Eigentlich war die Ablehnung klar, doch ein riesiges Bauvorhaben mitten im Orsinger Ortskern sorgte trotzdem für eine hitzige Diskussion in der Gemeinderatssitzung am Dienstag. Viele Räte machten sich Sorgen um das Ortsbild und die Entwicklung von Orsingen, da auf dem leeren Grundstück hinter der Bushaltestelle gegenüber dem Kindergarten an der Nenzinger Straße ein Mehrfamilienhaus mit zwölf Wohneinheiten, zwölf Garagen und zehn Stellplätzen angedacht ist. Die Mitglieder des Gremiums machten deutlich ihrem Unmut über verschiedene Dinge Luft, die ihrer Meinung nach schlecht gelaufen oder generell nicht gut seien.

Umplanung hält sich am maximal Möglichen

Bürgermeister Bernhard Volk stellte die Pläne im Detail vor. So ausführlich habe er das noch nie gemacht, bemerkte er dazu und vermutete auch, dass viele der fast 30 Zuhörer wegen dieses Themas in die Sitzung gekommen waren. Er erläuterte anhand vieler Zahlen, dass die vorliegenden Pläne das gesetzliche erlaubte Maximum ausschöpfen würden. Das Haus hätte drei Geschosse, da das Dachgeschoss sowie der Keller nicht als Vollgeschosse gerechnet würden. Das liege unter anderem daran, dass im Dach dazu rund 9,5 Quadratmeter fehlen würden und der Keller fünf Zentimeter zu niedrig sei, um voll gerechnet zu werden.

Er nannte eine ganze Reihe von Zahlen, die sich gegenüber der ersten Planung geändert haben. Dennoch wurde unter anderem von Christoph Joos (FWV) Kritik laut, dass der Bauherr nicht auf Anregungen reagiert habe, obwohl er vielleicht Interesse an anderen Grundstücken haben werde.

Ein Bauvorhaben auf dem Grundstück an der Nenzinger Straße hinter der Bushaltestelle mitten im Orsinger Ortskern ist umstritten.
Ein Bauvorhaben auf dem Grundstück an der Nenzinger Straße hinter der Bushaltestelle mitten im Orsinger Ortskern ist umstritten. | Bild: Löffler, Ramona

Als großes Problem nannte Volk direkt die Zufahrtssituation über die Bushaltestelle. Theoretisch sei das zwar denkbar, aber da die Bushaltestelle barrierefrei umgebaut werde und einen Bordstein erhalte, werde die Zufahrt dann nicht mehr möglich sein. Das will die Verwaltung so an das Baurechtsamt weitergeben. „Wir sollten die Bushaltestelle zentral an dieser Stelle belassen“, fügte Volk hinzu. Eine Verlegung komme nicht in Frage.

Viel Kritik und Sorge von allen Seiten

Nikolaus Langner (CDU) sprach sich direkt gegen das Bauvorhaben aus: „Das Ortsbild würde nicht wenig beeinträchtigt werden.“ Harry Metzger (FWV) sagte: „Es wurde in keinster Weise auf die Nachbarschaft Rücksicht genommen.“ Er merkte an, dass der Unterstand für die Mülleimer auf den Plänen neben einer Terrasse der Nachbarn wäre. Er glaube auch nicht, dass Orsingen ein so großes Haus brauche.

Stefan Stemmer (CDU) schloss sich an: „Es ist ein Spagat für uns, weil wir abwägen, was der Ortskern, das Ortsbild und die Dorfgemeinschaft vertragen. Mir ist es auch zu groß und es sind zuviele Wohneinheiten.“

Roman Roth (FWV) wies darauf hin, dass sich ohne eine Bauleitplanung nicht vermeiden lasse, dass hingebaut werde, was an der Stelle reinpasse. Er verwies auf ein anderes Bauvorhaben in der Nähe und geriet dabei in einen kleinen Streit mit Bernhard Volk über die Unterschiede zwischen beiden Fällen. Volk sagte, dass auch mit einem Bebauungsplan ein Vorhaben nicht zu verhindern sei, wenn ein Grundstück eine bestimmte Bebaubarkeit zulasse.

Ein Bauvorhaben auf dem Grundstück an der Nenzinger Straße hinter der Bushaltestelle mitten im Orsinger Ortskern ist umstritten.
Ein Bauvorhaben auf dem Grundstück an der Nenzinger Straße hinter der Bushaltestelle mitten im Orsinger Ortskern ist umstritten. | Bild: Löffler, Ramona

Agieren statt geringstes Übel nehmen

Antonie Schäuble (FWV) wünschte sich allgemein eine engere und bessere Kommunikation zwischen Gemeinde und Bauherren, auch wenn diese rechtlich nicht dazu verpflichtet seien. Volk sagte, dass es solche Gespräche schon gegeben habe, aber dann nicht berücksichtigt worden seien. Ralph Schiel (FGL) warf ein, dass er lieber agieren statt reagieren möchte, also schauen will, wo die Gemeinde etwas zukunftsfähig gestalten könne. Es solle nicht immer nur auf das geringste Übel hinauslaufen. Ein Gebäude mit zwölf Wohneinheiten könne auch ganz anders mit Begrünung und Photovoltaik-Anlagen aussehen.

Im Rahmen der Debatte kam auch das Stichwort Wohnraummangel auf. Das sei über die Gemeinde hinaus ein „intensives Thema“, so Volk. Es sei unvermeidbar, in die Höhe zu bauen. „Wir können nur versuchen, Ansätze zur Einflussnahme zu finden.“

Wie es jetzt weitergeht

Der Rat stimmte schließlich bei einer Enthaltung gegen das Einvernehmen zum Bauvorhaben. Das Baurechtsamt hat jedoch das letzte Wort.