Noch ein wenig unsicher sieht der Kniefall vor dem Altar im Radolfzeller Münster aus. "Es ist nicht der Knicks vor einer Kaiserin, es ist ein Kniefall vor Jesus", sagt Pfarrer Michael Hauser, der die Kinderschar mit ruhiger Stimme auf die Zeremonie vorbereitet. Es ist die erste Probe für den kommenden Weißen Sonntag, den ersten Sonntag nach Ostern. 28 Kinder aus Radolfzell und Möggingen werden dann die heilige Kommunion im Münster empfangen. Weitere Festgottesdienste finden an den folgenden Sonntagen in den Pfarrgemeinden St. Meinrad, Böhringen, Markelfingen und Güttingen statt.

Vier Stützpfeiler für die Kommunion

Die Erstkommunion ist ein Schritt in die katholische Gemeinde, es ist ein Bekenntnis der Kinder zu Gott und der Kirche. Dafür benötigt es eine gewissenhafte Vorbereitung. Pfarrer Hauser beschreibt dabei vier Stützpfeiler, die den Kindern zwischen acht und zehn Jahren auf ihrem Weg zur Kommunion helfen sollen: Religionsunterricht in der Schule, Gottesdienste, das Elternhaus und Gruppenstunden durch die Katechetinnen.

Die acht Katechetinnen sind bei den Proben mit dabei. Sie sitzen am Sonntag jeweils am Ende der Bankreihe, als Betreuer, damit kein Kind verloren geht. Sechs Katechetinnen sind Mütter eines der Kinder, zwei Frauen sind schon jahrelang mit dabei. Pastoralreferentin Christina Wöhrle gibt den Frauen für den Unterricht das Material an die Hand. Sie spricht mit ihnen die einzelnen Themen zum christlichen Glauben durch und hilft bei der Gestaltung der wöchentlichen Gruppenstunde. „So können sie die Kinder im Gespräch, mit Basteln, Malen, Gestalten und Spielen vorbereiten“, sagt Christina Wörhle.

Kein Rückgang bei den Kommunionen

Vier Kinder fehlen bei der Probe. In einer Schlange stellen sich die Kinder neben den hölzernen Sitzbänken der Kirche auf, jeder soll sich seinen Vorder- und Hintermann merken. Für die fehlenden Kinder wird ein Platz freigelassen. Pfarrer Hauser schreitet um den Altar, die Kinder halten dabei symbolisch eine imaginäre Taufkerze in der Hand. Die Aufstellung klappt dann noch nicht ganz perfekt, einige Kinder müssen noch auf ihre genaue Position gerückt werden. Doch Pfarrer Hauser ist sich sicher: "Am Sonntag klappt es."

Am Feiertag wird die Stadtkapelle vom Friedrich-Werber-Hause mit den Kommunikanten über den Marktplatz bis zum Haupteingang des Münsters ziehen. Der Gottesdienst beginnt um 9.30 Uhr. Im vergangenen Jahr nahmen 36 Kinder an dem Zug durch die Stadt teil, in diesem Jahr sind es acht weniger. Dennoch seien die Zahlen in Radolfzell relativ stabil. Den Rückgang bei den Kommunionen sei, anders als in Großstädten, statistisch nicht zu bemerken, so Pfarrer Hauser.

„Münstermücken“ sorgen für die Musik

Der Festgottesdienst der Erstkommunion im Münster steht in diesem Jahr unter dem Motto "Komm wir suchen einen Schatz". Laut Pastoralreferentin Wöhrle soll es darum gehen, frühere Erfahrungen der Menschen mit Jesus darzustellen. Das Wissen soll auch heute helfen, um zu ihm eine Beziehung aufzubauen. Die wichtigsten Prozeduren werden am Sonntag laut Wöhrle das Sakrament der Taufe, das Sakrament der Versöhnung (Beichte) und das Abendmahl sein.

Wöhrle: „So wird für die Kinder erfahrbar, dass Jesus Christus ihnen in der heiligen Kommunion immer wieder nahe kommt und für sie da sein möchte, wie es sonst niemand kann." Musikalisch gestaltet wird der Gottesdienst von den „Münstermücken“ unter der Leitung von Dagmar Peetz-Lohrer und von Herbert Gnädinger an der Orgel.

Kinder müssen keine weißen Gewänder tragen

Ein paar Kinder recken selbstbewusst den Finger in die Höhe. Der Pfarrer hat eine Testfrage gestellt: "Wer weiß denn, wie die vier Heiligen von Radolfzell heißen?" Mit ein wenig Gruppenarbeit sind alle vier Namen schnell aufgezählt: Theopont, Senesius, Zeno und Radolt. Danach falten die Kinder ihre Hände zum Gebet, auch das muss gelernt sein.

Ob die Kinder bei ihrer Erstkommunion am Sonntag weiße Gewänder im Münster tragen, bleibt den Eltern überlassen. Die anschließende Feier in den umliegenden Gasthöfen und Wirtschaften wird durch die Familie organisiert. Die Spenden der Erstkommunionkinder werden in der Dankandacht am Abend eingesammelt. Sie gehen an ein Kinderdorf des katholischen Bonifatiuswerks, die hilfsbedürftige Kinder und Jugendliche unterstützen.

Am heutigen Samstag findet die Generalprobe mit der Band im Radolfzeller Münster statt. Einen Tag später wird es für die jungen Katholiken ernst, der gemeinsame Kniefall vor dem Altar sollte dann mit genügend Übung kein Problem mehr sein.

Kommunion in der Region

In der Seelsorgeeinheit St. Radolt feiern in diesem Jahr 95 Kinder die Erstkommunion. Fünf Erstkommunionsfeiern wird es in den Pfarrgemeinden in den nächsten drei Sonntagen geben. Im Münster gehen 28 Kinder aus Radolfzell und Möggingen zur Erstkommunion. In St. Meinrad sind es in diesem Jahr 28, in Böhringen elf, in Markelfingen 18 und in Güttingen sieben Erstkommunikanten. In Liggeringen, St. Georg, Stahringen und St. Zeno findet wieder im nächsten Jahr eine Kommunion statt. In der Katholischen Kirchengemeinde Höri finden in den kommenden beiden Sonntagen drei Feiern zur Erstkommunion statt. In Weiler und Öhningen nehmen jeweils 16 und in Horn elf Kinder an der katholischen Tradition teil.