Erst vor gut einem Jahr war die Grundsteinlegung, nun ziehen schon alle Mieter in die neun Wohnungen ein, die die ortsansässige Baufirma Kiewel mit ihrem Projekt „Sozialer Wohnungsbau in Orsingen“ fertiggestellt hat. Bei einer Vorabbesichtigung berichteten Firmengründer Markus Kiewel, seine Frau Christine und sowie die gemeinsamen Kinder Sarah und Marc, die ebenfalls im Unternehmen tätig sind, über die Bauphase. Auch Architekt Jörg Fiedler stand für Fragen zur Verfügung.

Markus Kiewel erklärte, sie hätten sich als Erste in Orsingen-Nenzingen darum beworben, ein Gebäude im sozialen Wohnungsbau zu errichten. Jetzt wolle er zeigen, dass das Vertrauen der Gemeinde in sein Unternehmen gerechtfertigt gewesen sei.

Wohnraum für Mieter mit Berechtigungsschein

Man habe insgesamt 700 Quadratmeter Wohnraum geschaffen. Sieben Wohnungen wurden an Mieter mit Wohnberechtigungsschein vergeben, die zwei oberen Wohnungen sind frei vermietet. Zu jeder Wohnung gehört ein Garagen- oder Carport-Platz. Zur kleinsten Wohnung wurde ein Stellplatz vermietet. Es gebe insgesamt genügend Stellplätze, auch wenn mal Besuch komme, so Kiewel. Im sozialen Wohnungsbau müssten bestimmte Bedingungen zu Wohnungsgrößen und Anzahl der Zimmer sehr genau eingehalten werden, erklärte er und lobte seinen Sohn Marc, der erstmals allein die Bauleitung innehatte. „Wir haben zusammen die Abnahme gemacht und ich bin sehr zufrieden.“

Von außen fallen zuerst die großen Balkone auf: Antonie Schäuble, Jörg Fiedler, Stefan Keil, Markus Kiewel, Christine Kiewel, Sarah ...
Von außen fallen zuerst die großen Balkone auf: Antonie Schäuble, Jörg Fiedler, Stefan Keil, Markus Kiewel, Christine Kiewel, Sarah Kiewel und Marc Kiewel (von links) machen kurz vor dem Bezug der neun Wohnungen einen Rundgang durch das Gebäude, das im sozialen Wohnungsbau entstand. | Bild: Claudia Ladwig

Weiter sagte er, sie hätten zeit– und zukunftsorientiert bauen wollen. Dazu zählt auch die Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach, die zusätzlich einen Pufferspeicher hat. Der Wermutstropfen bei der Sache sei die Preiserhöhung gewesen. „Das Projekt hat uns am Ende 15 Prozent mehr gekostet als zunächst kalkuliert.“ Dennoch habe man wegen der gestiegenen Preise nicht an der Qualität gespart, sondern die Planung durchgezogen.

Sarah Kiewel hatte sich um die Beantragung der Fördergelder gekümmert und die Auswahl der künftigen Mieter vorgenommen. Die Gelder hätten sie inzwischen weitgehend abgerufen, eine Summe für sozialen Wohnungsbau käme noch. Dafür müsse die Gemeinde diesen aber zunächst bestätigen. Sie sagte, die Altersstruktur der Bewohner reiche von einem Jahr bis 81 Jahren. Zehn Kinder kämen ins Haus.

Sozialer Wohnungsbau ist wichtig

Bürgermeister Stefan Keil zeigte sich beeindruckt von dem Gebäude und wünschte ein gutes Miteinander in der Hausgemeinschaft. Gemeinderätin Antonie Schäuble freute sich auch über den neuen Wohnraum, stellte aber die Frage, ob diese Mietform das Zukunftsmodell sei: „Braucht man künftig überall sozialen Wohnungsbau?“ Trennungen und alleinerziehende Elternteile seien heute fast schon Normalität. Dieser Personenkreis finde auf dem normalen Wohnungsmarkt praktisch nichts, sagte sie.

Architekt Jörg Fiedler betonte, das gehe oft auch Alleinverdiener mit Familie so und sei ein Riesenproblem. Aus seiner Sicht gibt es einen großen Wohnungsdruck. „Wir haben zu wenig Wohnungen für die Bürger und immer mehr Menschen in Deutschland“, sagte er.

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Sarah Kiewel ergänzte, das, was an Technik und allem anderen verlangt werde, und das, was man als Miete verlangen könne, gehe nicht mehr zusammen. Ihr Vater machte klar: „Die Mietpreise, die ein Investor irgendwann braucht, um gedeckelt zu sein, kann er fast nicht verlangen.“

Das werde künftig noch viel krasser sein, so Jörg Fiedler. „Wer Wohnungen hat, kann ganz beruhigt sein. Es ist kein Leerstand in Sicht.“ Wenn es aber aufgrund der Preisentwicklung keine Investoren gebe, gebe es auch keine neuen Wohnungen. Hier seien die Gemeinden gefragt, so Fiedler. Innerörtliche Grundstücke müssten erschlossen werden, damit eine verdichtete Bebauung möglich werde.

Antonie Schäuble merkte an, bestehende Bebauungspläne seien zum Teil schon alt. Man müsse prüfen, ob Befreiungen von manchen Regelungen möglich seien. Man könne, so der Bürgermeister ergänzend, jedoch nicht alle Bebauungspläne pauschal auf einen Rutsch angehen.