Eine Abendveranstaltung mit mehr 80 Personen hat seit einem Jahr Seltenheitswert. Umso erfreulicher fanden es die Einwohner aus Orsingen-Nenzingen, dass die Gemeinde ihnen ermöglicht, an vier Terminen die Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters auf der Bühne zu erleben.

Die Besucher warteten vor der Rebberghalle, drinnen wurden sie direkt an ihre Plätze geführt. Fast jeder Stuhl war schließlich besetzt. Die Besucher hielten sich an die Vorgaben und verließen ihre Plätze nicht. Das stellte Bürgermeister Bernhard Volk während der gut dreistündigen Veranstaltung mehrfach lobend fest.

Bürgermeister Bernhard Volk begrüßte die Besucher in der Rebberghalle zur ersten Vorstellungsrunde der Kandidaten auf das Bürgermeisteramt. Er erläuterte den Zeitplan und das Hygienekonzept. Die Zuhörer sollten die Masken aufbehalten und ihre Plätze möglichst nicht verlassen. Das klappte – wie er zwischendurch immer wieder lobend feststellte – sehr gut.
Bürgermeister Bernhard Volk begrüßte die Besucher in der Rebberghalle zur ersten Vorstellungsrunde der Kandidaten auf das Bürgermeisteramt. Er erläuterte den Zeitplan und das Hygienekonzept. Die Zuhörer sollten die Masken aufbehalten und ihre Plätze möglichst nicht verlassen. Das klappte – wie er zwischendurch immer wieder lobend feststellte – sehr gut. | Bild: Claudia Ladwig

Nach jedem Redebeitrag gingen für einige Minuten die Fenster auf. Es wurde quergelüftet und dadurch recht frisch, aber man zog einfach die Jacke über und hörte weiter zu. Alle Kandidaten bekamen die gleiche Aufmerksamkeit für ihre zehnminütige Vorstellung, nur im Anschluss gab es Unterschiede: Einigen wurden in fünf Minuten gleich mehrere Fragen gestellt, anderen nur eine.

Jedem Kandidaten erläuterte Bürgermeister Bernhard Volk die Regeln: Jeder habe zehn Minuten Redezeit und fünf Minuten für Antworten auf Besucherfragen. Eine Minute vor Ablauf der Zeit werde ein akustisches Signal ertönen. Die Zeiten seien nicht verschiebbar. Wer also schneller mit seiner Vorstellung fertig sei, habe dadurch nicht mehr Zeit, auf Fragen einzugehen. Bei Zeitüberschreitung werde der Vortrag aus Gründen der Gleichbehandlung abgebrochen. Angelina Wind stoppte jeweils die Zeit.
Jedem Kandidaten erläuterte Bürgermeister Bernhard Volk die Regeln: Jeder habe zehn Minuten Redezeit und fünf Minuten für Antworten auf Besucherfragen. Eine Minute vor Ablauf der Zeit werde ein akustisches Signal ertönen. Die Zeiten seien nicht verschiebbar. Wer also schneller mit seiner Vorstellung fertig sei, habe dadurch nicht mehr Zeit, auf Fragen einzugehen. Bei Zeitüberschreitung werde der Vortrag aus Gründen der Gleichbehandlung abgebrochen. Angelina Wind stoppte jeweils die Zeit. | Bild: Claudia Ladwig

Die Gemeinderäte Joachim Kiewel und Roland Riegger liefen mit Mikrofonen zu den Fragestellern, die Technik funktionierte einwandfrei. Eigentlich hätte Andreas Sporrer die Vorstellungsrunde eröffnen sollen, doch er fehlt krankheitsbedingt. Samuel Speitelsbach bleibt unentschuldigt fern.

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So stellt sich Bettina Mink vor

Nach der Reihenfolge des Bewerbungseingangs traten die Kandidaten zu ihrer Vorstellungsrunde in der Rebberghalle an. Da Andreas Sporrer gesundheitlich verhindert war, begann Bettina Mink aus Nenzingen.
Nach der Reihenfolge des Bewerbungseingangs traten die Kandidaten zu ihrer Vorstellungsrunde in der Rebberghalle an. Da Andreas Sporrer gesundheitlich verhindert war, begann Bettina Mink aus Nenzingen. | Bild: Claudia Ladwig

„Ich freue mich jetzt schon, Weiterbildungen mit Blick auf das Bürgermeisteramt wahrzunehmen“, sagte sie, nachdem sie ihren beruflichen Werdegang dargestellt hatte. Darin beschrieb sie, dass sie auch Führungskraft mit Personalverantwortung gewesen sei. Was das bedeute, fragte jemand. „Ich hatte acht Mitarbeiter, im eigenen Betrieb sechs.“

Das sagte sie zu ihren Ideen für bezahlbaren Wohnraum und zur innerörtlichen Wohnraumverdichtung: „Die Gemeinde muss mit Bedacht wachsen, Bauplätze sind alle vergeben. Wir müssen neue finden. Ich bin nicht dafür, dass alles „zugeknallt“ wird. Es muss so geschehen, dass der dörfliche Charakter bestehen bleibt. Aber wir werden weiter bauen müssen, da werden nicht darum herumkommen.“

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So stellt sich Michael Stadler vor

Michael Stadler aus Schleiden sprach als zweiter der anwesenden Kandidaten. Für ihn ist die Kandidatur in Orsingen-Nenzingen der dritte Versuch, Bürgermeister zu werden.
Michael Stadler aus Schleiden sprach als zweiter der anwesenden Kandidaten. Für ihn ist die Kandidatur in Orsingen-Nenzingen der dritte Versuch, Bürgermeister zu werden. | Bild: Claudia Ladwig

Das sagte er zu den Kandidaturen in anderen Gemeinden: „Bevor ich mich zu meiner dritten und letzten Kandidatur hier entschlossen habe, habe ich mir viele Gemeinden angesehen. Es ist wichtig, vorher zu prüfen, ob die Gemeinde und ich zueinander passen.

Das sagte er zu seiner Verwaltungserfahrung: „Ich habe zwei Jahre Stabs- und Verwaltungsdienst bei der Bundeswehr. Seit 2018 habe ich als Vorsitzender der Wählervereinigung zig Anträge eingereicht, war in Gremien beteiligt und habe versucht, so viel wie möglich zu lernen. Das ist nicht zu vergleichen mit jemand, der Verwaltung studiert und das von der Pike auf gelernt hat. Aber es gibt Seminare, um sich weiterzubilden.“

So äußerte er sich zum Thema Vereine: „Es ist wichtig, Ehrenamt und Vereine mehr in die Öffentlichkeit zu rücken.“

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So stellt sich Hans-Peter Rothacher vor

Hans-Peter Rothacher bewirbt sich zum zweiten Mal um den Posten des Bürgermeisters von Orsingen-Nenzingen.
Hans-Peter Rothacher bewirbt sich zum zweiten Mal um den Posten des Bürgermeisters von Orsingen-Nenzingen. | Bild: Claudia Ladwig

So will er günstigen Wohnraum schaffen: „Es gibt bestimmte Dinge, die fürs Bauen notwendig sind. Wenn ein Bauunternehmer seine Kosten hat, hat die Gemeinde keinen Einfluss darauf.“ Die Gemeinde habe insofern Einfluss auf den Baupreis, dass sie günstigen Wohnraum, beispielsweise für junge Familien, anbieten könne. „Aber die Baupreise an sich hat eine Gemeinde natürlich nicht in der Hand.“

Eine Frage aus dem Publikum lautete, ob er mit 58 Jahren vor hat, die ganze Periode das Amt auszuführen? „Ja.“

Und wie will er einen Arzt nach Orsingen-Nenzingen holen? „Über Ausschreibungen oder auf Universitäten zugehen. Studenten, die aufs Land gehen, bekommen begünstigte Studiengebühren. Auf den Einwand, man suche seit Jahren: „Man darf die Hoffnung nie aufgeben.“

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So stellt sich Karin Chluba vor

Karin Chluba aus Radolfzell hatte beruflich schon ganz früh mit Orsingen-Nenzingen zu tun.
Karin Chluba aus Radolfzell hatte beruflich schon ganz früh mit Orsingen-Nenzingen zu tun. | Bild: Claudia Ladwig

Das sagte sie zum fehlenden Gewerbe- und Neubaugebiet: Der Flächenverbrauch insgesamt solle eingedämmt werden. „Flächen, die traditionell offengelassen werden sollen, könnte man ins Biotopvernetzungskonzept aufnehmen. Außerdem: kleinere Grundstücke und Häuser, Wohnleerraum nutzen, „Jung tauscht mit Alt“ oder Mehrgenerationenhäuser.“

Frage aus dem Publikum: „Wollen Sie die gesamte Amtszeit ausführen?“ Antwort Chluba: „Ich habe noch nie einen Job oder ein Berufsziel angestrebt, wo ich nicht überzeugt war, dass ich es mit Freude und Herzblut ausführen werde. Wenn ich mich mit 58 entscheide und soviel Kompetenz habe, sage ich, wenn ich ins Rathaus komme, bin ich auch ganz schnell drin. Wenn Sie dann zufrieden sind und ich gesund bin, würde ich auch eine zweite Amtszeit machen.“

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So stellt sich Peter Liebl vor

Peter Liebl aus Güttingen trat als sechster Kandidat ans Rednerpult. Dieses wurde nach jedem Redner von Gabriele Zimmer desinfiziert.
Peter Liebl aus Güttingen trat als sechster Kandidat ans Rednerpult. Dieses wurde nach jedem Redner von Gabriele Zimmer desinfiziert. | Bild: Claudia Ladwig

Er wäre ein Bürgermeister mit fünf kleinen Kindern. Das sagte Liebl dazu: „Aktuell bin ich spätestens um 6 Uhr an meiner Dienststelle in Konstanz und selten vor 18 Uhr zu Hause. Meine Arbeit ist stark außendienstbelastet. Auch das ließ sich mit der Familie vereinbaren.“

Und dann wohnt er auch noch in Güttingen? Liebl: „Ich war immer ein Mensch, der gewisse Sachen mehr als neutral beurteilen musste. Es ist als Chef einer Doppelgemeinde vielleicht ein Vorteil, nicht vor Ort zu sein. Ich bin in zehn bis zwölf Minuten hier und werde an Abendveranstaltungen immer teilnehmen.“

Auf die Frage, warum er einen beruflichen Abstieg anstrebe, sagte Liebl es sei kein Abstieg, die Entscheidung habe nichts mit Geld zu tun. Er wolle seine Zeit „mehr für Gesellschaft und nicht so sehr fürs Strafrecht zur Verfügung stellen.“

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So stellt sich Sabine Hins vor

Sabine Hins ist seit sechs Jahren Gemeinderätin in Orsingen-Nenzingen. Jetzt möchte sie Nachfolgerin von Bürgermeister Bernhard Volk werden.
Sabine Hins ist seit sechs Jahren Gemeinderätin in Orsingen-Nenzingen. Jetzt möchte sie Nachfolgerin von Bürgermeister Bernhard Volk werden. | Bild: Claudia Ladwig

Das sagte sie zum fehlenden Gewerbegebiet: „Es ist aktuell kein Gewerbegebiet zu erwarten, ich habe noch keine Einblicke, wie es dann mit der Finanzierung aussieht. Corona wird eine Entwicklung auslösen, die wir noch nicht kennen. Aber es gibt viele Junge, die Familienbetriebe weiterführen wollen.“

Zur Verkehrssituation in der Stockacher und Schwarzwaldstraße: „Ich weiß, es geht allen zu schnell und es gibt zu viel Verkehr. Ich möchte schon seit fünf Jahren eine Verkehrsplanung durchbringen, es ist mir nicht gelungen. Ich hoffe auf eine 40er-Zone. Tempo 30 klappt bei den meisten nicht so, Tempo 40 wären ein guter Kompromiss. Ich kann außerdem nur an jeden plädieren, das Auto möglichst wenig innerorts zu verwenden.“

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So stellt sich Carmen Haberland vor

Carmen Haberland aus Rielasingen hat erst kurz vor dem Ende der Bewerbungsfrist ihre Unterlagen beim Rathaus abgegeben. Für die Juristin ist es die zweite Kandidatur um den Posten eines Bürgermeisters.
Carmen Haberland aus Rielasingen hat erst kurz vor dem Ende der Bewerbungsfrist ihre Unterlagen beim Rathaus abgegeben. Für die Juristin ist es die zweite Kandidatur um den Posten eines Bürgermeisters. | Bild: Claudia Ladwig

Das sagte sie zu ihrer späten Bewerbung: „Ich hatte mich schon mal in Bräunlingen beworben. Der Versuch bestärkte mich, dass ich gerne Bürgermeister werden wollte. Orsingen-Nenzingen hat mir nicht viel gesagt, aber damit bin ich nicht allein. Erst bin ich ein bisschen zurückgeschreckt, ich hatte so gar keinen Kontakt, aber dann habe ich erkannt, dass es wirklich eine Chance ist, dort anzutreten, wo es noch keine Verbindung gibt, wo man objektiv an Dinge rangeht, ohne Vorurteile.

Der Entschluss, sich zu bewerben, braucht Vorbereitungszeit. Ich bin abhängig beschäftigt und zuständig für 20 Mitarbeiter. Jetzt mache ich drei Wochen Aktiv- und Abenteuerurlaub und stehe Ihnen ganz zur Verfügung. Das wäre früher nicht möglich gewesen.“

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So stellt sich Stefan Keil vor

Stefan Keil, derzeit Kulturamtsleiter in Stockach, freute sich, dass bei ihm als letztem Kandidaten der Vorstellungsrunde noch alle Zuhörer in der Rebberghalle saßen. Er hatte seine Bewerbung am letztmöglichen Tag beim Rathaus abgegeben.
Stefan Keil, derzeit Kulturamtsleiter in Stockach, freute sich, dass bei ihm als letztem Kandidaten der Vorstellungsrunde noch alle Zuhörer in der Rebberghalle saßen. Er hatte seine Bewerbung am letztmöglichen Tag beim Rathaus abgegeben. | Bild: Claudia Ladwig

Frage aus dem Publikum: „Wenn Sie das Amt übernehmen, wird es immer wieder Schnittstellen und Interessenskonflikte mit der Verwaltungsgemeinschaft geben wie die Umfahrung B14 von Tuttlingen durch Stockach und Sie müssten Orsingen-Nenzingen vertreten. Kommen Sie da in einen Zwiespalt?“

„Das ist ein ganz großes Projekt, was ja schon über viele Jahre diskutiert wird. Was sich verändert hat, ist die Fülle des Verkehrs. Es wird spannend werden, wie diese Umfahrung zustande kommt. Ich glaube, es ist wichtig, dass sie kommt und dass eine Lösung gefunden wird. Dann müssen wir in der Verwaltungsgemeinschaft eine Lösung finden, die für alle tragfähig ist. Mir wäre am liebsten, es würde unterirdisch funktionieren, anstatt über die grüne Natur.“

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