundes für Vogelschutz (DBV). Es ging um Vogel- Reptilien- und Amphibienschutz, Flurbereiningung, Jagd- und Naturschutzgesetze. Besonders gelobt wurde die Zusammenarbeit zwischen den Naturschutzverbänden und dem Radolfzeller Flurbereinigungsamt beim Projekt Ehinger Ried. Die Seminare standen unter dem Motto "Rettet die Vögel, wir brauchen sie."

Nur zehn Jahre nach dem Start der Naturschutzseminare kamen jährlich mehr als 600 Teilnehmer nach Gaienhofen. Im Jahr 1986 berichtete der SÜDKURIER über die jährliche Auszeichnung für Jugendgruppen der Umweltverbände. So erhielt in diesem Jahr die DBV-Jugend aus Gerlingen den ersten Preis für ein Amphibienschutzprojekt. Auch Sparten-Projekte kamen zum Zug: Der fünfte Platz ging an die DBV-Jugend aus Neu-Ulm, die eine Aktion gegen Froschschenkel-Gericht in Restaurants gestartet hatte.

Doch bald schon wurde die Höri-Halle zu klein für die Naturschutztage. 1989 fanden diese erstmals an der Universität Konstanz mit rund 700 Teilnehmern statt. Das Thema damals so aktuell wie heute: Naturschutz und Landwirtschaft. Der damalige baden-württembergische Landwirtschaftsminister Gerhard Weiser kritisierte den Verbraucher, nicht bereit zu sein, mehr Geld für ungespritzte Lebensmittel auszugeben. Zehn Jahre später, im Jahr 1999, wiederholte der damalige Europaabgeordnete Freidrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf diese Kritik. Bereits kleine Änderungen im Kaufverhalten könnten den Anteil der ökologischen Landwirtschaft von zwei auf zehn Prozent zu erhöhen. Mit nur 20 D-Mark mehr pro Monat für eine vierköpfige Familie, wie er während der Podiumsdiskussion vorrechnete. Räumlich veränderten sich die Naturschutztage erneut: Nach nur wenigen Jahren in Konstanz wurden sie Anfang der 1990er-Jahre nach Radolfzell verlegt.

Immer wieder bereicherten hochkarätige Gäste aus Politik und Wirtschaft die Naturschutztage. So sprach 2013 der ehemalige Ministerpräsident und damaliger EU-Kommissar Günter Oettinger über Klimawandel, die Atomindustrie und Fracking. 2008 musste Peter Hauk (CDU), damals Minister für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg, bei der Podiumsdiskussion ordentlich Kritik für den Umgang mit Gentechnik in der Landwirtschaft einstecken. Auch die damalige Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) stellte sich 2009 den Fragen der Umweltverbände zum Thema Nachhaltigkeit. Der diesjährige prominente Gast, der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann, ist bereits das zweite Mal dabei. Bereit 2016 nahm er Stellung zum Freihandelsabkommen TTIP.

Ab heute gehen die Naturschutztage am Bodensee in die 42. Runde. Bis Sonntag, 7. Januar, wird es im Radolfzeller Milchwerk und am westlichen Bodenseeufer zahlreiche Exkursionen, Fachvorträge, Seminare und Podiumsdiskussionen geben. Eines der wichtigen Themen in diesem Jahr: Das große Insektensterben in Deutschland. Aber auch nach mehr als 40 Jahren wird der Konflikt Naturschutz und Landwirtschaft Thema bei den Naturschutztagen sein so der Zusammenhang zwischen sozialer und ökologischer Gerechtigkeit und EU-Agrarpolitik. Winfried Kretschmann spricht am Freitag, 5. Januar, um 9 Uhr zum Thema Biodiversität in Baden-Württemberg.

Zu den Naturschutztagen

Start der Naturschutztage ist heute, 4. Januar, um 14 Uhr im Milchwerk. Brigitte Dahlbender, Vorsitzende des BUND in Baden-Württemberg wird zusammen mit OB Martin Staab die Veranstaltung eröffnen. Die Online-Anmeldung für die Exkursionen und Seminare ist bereits abgelaufen. Für die einzelnen Vorträge gibt es noch Karten an der Tageskasse.

Das vollständige Programm: www.naturschutztage.de

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