Das von der Baden-Württemberg Stiftung und der Josef Wund Stiftung getragene Stipendienprogramm „Talent im Land“ fördert begabte Schüler aus Baden-Württemberg, die auf dem Weg zum Abitur Hürden zu überwinden haben. Dank einer Zustiftung durch die Menold-Bezler-Stiftung wurden diesmal drei zusätzliche Stipendien vergeben, sodass es jetzt 53 Stipendiaten gibt. Der 17-jährige Simon Nohl aus Orsingen-Nenzingen ist einer von ihnen.

Simon Nohl besucht im Berufsschulzentrum Stockach die Klassenstufe zwölf des Wirtschaftsgymnasiums. Sein Klassenlehrer Kristof Eichhorn habe die Klasse auf die Fördermöglichkeit durch „Talent im Land„ aufmerksam gemacht, erzählt Simon Nohl: „Ich habe die Bewerbung ausgefüllt und gleich ein gutes Gefühl gehabt.“

Zunächst musste er viele Fragen zu Stationen auf dem Bildungsweg, Praktika oder beruflichen Ausbildungen beantworten. Dann folgten Angaben zum Bewerber und den Eltern, zur Lebenssituation, den schulischen Leistungen sowie Informationen zur Person wie Zukunftspläne und Hobbys. Vor allem hier konnte Simon punkten, denn er spielt einen irischen und zwei französische Dudelsäcke, eine Nyckelharpa (Schlüsselfidel) sowie Gitarre. Dieses Engagement hatte wohl großen Einfluss auf die Auswahl und Simon schaffte es in die nächste Runde.

Nun wollten die Fördernden noch mehr über sein bisheriges Leben und seine Alltagsgestaltung wissen. Dazu gehörte auch die Stellungnahme eines Lehrers oder einer Lehrerin, um von einer weiteren Person eine Einschätzung über sein Verhalten im Schulalltag zu bekommen. Für Simon Nohl war klar: Das sollte sein Klassenlehrer übernehmen. Bald darauf kam eine Einladung nach Stuttgart, wo er andere potenzielle Stipendiaten traf. „Wir mussten in Gruppenarbeit Aufgaben lösen, zum Beispiel Bilder Themen zuordnen und gemeinsam präsentieren. Danach wurde ich noch einzeln zu meiner Bewerbung befragt“, berichtet er.

Unterstützung für viele Aspekte der Bildung

Seit Anfang September bekommt er ein monatliches Stipendium. Von diesem Geld kann er Bücher oder Schulmaterialien kaufen, Vereinsbeiträge oder Musikunterricht, den Eintritt in ein Museum oder einen Theaterbesuch bezahlen. Persönliche Beratung, Treffen der Stipendiaten, Seminare und weitere Bildungsangebote runden die Sache ab. Bei Bedarf könne Geld für Nachhilfe in den Hauptfächern, Zuschüsse zu Klassenfahrten und zu außerschulischem Engagement beantragt werden.

Veranstaltungen an Wochenenden und in Ferien

Die Veranstaltungen des Förderprogramms finden in aller Regel am Wochenende (Freitagnachmittag bis Sonntag nach dem Mittagessen) in Tagungshäusern in Baden-Württemberg statt. Diese sind aus allen Landesteilen gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Den Teilnehmern entstehen dabei keine Kosten, auch die Fahrtkosten werden erstattet. Für Schüler, die im Folgejahr ihr Abitur oder ihre Fachhochschulreife absolvieren, wird zusätzlich in der ersten Sommerferienwoche eine einwöchige Sommerakademie angeboten.

Ob es in Pandemie-Zeiten reale Treffen geben kann, bleibt abzuwarten. Andreas Germann aus dem TiL-Büro schreibt dazu: „Solche Workshops und Seminare sind eben keine reinen Treffen zur Wissensvermittlung, sondern es passiert immer nebenher sehr viel innerhalb der Gruppe. Der Netzwerkgedanke lebt von der Begegnung, das zu virtualisieren ist kaum möglich. Und je länger die Einschränkungen andauern, desto größere Sorgen habe ich auch, dass da tatsächlich etwas fehlt, was das Programm bisher ausmacht.“

Simon Nohl rät zur Bewerbung um ein Stipendium

Das Stipendium ist über zwei Jahre ausgelegt, das Geld muss nicht zurückgezahlt werden. Soweit er es schon beurteilen kann, ist Simon Nohl begeistert von der TiL-Organisation. „Die Leute sind sehr offen, sie bieten Hilfe für alles Mögliche an. Das ist ein großes Netzwerk, eine eigene Community aus ehemaligen und aktuellen Stipendiaten.“ Daher lautet sein Tipp für andere Jugendliche: „Einfach probieren, da mitzumachen.“