Wie viel ungenutzten, leer stehenden Wohnraum es in Radolfzell gibt, das weiß niemand. Aber dass es ihn gibt, davon sind Oberbürgermeister Martin Staab und Bürgermeisterin Monika Laule fest überzeugt. Aus diesem Grund hat die Radolfzeller Stadtverwaltung jüngst die kommunale Wohnraumförderung auf den Weg gebracht. Damit sollen potenzielle Vermieter dazu bewegt werden, ihre Wohnung wieder dem Markt zur Verfügung zu stellen.

Vermieter sollen keine extra Arbeit und extra Kosten haben

"Wir haben ein sicheres Modell für Vermieter mit sozialem Engagement geschaffen", sagt OB Staab. Viele Vermieter hätten Angst vor der Arbeit, dem Aufwand oder haben bereits schlechte Erfahrungen mit dem Vermieten gemacht. Auch scheuten sich einige davor, ihren Wohnraum für Geflüchtete zur Verfügung zu stellen. Doch hier springt die Stadt als Helfer und Vermittler ein. Die Miete werde garantiert pünktlich von der Stadt bezahlt, so Staab.

Auch unterstützen Mitarbeiter beim Aufsetzen des Mietvertrages, bei der Nebenkostenabrechnung und bei allen Fragen und Problemen, die im Lauf eines Mietverhältnisses auftreten könnten. "Wir übernehmen die Verantwortung. Der Wohnungsbesitzer kann theoretisch über Monate ins Ausland gehen, wir sind als Ansprechpartner da", sagt Susanne Schaffart, die für die Wohnraumförderung zuständig ist.

Unterstützung gibt es nur, wenn sozial schwache Personen einziehen

Susanne Schaffart kümmerte sich 14 Jahre lang um die Vermietungen und Verpachtungen im Gebäudemanagement der Stadt Radolfzell, dann wechselte sie in die städtische Flüchtlingsbetreuung. Nun versucht sie mit diesem Wissen, geflüchteten Menschen mit einer Bleibeperspektive sowie allen sozial schwachen Personen, die Anrecht auf einen Wohnberechtigungsschein haben, zu einer Wohnung zu verhelfen. "Wir stellen sicher, dass Vermieter und Mieter zusammenpassen", sagt sie. Wer freien Wohnraum habe, könne sich bei ihr melden und gemeinsam werde erörtert, was für einen Mieter der Vermieter möchte.

Sanierung, Renovierung oder eine neue Küche – die Stadt bezahlt

Doch auch finanziell wird die Kommunale Wohnraumförderung Vermietern einen Anreiz schaffen, ihre leer stehende Wohnung wieder zu vermieten. Je nach Dauer des abgeschlossenen Mietvertrages können Zuschüsse für etwaige Renovierungskosten gewährt werden. Bei einem Mietvertrag über drei Jahre kann man bis zu 3000 Euro bekommen, bei einem Mietverhältnis bis zu fünf Jahren können bis zu 5000 Euro Zuschüsse gewährt werden. So soll sicher gestellt werden, dass die Wohnungen in einem vernünftigen Zustand sind und der Vermieter keine weiteren Kosten hat.

Konzept war bisher nicht erfolgreich

Dass die Stadtverwaltung versucht, Wohnungen anzumieten und sie an Geflüchtete weiter zu vermieten, ist kein neues Konzept. Bereits 2017 versuchte Bürgermeisterin Monika Laule, auf diesem Weg die vom Landratsamt Konstanz verlangten Plätze für Anschlussunterbringungen zu erreichen. Aber mit eher mäßigem Erfolg, wie sie heute sagt. Durch den Gemeinderatsbeschluss von Oktober 2018 habe man nun Möglichkeiten geschaffen, den Vermietern finanziell unter die Arme zu greifen.

Vermieter berichtet von guter Zusammenarbeit

Einer, der sich auf das Abenteuer eingelassen hat und sein Haus als Anschlussunterbringung zur Verfügung gestellt hat, ist Mircea Mihartescu aus Markelfingen. Ende 2017 wurde sein ehemaliges Gasthaus Kutscherstuben zu Wohnraum für Geflüchtete umfunktioniert. "Die Zusammenarbeit mit der Stadt ist sehr gut und zuverlässig", sagt er. Mihartescu hat die Bewohner der Kutscherstube intensiv betreut, da er direkt neben dem ehemaligen Gasthaus wohnt.

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