Die Hauptversammlung des TV Nenzingen verlief wie so viele Hauptversammlungen in der Pandemie. Die letzten beiden Jahre wurden zusammengefasst, viele Dinge hatten nicht stattfinden können und ein Ausblick gestaltete sich schwierig. Aber der Turnverein hat auch einiges erreicht.

Beispielsweise wurden Online-Trainings ins Leben gerufen. Schriftführerin Simone Stickel berichtete: „Was vor Corona für die Trainer undenkbar war, wurde zur Realität. Das Trainings-Wohnzimmer wurde geschaffen. In manch einer Stube wurden die Teppiche zur Seite gerollt und Möbel gerückt, um unsere Mitglieder trotz Lockdowns fit zu halten.“ So seien auch Weihnachtsfeiern und Fastnachts-Diskos abgehalten worden. „Wir waren trotz allem miteinander verbunden.“

Viel Bewegung trotz Pandemie

Die Vereinstrainer und Übungsleiter seien sehr engagiert gewesen und bald schon konnten jeden Tag Bewegungsangebote von der Frauen-Gymnastik über Karate bis zum Kinderturnen angeboten werden. Simone Stickel lobte besonders die Senioren: „Hut ab vor unseren älteren Mitgliedern. Auch von den Alternsgruppen Ü70 waren einige bei den Online-Trainings dabei.“

Man könne daher trotz Zwangspause auf vieles zurückblicken. Sie schloss: „Der Turnverein konnte beweisen, dass er auch in Krisenzeiten stark ist und für seine Mitglieder da sein kann.“

Gute Seele des Vereins verabschiedet sich

Großer Dank galt dann einem ganz besonderen Mitglied, nämlich Arno Brecht. Ihn verbindet eine Ewigkeit mit dem Turnverein Nenzingen. Im März 1966 übernahm er mit 26 Jahren das Amt des Hallenwarts. 1971 wurde er zusätzlich Hallenwirt.

Arno Brecht gibt nach 55 Jahren sein Amt als Hallenwart des TV Nenzingen ab. 50 Jahre lang war er außerdem noch Hallenwirt.
Arno Brecht gibt nach 55 Jahren sein Amt als Hallenwart des TV Nenzingen ab. 50 Jahre lang war er außerdem noch Hallenwirt. | Bild: Claudia Ladwig

Reiner Brecht fasste zusammen, was sein Vater in den 55 Jahren alles geleistet hat. Mit ihm habe der Verein quasi das „All-inclusive-Paket“ gehabt für alles, was in und um die Turnhalle anstand, sagte er. Arno Brecht hielt alles sauber. Um die Halle sorgte er dafür, dass alles ordentlich blieb.

Im Winter räumte er Schnee. Er kümmerte sich um die Heizung, setzte neue Luftfilter ein und nahm Termine mit Kundendienst und Schornsteinfeger wahr. Reiner Brecht lobte: „Die Turnhalle wurde so gut betreut wie sein Eigenheim.“ Auch als Hallenwirt war auf Brecht stets Verlass.

Arno Brecht steckte viele Stunden in die Vereinsarbeit

Der erzählte im Nachgang, dass bis 1989 alle Veranstaltungen anderer Vereine in der Turnhalle stattfanden und vom Turnverein bewirtet wurden. „Ich habe den ganzen Einkauf übernommen und alles organisiert“, sagte der Senior. „Zum Glück bin ich kein Fernsehgucker“, fügte er hinzu. Daher habe er Zeit gehabt.

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Hinzu kam das handwerkliche Geschick des früheren Blechschlossers. Er half bei diversen Bautätigkeiten, die an und in der Halle ausgeführt wurden – 2800 Arbeitsstunden kamen dabei zusammen. „2016 waren es beispielsweise 400 Stunden und so ähnlich war es in allen normalen Jahren“, so Arno Brecht.

Nach 55 Jahren ist Schluss – fast

Vergangenes Jahr habe er seinem Sohn mitgeteilt, dass er das Amt abgeben wolle. Doch schon vorher habe sich niemand um die Aufgabe gerissen. Nun übernimmt Michael Schönberger die Reinigung der Halle, ein neuer Hallenwirt wird noch gesucht. Ein paar kleinere Aufgaben bleiben Arno Brecht vorerst erhalten. „Ich habe noch einen Schlüssel, wenn der Zählerstand abgelesen werden muss oder der Kaminfeger kommt.“

Er wird dem Verein verbunden bleiben, das liegt schon in der Familie. Immerhin wurde der Turnverein Nenzingen im März 1906 in seinem Haus, das ursprünglich das Haus seiner Großeltern war, gegründet. Sein Vater war ebenfalls Hallenwart und sein Sohn setzt die Tradition als Vorsitzender fort.