Ausreichend, so lautete das ernüchternde Ergebnis der Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) aus dem Jahr 2019 über die Situation für Radfahrer in Radolfzell. Beim nächsten Test will die Stadtverwaltung besser abschneiden und die Note, die in der Schule gerade so zum Bestehen ausgereicht hätte, im städtischen Fahrradzeugnis verbessern. Dabei helfen soll das Radverkehrskonzept, das erneut Thema im Ausschuss für Planung, Umwelt und Technik war.

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Besonders Augenmerk wird darin auf die Wegweisung entlang der Radolfzeller Radstrecken sowie auf die Radabstellanlagen in der Stadt und den Ortsteilen gelegt. Vereinfacht soll dies bedeuten: Mehr Parkplätze für Räder sollen gebaut und mehr Wegweisschilder aufgestellt werden. Beide Maßnahmen sind Teil des Förderprogrammes Radnetz des Landes Baden-Württemberg.

Keine verirrten Radler mehr

Für Oberbürgermeister Martin Staab ist eine verbesserte Beschilderung auf den Radolfzeller Radwegen ein weiterer wichtiger Baustein im Radverkehrskonzept in Radolfzell. Laut Manuel Jobi, bis Ende Juni Radverkehrsbeauftragter der Stadt, umfasse das überregionale Radverkehrsnetz unter anderem die Strecken zwischen Markelfingen und Böhringen sowie Liggeringen und Stahringen.

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Über 100 neue Schilder sollen seiner Aussage nach auf der Gemarkung der Stadt aufgestellt werden. Laut der städtischen Pressestelle werde das neue Wegweisungskonzept nach dem aktuellen Planungsstand grob mit rund 200 000 Euro angesetzt. Derzeit werde geprüft, an welchen Standorten ein zusätzlicher Pfosten angebracht werden müsse, oder wo bereits eine Laterne vorhanden sei. „Wir müssen hier als Radstadt weiter attraktiv bleiben“, erläuterte Oberbürgermeister Staab. Er betonte, dass 2021 mit der Umsetzung begonnen werden soll.

Abschließbar und mit mehr Platz

Eine siebenstellige Zahl werde der Bau der neuen Abstellmöglichkeiten laut Manuel Jobi kosten. „Das sind kleine Gebäude“, begründete er. Alleine die Kosten für die Radabstellanlage mit Gründach in Böhringen werde laut städtischer Pressestelle zwischen 530 000 und 550 000 Euro liegen. In den Kosten enthalten sind auch abschließbare Fahrradboxen. Für Markelfingen sind laut Kostenschätzung rund 350 000 Euro anzusetzen. Die ursprüngliche Abstellanlage in Stahringen wird indes nicht umgesetzt, teilte Manuel Jobi in der Ausschusssitzung mit. Dafür sollen an dieser Stelle zwei Ladestationen für E-Autos gebaut werden, erklärte er.

Nicht nur Befürworter im Ausschuss

Besonders das Vorhaben in Böhringen stieß im Ausschuss auf Gegenliebe. „Die dortige Haltestelle ist auf der gesamten Seehas-Strecke die mit den höchsten Fahrgastzahlen. Das schreit geradezu danach, dass wir diesen Vorhaben auch umsetzen“, sagte Siegfried Lehmann (FGL). Für ihn sei es das absolut falsche Signal, dieses Projekt einzustellen.

Kritik von Walter Hiller

Damit reagierte Lehmann auf Kritik aus Reihen der Freien Wähler. Denn für Walter Hiller (FW) steht das Radfahrkonzept ohnehin in den Sternen. Er glaube angesichts der angespannten finanziellen Lage der Stadt nicht an eine Umsetzung in 2021. „Wir sollten für Projekte jetzt keine Planungskosten ausgeben, die wir im kommenden Jahr gar nicht umsetzen können“, mahnte Hiller an. Stattdessen forderte er, dieses Geld einzusparen. „Ich will erst wissen, was uns das Ganze kostet“, kritisierte er.

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Deutlich positiver kam der Ausbau des Radverkehrnetzes bei Hillers Ausschusskollegen an: Während sich Christof Stadler (CDU) eine zusätzliche Servicstation für Radfahrer in Böhringen wünsche, appellierte Thilo Sindlinger (FGL) daran, dass keine unüberdachten Abstellmöglichkeiten gebaut werden. „Dort wo es möglich ist, überdachte Anlagen zu bauen, sollten wir dies tun. Auch wenn dadurch die Kosten steigen“, so Sindlinger. Lorenz Thum (CDU) bezeichnete die Umsetzung des Radverkehrkonzeptes als wichtigen und richtigen Schritt – gerade mit Blick auf die Entwicklung Radolfzells als Tourismusstadt.

Schluss mit Parken an der Bismarkstraße: Mitarbeiter der Technischen Betriebe Radolfzell (TBR) demontieren die Parkhinweisschilder entlang der Straße.
Schluss mit Parken an der Bismarkstraße: Mitarbeiter der Technischen Betriebe Radolfzell (TBR) demontieren die Parkhinweisschilder entlang der Straße. | Bild: Jarausch, Gerald

Schluss mit Parken an der Bismarkstraße

Mitarbeiter der Technischen Betriebe Radolfzell (TBR) haben kürzlich die Parkhinweisschilder entlang der Straße demontiert. Die Parkmöglichkeiten fallen dem neuen Radweg zum Opfer, der auf beiden Seiten der Bismarkstraße eingerichtet wird. Neben Besuchern der Innenstadt schauen die Anwohner in die Röhre. Wo und wie sie in Zukunft ihr Fahrzeug abstellen sollen, weiß man wohl nur im Rathaus. Wie angespannt die Parkplatzsituation in dem Bereich ist, zeigte 2019 die Einführung der Parkraumbewirtschaftung an vielen Stellen der Stadt. Damals entwickelte sich ein reger Parksuchverkehr der Anwohner, da sie zu diesem Zeitpunkt keinen Parkberechtigungsschein erhielten. Die Situation entspannte sich erst, als dieser auf Drängen der Bürger eingeführt wurde. In den letzten Monaten sind zudem zahlreiche Parkmöglichkeiten rund um die Bismarkstraße weggefallen.

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