Bereits im vergangenen Jahr war klar, dass es schwierig sein wird, Frauen für das Vorstandsamt der katholischen Frauengemeinschaft zu finden. Zudem wollten die bisherigen zehn Vorstandsfrauen aufhören. Mit Pfarrer Dominik Rimmele und der Referentin für Frauenpastoral Rosemarie Fischer suchten die Orsinger Katholikinnen nach Lösungen. Dann sollte im März die Frauengemeinschaft aufgelöst werden, doch die Versammlung musste wegen der Pandemie verschoben werden.

Auch das halbe Jahr Aufschub brachte keine Lösung. Im Gegenteil. Noch weniger Frauen wollten im Vorstand bleiben – und alle, bei denen angefragt wurde, zeigten kein Interesse. So wurde zwar nach den Berichten der vergangenen zwei Jahre erkannt, dass viel getan wurde. Doch es fand sich niemand, der weitermachen will. Auch neue Konzepte fanden sich nicht. Es gab nur Klagen, dass sich keine jungen Frauen engagieren möchten. Und auch das Etikett „katholisch“ sei keine Hilfe, neue Mitglieder zu finden.

Katholische Kirche ist nicht mehr die erste Anlaufstation

Bürgermeister Bernhard Volk nahm zum ersten Mal an einer Versammlung der Frauengemeinschaft teil. Er lobte die Frauen insbesondere für die Ausrichtung des Seniorennachmittags. „Die Frauengemeinschaft wird fehlen“, war er sich sicher. Pastoralreferent Mathias Mutter wusste um die Unattraktivität der katholischen Kirche für viele – vor allem junge – Frauen. Fehlende Aufstiegschancen und die mangelnde Wertschätzung seitens der Kirchenspitze würden viele Frauen abschrecken. Zudem seien die Menschen heute weniger bereit, sich langfristig zu binden. Sozial engagieren könne man sich auch bei der Nachbarschaftshilfe oder seit Oktober bei der Villa Klang. Auch für das Anliegen Klima- und Naturschutz sei die katholische Kirche nicht die erste Anlaufstation.

Doch trotz aller Probleme, neue Mitglieder und Vorstandsfrauen zu finden, und mangelnden Perspektiven für neue Wege gab es nicht die nötige Zweidrittel-Mehrheit für die Auflösung. „So eine Situation hatte ich noch nie“, bekannte Rosemarie Fischer, die manche Frauengemeinschaft in Zeiten der Umstrukturierung begleitete. Aus der Versammlung kamen aber trotzdem keine neuen Ideen – und auch keine Frauen, die sich engagieren wollten. Pfarrer Dominik Rimmele und Rosemarie Fischer werden nochmals Alternativen suchen. Wer sich für oder in der Frauengemeinschaft engagieren möchte, darf sich gerne bei ihnen melden.

Frauen müssten Verantwortung übernehmen

Um weiter als katholische Frauengemeinschaft zu agieren, müsste man zudem dem Verband katholischer Frauengemeinschaften Deutschlands (KFD) beitreten. Möglich wäre es aber, unter neuem Konzept zu agieren (wie „Frauen aktiv“) und als eher lose Gruppe in der Seelsorgeeinheit weiter zu agieren. Doch müssten Frauen Verantwortung übernehmen. Und die anderen Frauen müssten sie unterstützen. Es könnten ganz neue Veranstaltungen entstehen – oder alte übernommen werden. „Es gilt zu überlegen: Was können wir, was wollen wir?“, blickte Rosemarie Fischer in die Zukunft.

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