Der Sommer neigt sich dem Ende entgegen. Viele Touristen haben die Bodenseeregion besucht und sind inzwischen wieder zuhause, denn in fast allen Bundesländern und auch in den Niederlanden hat das neue Schuljahr bereits begonnen oder steht kurz bevor.

Jetzt wird es etwas ruhiger und es ist ein guter Zeitpunkt, für eine kleine Bestandsaufnahme: Zwei Nenzinger Familienbetriebe erzählen, wie es ihnen seit der Wiederöffnung ihrer Lokale vor vier Monaten ergangen ist.

„Die meisten Gäste waren einsichtig“

Rückblickend auf den Start im Mai sagen Sandra und Ingo Kerber vom Landgasthof Ritter in Nenzingen: „Der Anfang mit Tests war verhalten, wenn auch die Leute nicht so ängstlich waren wie im Vorjahr.“ Die vorgeschriebenen Abstände und die maximal zulässige Personenzahl regelten sie durch Freilassen von Tischen.

„Die meisten Gäste waren einsichtig. Aber man muss immer hinterher sein, auch jetzt noch, damit sie sich mit der Luca-App oder in Papierform registrieren. Ich bin erstaunt, dass viele ältere Menschen die App nutzen“, sagt Sandra Kerber. Bei ihnen habe es seit vergangenem Jahr keine einzige Kontaktnachverfolgung gegeben.

Rund 80 Prozent sind geimpft

„Wir achten im Rahmen unseres Hygienekonzepts auf Abstand, Desinfektion von allem, was der Gast anfassen kann und das Tragen der Maske. Die geltenden Verordnungen setzen wir konsequent um“, erklärt ihr Mann.

Und Sandra Kerber fügt hinzu: „Die Leute fühlen sich hier sicher, sie gehen lieber in ein Restaurant, wo sie wissen, dass alle Anforderungen erfüllt werden.“ Sie hätten erst Sorge wegen der Testnachweise für Ungeimpfte gehabt, weil viele Testzentren inzwischen geschlossen hätten. Allerdings seien rund 80 Prozent der Gäste geimpft, schätzt sie.

Nur ab und zu Diskussionen

Auch Helmut und Gundula Auer vom Gasthof Auer sprechen von einem holprigen Start. Helmut Auer erzählt: „Jetzt läuft es sehr gut. Die Gäste haben sich mittlerweile an die Kontaktnachverfolgung gewöhnt. Sie halten sich auch problemlos an die Abstandsregeln und die Vorgaben.“

Helmut und Gundula Auer vom Gasthof Auer haben sowohl im Innenbereich als auch im Gastgarten Freiräume zwischen den Tischen geschaffen.
Helmut und Gundula Auer vom Gasthof Auer haben sowohl im Innenbereich als auch im Gastgarten Freiräume zwischen den Tischen geschaffen. | Bild: Claudia Ladwig

Nur ab und zu gebe es Diskussionen, „aber wir halten uns streng an die 3G-Regeln. Wir haben auch schon Gäste ohne 3G-Nachweis wieder nach Hause geschickt, aber das ist eher die Ausnahme“, sagt Gundula Auer. Der zusätzliche Aufwand sei allerdings enorm. Sie sagt: „Derzeit beschäftigen wir teilweise eine Person mehr im Service.“

Busreisende fehlen

In den Gasthof Ritter seien über den Sommer viele Niederländer zum Essen gekommen, berichtet Ingo Kerber. Viele davon seien Stammgäste im Camping und Ferienpark Orsingen sowie bei ihnen. Bei den Einheimischen sei die Zahl ähnlich wie vor Corona. Dagegen fehlten im Hotelbetrieb des Landgasthofs die sonst fest eingeplanten Busreisenden. Es habe viele Stornos gegeben, die sie jedoch durch Privat- und Firmenbuchungen ausgleichen konnten.

Für Geschäftsreisende war das Hotel die ganze Zeit offen – diese Einnahmen hätten ihnen auch durch den langen Lockdown geholfen. Ingo Kerber erzählt, die Feriengäste seien dankbar, hier Urlaub machen zu können. „Sie machen Touren mit Rad, Zug oder Auto, kommen abends zum Essen, das ist perfekt. So macht das Arbeiten Spaß.“

Mehr Touristen als früher

Auch die Betreiber des Gasthofs Auer haben von den Reisenden profitiert. „Es kommen mehr Touristen als früher. Das konnten wir im letzten Sommer schon feststellen. Bei den Einheimischen hält es sich die Waage. Der Mehrumsatz kommt derzeit hauptsächlich von den Touristen“, erzählen Gundula und Helmut Auer.

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Den kompletten Umsatzausfall könne man natürlich nicht wieder wettmachen, betonen sie. „Aber im Juli und August hatten wir sehr gute Umsätze. Wir haben viel wieder reingeholt.“ Das schlechte Wetter ist für sie ein Problem, da dann die Außenplätze im kleinen Gastgarten fehlen und sie im Innenbereich nach wie vor die Abstandsregeln einhalten.

Zukunft ist ungewiss

Die Kerbers blicken etwas besorgt in die ungewisse Zukunft. „Man kann das Geschäft nicht voranbringen, weil nicht klar ist, wie weit man planen oder investieren kann. Alles läuft mit angezogener Handbremse.“ Ein großes Plus sind ihre 26 Mitarbeiter: Alle seien geblieben, erzählen Sandra und Ingo Kerber erfreut. Ihr größter Wunsch lautet: „Wir wollen wieder Normalität haben.“