Die Angehörigen der Feuerwehren treffen sich nicht nur, wenn es brennt. Denn im Ernstfall muss jeder Handgriff sitzen. Darum proben sie meist wöchentlich und besuchen zudem unterschiedlichste Fortbildungen. Gerade, wenn man neu in eine Feuerwehr eintritt, gilt es viel zu wissen, damit man Hand in Hand mit den anderen Angehörigen seiner Abteilung zusammenarbeiten kann. Dazu gibt es den Grundlehrgang. Viele begannen vor Corona, doch als systemrelevante Gruppe mussten sich die ehrenamtlichen Rettungskräfte einer engen Quarantäne unterordnen, und die Lehrgänge sowie wöchentlichen Proben und Hauptversammlungen wurden ausgesetzt.

Reiner Zeller (links) zeigte mit Claudia Baur, wie eine Verabschiedung in Corona-Zeiten aussieht. Manuel Winter freute sic, über die Einhaltung der Regeln bis zum Schluss des Grundlehrgangs.
Reiner Zeller (links) zeigte mit Claudia Baur, wie eine Verabschiedung in Corona-Zeiten aussieht. Manuel Winter freute sic, über die Einhaltung der Regeln bis zum Schluss des Grundlehrgangs. | Bild: Susanne Schön

So auch der Grundlehrgang der liebevoll „Aachtalmafia“ genannten Feuerwehren. Angst müssen vor deren Anwesenheit nur Brände, Unfälle, Stürme und andere Einsatzgründe haben. Denn hier finden sich keine Mafiosi, sondern Angehörige der Freiwilligen Feuerwehren aus Aach, Eigeltingen, Mühlhausen-Ehingen, Orsingen-Nenzingen, Steißlingen und Volkertshausen. 24 von ihnen trafen sich Anfang März zum ersten und vorläufig letzten Mal zum Grundlehrgang. Dann kam Corona. Reiner Zeller (zu diesem Zeitpunkt noch Kommandant der FFW Mühlhausen-Ehingen) ist der hauptverantwortliche Ausbilder, und Manuel Winter war als Kommandant der FFW Orsingen-Nenzingen dieses Mal der Hausherr, denn man traf sich am und im dortigen Feuerwehrgerätehaus.

Claudia Baur wurde mit einer tollen Torte von den Angehörigen der Aachtalmafia als Ausbilderin verabschiedet.
Claudia Baur wurde mit einer tollen Torte von den Angehörigen der Aachtalmafia als Ausbilderin verabschiedet. | Bild: Susanne Schön

Bevor es im Juni weiterging, haben die beiden zusammen mit elf weiteren Ausbildern ein Hygienekonzept erarbeitet. „Es gab kein Murren, als wir dieses vorstellten“, freut sich Reiner Zeller. So ging beispielsweise erst einmal eine Schlange am Waschbecken vorbei und wusch und desinfizierte sich, bevor man sich mit Nasen-Mundschutz in die Lehrräume begab. Denn die Ausbildung besteht aus einem theoretischen und praktischen Teil. Zum Bedauern aller entfiel die 24-Stunden-Ausbildung, die echte Anforderungen an eine Berufsfeuerwehr vermittelt. Doch ansonsten ging es allen mit Abstand gut und, wo dies nicht ging, wurde eben die Maske aufgezogen, ganz von alleine, ohne Hinweis der Ausbilder.

Unter strengen Corona-Vorschriften konnten die 24 Teilnehmer der „Aachtalmafia“ ihren Grundlehrgang absolvieren. „Mit Abstand die Besten“ steht auf ihren T-Shirt – nicht nur diese Regel wurde stets eingehalten.
Unter strengen Corona-Vorschriften konnten die 24 Teilnehmer der „Aachtalmafia“ ihren Grundlehrgang absolvieren. „Mit Abstand die Besten“ steht auf ihren T-Shirt – nicht nur diese Regel wurde stets eingehalten. | Bild: ´Susanne Schön

Reiner Zeller und Manuel Winter waren sich der Verantwortung sehr bewusst. Und doch muss die Ausbildung weitergehen, denn die Einsätze werden ja auch coronabedingt nicht weniger. So hat die „Aachtalmafia„ als einzige Feuerwehr im Landkreis Konstanz den Grundlehrgang am vergangenen Wochenende beenden können. „Richtig aufatmen werden wir, wenn in zwei Wochen immer noch alle coronafrei sind“, verweist Reiner Zeller auf den noch bestehenden Druck der Verantwortung. Doch sei der Wunsch, die Ausbildung zu beenden, bevor eventuell ein zweiter Lockdown dies wieder verhindern würde, bei Teilnehmern und Ausbildern groß gewesen.

Verabschiedung einer langjährigen Ausbilderin

Claudia Baur war seit 2012 bei der“ Aachtalmafia„ Ausbilderin. „Die Feuerwehren hier sind eine tolle Truppe“, befand sie. Und das nicht nur, weil sie zum Abschied eine liebevoll gestaltete Torte bekam. Sie war vor allem für die Erste Hilfe verantwortlich, denn auch Feuerwehrangehörige müssen diese oft am Einsatzort leisten. Claudia Baurs spontane Verabschiedung zeigte, dass trotz Abstandregel immer noch guter Kameradschaftsgeist unter den Feuerwehrangehörigen herrscht.