Radolfzell ist aktuell um 23 amerikanische Mitbürger reicher – jedenfalls vorübergehend. Bis Ende September gehen sie hier zur Schule und leben bei Gastfamilien, um Deutsch zu lernen und einen ersten Eindruck von Deutschland zu gewinnen. Denn im Rahmen des 35. Parlamentarischen Patenschafts-Programms (PPP) für junge Berufstätige werden sie ein Jahr in Deutschland verbringen. Radolfzell ist dabei ihre erste Station und gefällt: "Ich fühle mich wie im Urlaub", sagt etwa die 22-jährige Hannah Nagel aus Minnesota. Im Rahmen von Projektarbeiten beschäftigen sich die Amerikaner auch mit dem hiesigen Alltag und haben sich dabei Themen ausgesucht wie Hunde, Fahrrad fahren oder Käse.

Projektarbeiten befassen sich mit der Stadt

"Wir haben schon eine Liste gemacht und wollen dann Bewertungen schreiben", erklärt etwa die 20-jährige Emily Wilson aus Ohio im Kreis ihrer Mitschüler. Sie hat sich mit einigen anderen für die Radolfzeller Restaurantlandschaft als Thema entschieden. Nach dem Unterricht kommen sie mittwochs und donnerstags für ihr Projekt oder Workshops zusammen.

23 Sprachschüler aus Amerika sind derzeit in Radolfzell zu Gast, um in ein Jahr Deutschland zu starten. Lehrerin Barbara Pfeiffer betreut sie auch bei einem Projekt, mit dem sie Radolfzell besser kennenlernen.
23 Sprachschüler aus Amerika sind derzeit in Radolfzell zu Gast, um in ein Jahr Deutschland zu starten. Lehrerin Barbara Pfeiffer betreut sie auch bei einem Projekt, mit dem sie Radolfzell besser kennenlernen. | Bild: Arndt, Isabelle

An diesem Tag bespricht Lehrerin Barbara Pfeiffer mit ihnen die Fortschritte und hat auch noch einen Restauranttipp, den Wilson sich notiert. Dabei ist bereits Endspurt angesagt: Ende September geht die Reise für die 23 Programmteilnehmer weiter für ein Studium und Praktikum. Wilson will beispielsweise Ingenieurwissenschaften studieren.

Eine Kleinstadt mit vielen Gelegenheiten

Eine weitere Gruppe hat sich Käse verschrieben. "Käse?", fragt die Lehrerin irritiert nach. Ja, weil das Angebot auf dem Wochenmarkt sie so beeindruckt habe, wie Hannah Nagel sagt, und es anders als in den USA viel guten Käse gebe. In Deutschland sei es ohnehin günstig und vielfältig im Supermarkt, ergänzt der 23-jährige Mitschüler Matt Dorsey aus Missouri. Frühstück erhalten die Sprachschüler meist bei ihren Gastfamilien, um Mittag- und Abendessen kümmern sie sich häufig selbst. Mancher sitzt auch da mit seiner Gastfamilie zusammen und plant gemeinsame Ausflüge. "Wir waren zum Beispiel auf einem Waldspaziergang", sagt Emily Wilson. Radolfzell sei eine Kleinstadt mit vielen Gelegenheiten. Interessant sei der Dialekt, was sie mit dem Wort "Konschtanz" demonstriert.

Radolfzeller sollen befragt werden – auf Deutsch

Andere Gruppen beschäftigen sich mit der Frage, ob Radolfzell langweilig ist, welche Beziehung die Einheimischen zu ihren Hunden haben oder was für eine Rolle Fahrräder hier spielen. Dafür wollen sie Bilder machen und Radolfzeller ansprechen – auf Deutsch. Die Sprachniveaus ihrer Schüler sind verschieden, sagt Anne Pajarinen als Leiterin des Carl-Duisberg-Centrums, doch viele können sich bereits gut verständigen. Hannah Nagel hat zum Beispiel vor zwei Jahren einen Sprachkurs gemacht, um ihre deutsche Tante besser zu verstehen und Matt Dorsey hat vor vier Jahren erste Vokabeln gelernt, weil er sich ein Leben in Deutschland vorstellen kann. Und sie sind sich einig: Radolfzell ist zwar schön und ruhig, aber nicht langweilig.