Am Freitag demonstrierten in Radolfzell rund 350 vornehmlich junge Menschen gegen den Klimawandel. Im Rahmen der „Fridays for Future“-Bewegung zogen Schüler und andere Teilnehmer vom Marktplatz durch die Innenstadt bis zum Konzertsegel. Dabei forderten sie wie in vielen anderen Städten in ganz Europa einen Ausstieg aus den fossilen Energieträgern und mehr Engagement gegen den Klimawandel. Mit dem Ausruf: „Wir sind hier, wir sind laut – weil ihr uns die Zukunft klaut“, klagen sie direkt die Generationen ihrer Eltern und Großeltern an.

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Die Demonstranten fordern nicht nur das Erreichen von Nettonull bei Treibhausgasen bis 2035, sondern auch den Kohleausstieg bis in das Jahr 2030 und eine 100-prozentige Versorgung durch erneuerbare Energie, ebenso die Einführung einer CO2-Steuer. Auf ihrem Weg durch die Innenstadt versuchten die Teilnehmer immer wieder, durch besondere Aktionen auf sich aufmerksam zu machen. Vor dem Rathaus sanken alle gemeinsam auf Kommando zusammen, um zu verdeutlichen, welche Folgen der Klimawandel am Ende für den Menschen haben wird.

Nicht alle Beobachter haben Verständnis für die Jugendlichen

Nicht alle Beobachter konnten die Demonstrationsteilnehmer damit inhaltlich erreichen. Immer wieder vernahm man Beobachter, die wenig Verständnis für den Protest zeigten. Reaktionen wie „die sollen gefälligst zur Schule gehen“ bis hin zu dem Hinweis, dass „die Jugendlichen erst einmal ihren Müll im Stadtpark beseitigen“, reichte dabei die Palette der Gegenargumente.

Rund 350 Schüler und andere Teilnehmer demonstrieren im Rahmen der Bewegung „Fridays for Future“ in Radolfzell.
Rund 350 Schüler und andere Teilnehmer demonstrieren im Rahmen der Bewegung „Fridays for Future“ in Radolfzell. | Bild: Jarausch, Gerald

Doch der inzwischen weltweite Protest hat durchaus seine Berechtigung. Das zumindest ließen die von den Veranstaltern eingeladenen Fraktionen aus dem Gemeinderat erkennen. Die Chance, mit den Jugendlichen in den Dialog zu treten, nahmen die SPD, CDU und Freie Grüne-Liste wahr. FDP und Freie Wähler kamen der Einladung nicht nach. Der pensionierte Lehrer Norbert Lumbe (SPD) fand viele lobende Worte für die Jugendlichen: Was euch bis jetzt gelungen ist, ist gewaltig. Wir sind nicht mehr die, die wir waren, bevor ihr aktiv wurdet“, sagte er am Konzertsegel. Auch Sabrina Weidlich (CDU) ließ wissen, dass der Protest Wirkung zeigt: „Dass etwas getan werden muss, ist uns allen klar – auch in der CDU.“

Niclas Reutter ruft zur Teilnahme an den Wahlen auf

Von Seiten der Freien Grünen Liste (FGL) ermutigte Daniela Löchle die Schüler, mit ihrem Protest fortzufahren: „Über die Zukunft sollten Menschen entscheiden, die 2050 noch atmen“, befand sie. Wohl nicht zuletzt aus diesem Grund rief Niclas Reutter von „Fridays for Future“ in Radolfzell dazu auf, am Sonntag entsprechenden Einfluss bei der Europa- und Kommunalwahl zu nehmen: „Das ist vielleicht die letzte Wahl, durch die man die Klimakatastrophe noch eingrenzen kann“, sagte er im Gespräch mit dem SÜDKURIER.

Niclas Reuter zeigte sich erfreut von der großen Resonanz in Radolfzell, klagte aber gleichzeitig die Politik in Deutschland an: „Es ist schade, dass in der Politik so viel falsch laufen muss, dass Schüler innerhalb ihrer Schulzeit auf die Straße gehen müssen, um für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren“, sagte er weiter. Dass es dazu wenig Alternativen gibt, zeigte mehrere der zahlreichen Banner auf dem Demonstrationszug. Dort hieß es unter anderem: „Fehlstunden verkraftet man, Klimawandel eher nicht so“ oder „Wir schwänzen nicht – wir kämpfen“.