Für das Naturschutzgebiet Mindelsee möchten die Verantwortlichen ab sofort einen neuen Umgang. Denn durch die Coronakrise hat das Kleinod auf der Gemarkung von Möggingen einen Zulauf von Menschen erhalten, der so weder gewünscht noch angebracht ist.

Während man bisher den Bereich auch touristisch als naturnahes Erholungsgebiet beworben hat, soll die Anzahl der Menschen dort nun durch ein maßvolleres Marketing eingedämmt werden.

„In den sozialen Medien ist der Mindelsee als Geheimtipp angepriesen worden.“

Doch das Rad ist nur schwer zurückzudrehen. „In den sozialen Medien ist der Mindelsee als Geheimtipp angepriesen worden. Da können wir kaum noch etwas tun“, sagte jetzt Nina Hanstein, Geschäftsführerin der Tourismus- und Stadtmarketing GmbH Radolfzell (TSR), auf Nachfrage des SÜDKURIER. Gleichwohl ist ihr und allen Beteiligten klar, dass sich an der bestehenden Situation etwas ändern muss. Denn seit dem Coronaausbruch im März hat sich die Lage am Mindelsee dramatisch verschärft.

Neben der schieren Anzahl der Menschen sind vor allem ihr unangepasstes Auftreten und zum Teil verbotene Verhaltensweisen zum Problem geworden. Davon hat vor wenigen Tagen auch Ralf Stolz, Hauptgeschäftsführer des BUND-Landesverbands, in Möggingen beim OB-Stammtisch berichtet. Hundebesitzer lassen unerlaubt ihre Hunde ohne Leine laufen.

Für die Entstehung des Mindelsees ist eine Gletscherzunge verantwortlich.
Für die Entstehung des Mindelsees ist eine Gletscherzunge verantwortlich. | Bild: Robert Hahn Bauer

Mit dem Motorrad über den Fußweg zum See

An der Badestelle kommt es zu großen „gar nicht Corona-gemäßen Ansammlungen“, wie er ausführte, und auf dem Parkplatz nächtigen – ebenfalls unerlaubt – zahlreiche Wohnmobilisten. An der Badestelle zelten mitunter Personen und ganz Unangepasste meinen, den kleinen Fußweg dorthin auch noch mit dem Motorrad befahren zu müssen.

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An einem Augustwochenende wurden an der Badestelle, die eigentlich den Mögginger Bürgern vorbehalten ist, mehr als 1200 Personen gezählt. Damit nicht genug: „Das führt zu Ausweichverkehr und die Leute probieren auch an anderen Stellen des Sees zu baden“, berichtete Ralf Stolz.

Nach der Erfahrung des BUND handelt es sich dabei „fast immer um Auswärtige“, wie er sagt. Auf viel Verständnis dürfen seine Mitarbeiter und Ordnungskräfte nicht hoffen. Weil die darauf hingewiesenen Personen oftmals sehr uneinsichtig sind, trauen sich die Praktikanten des BUND dort oftmals schon gar nicht mehr hin.

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Bei einem Treffen berieten nun Ortschaftrat Ralf Mayer, Vertreter des BUND, der Polizei, des Ordnungsamts, Naturschutzbeauftragte und weitere Vertreter der Stadtverwaltung sowie Nina Hanstein darüber, wie man des Ansturms und Fehlverhaltens der Besucher Herr werden kann.

Dabei ist man sich unter anderem einig geworden, das Verstöße künftig zügiger angezeigt und generell mehr kontrolliert werden soll. Die TSR ist bereits dazu übergegangen, den Mindelsee nicht mehr als öffentliche Badestelle auszuweisen.

Sie versucht zudem, Einträge im Internet löschen zu lassen. „Wenn wir irgendwo sehen, dass das Wildcampen dort propagiert wird, werden wir ebenfalls aktiv“, sagt Nina Hanstein.

Wildcampen gilt auch andernorts in Radolfzell als Problem

Das Wildcampen ist nach ihrer Aussage auch an anderen Stellen in Radolfzell ein echtes Problem. Weil die ausgewiesenen Stellplätze für Wohnmobile in den vergangenen Wochen oft voll besetzt waren, nutzen Wohnmobilisten gerne auch die Umgebung der Anlagen.

Irrtümlicherweise glauben viele, dass das Stehen und Nächtigen für eine Nacht generell erlaubt ist. Doch dem ist nicht so: „In Radolfzell darf man de facto nur auf diesen ausgewiesenen Plätzen stehen“, stellt Nina Hanstein klar.

 

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