Zum Schuljahresende kommt der Rückblick: Wie lief es mit Unterricht und Home-Schooling in der Corona-Krise? Als Mitte März klar wurde, dass die Schulen schließen müssen, hat sich das Kollegium der Grundschule Nenzingen gleich dafür eingesetzt, dass die Schule einheitlich auftritt. Lehrerin Julia Jakoubek, die die Homepage der Schule pflegt, hat sich gemeinsam mit den übrigen Lehrkräften darum gekümmert. „Für uns waren das definitiv keine Corona-Ferien, wie oft gesagt wurde“, erklärt sie. Recht schnell wurden Minimalstandards für das Home-Schooling entwickelt.

Die Eltern mit ins Boot geholt

„Wir haben uns überlegt, wie wir die Materialien zu den Kindern bekommen“, erzählt Rektorin Jeannette Spiekermann. Alle Eltern wurden zunächst nach der heimischen digitalen Ausstattung gefragt. „Wir wollten die Eltern mit ins Boot holen, damit wir als Schule sinnvoll agieren konnten, sodass es für alle bestmöglich passte“, sagt Julia Jakoubek. Es sei wichtig gewesen, zu erfahren, wie viele Endgeräte daheim zur Verfügung stünden und ob die Eltern bereit wären, die Wochenpläne auszudrucken.

Die Frauen berichten, sie hätten sich viele Gedanken zur Verteilung der Materialien gemacht: Diese sollten per iPad-Ausleihe, durch Postversand oder in einer Box hinterlegt zu den Kindern gelangen. Der große Vorteil der Grundschule Nenzingen war, dass sie seit 2017 über iPads für die Schüler verfügt. Julia Jakoubek erinnert sich: „Alle verfügbaren Pads waren weg. Das war nur möglich, weil wir die digitale Infrastruktur schon vor sechs Jahren angestoßen hatten. Wir brauchten nur noch einen entsprechenden Vertrag aufzusetzen.“ Mit den iPads sei fast die Hälfte der Schüler abgedeckt worden, die übrigen hätten eigene Geräte zuhause nutzen können, so Spiekermann. „Kein Kind sollte aufgrund mangelnder Geräte nicht teilnehmen können.“

Der innen liegende Schulhof der Grundschule Nenzingen bietet viele Sitzgelegenheiten. Hier gelten in der Corona-Krise wie überall Abstandsvorschriften.
Der innen liegende Schulhof der Grundschule Nenzingen bietet viele Sitzgelegenheiten. Hier gelten in der Corona-Krise wie überall Abstandsvorschriften. | Bild: Löffler, Ramona

Der Versand der Wochenpläne und anderer Übungsmaterialien erfolgte für alle Schüler bis zum Montagmorgen. Dafür erhielten die Eltern eine E-Mail, Familien ohne Drucker konnten die Sachen in der Schule abholen. „Wir haben zwischendurch nachgefragt, ob der Umfang der Aufgaben passt und wir auf dem richtigen Weg sind, ob wir die Eltern überfordern oder die Kinder unterfordern“, beschreibt Julia Jakoubek.

Seit Ostern hat die Schule Videokonferenzen für die Schüler angeboten. Ein Stundenplan mit Deutsch und Mathematik wurde für alle Klassen erstellt. Jeannette Spiekermann betont: Jeder Lehrer habe ab Klasse 1 jeweils mindestens eine Stunde im virtuellen Klassenraum gegeben. Zusätzlich gab es ab 11. Mai ein freiwilliges Angebot für die Kinder mit verschiedenen Aufgabenformaten. „An einem virtuellen schwarzen Brett fanden die Kinder Übungen wie Diktate, die der Klassenlehrer aufgenommen hatte, Sportideen, Lern-Apps, Tablet-Diktate einzelner Wörter, aber auch spannende Rätsel wie das Erkennen von Alltagsgeräuschen“, erzählt Zweitklasslehrerin Julia Jakoubek. Auch digitale Unterräume zum ungestörten Reden untereinander waren vorhanden, das habe vielen Kindern sehr gut getan. Der Dank der Lehrkräfte gelte besonders den Eltern. „Es war toll, dass sie dahinter standen, alles installiert und organisiert haben, dass können die Kinder nicht alleine.“

Auch die Lehrer hielten zweimal pro Woche eine Videokonferenz ab

Damit Eltern oder Kinder auch mit ihnen telefonieren konnten, gaben die Lehrkräfte ihre Telefonnummern bekannt. Sie hatten den Auftrag, bei den Familien nachzufragen, falls Schüler nicht am virtuellen Unterricht teilnahmen. Zur Rückmeldung und Korrektur der Aufgaben erhielten die Eltern Lösungsblätter oder die Möglichkeit, eingescannte Arbeitsblätter zu schicken.

Auch die Lehrer hielten zweimal die Woche eine Videokonferenz ab – einmal freiwillig, einmal verpflichtend. Die Rektorin gibt zu: „Das war erst ungewohnt, aber irgendwann normal. Die Hälfte unserer Gesamtlehrerkonferenzen werden wir auch künftig digital abhalten.“ Auch die Schulkonferenz und die Elternabende aller Klassen fanden inzwischen online statt.

Es wurden deutlich mehr Bücher gelesen

Rückblickend beschreibt Jeannette Spiekermann die vergangenen Monate als eine herausfordernde Zeit, der Feierabend sei oft weit in den Abend gerutscht, da es häufig noch Dinge zu klären gab. Beide Lehrerinnen sehen jedoch auch gute Entwicklungen: „Es wurden deutlich mehr Bücher gelesen, viele haben Lesefortschritte gemacht. Die Kinder haben teilweise sehr von dieser Zeit profitiert und auch Positives mitgenommen“, stellt Julia Jakoubek fest.

Jeannette Spiekermann beobachtet, dass jetzt, wo sich die Kinder wieder real begegnen, die Konflikte innerhalb der Klassenzimmer weniger geworden sind. „Sie wissen sich zu schätzen, weil sie sich eine Weile nicht hatten“, glaubt sie. Zwar sei das Lernen momentan sehr frontal, Stuhlkreis und Partnerarbeit fehlten aufgrund der Abstandsregeln, aber die Schüler seien insgesamt sehr aufmerksam und lernwillig. Beide Frauen sind sich einig: „Die moderne Technik ist ein probates Hilfsmittel, Unterricht an die Kinder zu bringen.“ Sie werde den realen Unterricht jedoch nie ersetzen können.

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