Bernsteinperlen, Bronzenadeln, Messer und sogar Haarschmuck aus echtem Gold: Die archäologischen Ausgrabungen zwischen Orsingen und Wahlwies brachten bisher viele Überraschungen und seltene Funde ans Tageslicht. In seiner Berufslaufbahn hat Kreisarchäologe Jürgen Hald nur drei Mal Gold gefunden. Inklusive Orsingen. „Daran sehen Sie, wie selten solche Funde sind“, sagte er bei einem Vortrag im Stadtmuseum Stockach. Hald ist einer von gerade mal zwei Kreisarchäologen in Baden-Württemberg und hat diese Position seit 2001.

Rund 50 Interessierte kamen zum Vortrag von Kreisarchäologe Jürgen Hald, der im Alten Forstamt von den Ausgrabungen zwischen Orsingen und Wahlwies und den ungewöhnlichen Funden erzählte.
Rund 50 Interessierte kamen zum Vortrag von Kreisarchäologe Jürgen Hald, der im Alten Forstamt von den Ausgrabungen zwischen Orsingen und Wahlwies und den ungewöhnlichen Funden erzählte. | Bild: Löffler, Ramona

Er erzählte den rund 50 Interessierten von den bedeutendsten Funden auf dem Gebiet, das untersucht wird, weil dort künftig Kies abgebaut werden soll. Das Areal sei eigentlich eine ungewöhnliche Lage für eine Siedlung, so Hald. Aber dennoch lebten dort in der mittleren und späten Bronzezeit Menschen. Es gab inzwischen auch Funde aus der Eisenzeit, doch er beschränkte sich darauf, von den Entdeckungen aus der Bronzezeit zu erzählen.

Kreisarchäologe Jürgen Hald (links) und Stadtmuseumsleiter Johannes Waldschütz (rechts)
Kreisarchäologe Jürgen Hald (links) und Stadtmuseumsleiter Johannes Waldschütz (rechts) | Bild: Löffler, Ramona

Rückschlüsse für die Region

Hald rückte diese auch in den Gesamtzusammenhang von Dingen die bereits vor Jahrzehnten in Orsingen und Nenzingen entdeckt worden sind. Das Fazit: Hier lebten auch sehr wohlhabende Leute. Denn neben einfachen Gegenständen kamen an mehreren Stellen auch teure Grab-Beigaben, Waffen oder anderes zu Tage.

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Eine der großen Herausforderungen bei den Ausgrabungen war die Überlagerungen mit Erdmaterial. Hald erzählte, dass die Mitarbeiter teilweise sehr tief graben mussten. Spuren früherer Besiedlungen seien auch oft nur für das geschulte Auge zu erkennen. So zeigt sich zum Beispiel ein Hausgrundriss an Erdverfärbungen, wo einst die Holzpfeiler gestanden haben.

Überraschende Grabfunde

Zwei Brandgrab-Felder waren Überraschungen bei den Ausgrabungen. Das eine hat 26 Gräber, das andere hatte sieben. Ein Grab auf dem größeren Feld hatte noch alle Beigaben, während die anderen beraubt waren. „Das war wohl schon ein bis zwei Generationen nach der Beerdigung“, sagte er. Eine Vermutung sei, dass sich Verwandte die Wertsachen aus dem Grab geholt hätten.

Die kleinen Goldspiralen (rechts oben) und Bernsteinperlen gehören zu den Funden.
Die kleinen Goldspiralen (rechts oben) und Bernsteinperlen gehören zu den Funden.

Das intakte Grab mit Gefäßen und Bronzebeigaben war schon eine kleine Sensation. Doch in einem der anderen kamen dann noch die seltenen Goldschmuckfunde und Bernsteinperlen ans Licht. „Das ist wirklich ein ganz toller Fund.“

Punkt um Punkt entstand eine Karte mit Markierungen von tausenden Fundstellen, aus denen die Experten die Friedhöfe, Gebäudegrundrisse und somit ganze Siedlungen erkennen können. Das sei nur nicht so einfach, weil sich Manches überlagere, erläuterte Hald und verglich es scherzhaft mit Malen nach Zahlen. An einer Stelle habe sich zum Beispiel eine Struktur mit vier Häusern gezeigt. Diese seien nordwest/südost-orientiert gewesen. „Das lässt einen planerischen Gedanken und vielleicht eine Parzellierung erkennen“, so Hald. Rest von verbrannten Holzpfosten deute auch darauf hin, dass ein Teil der Siedlung abgebrannt sei.

Kreisarchäologe Jürgen Hald (rechts) erklärt einen Grabfund. Bei ihm stehen (von links) Andreas Drewing (Geschäftsführer Kieswerk Hardt), Armin Höfler und Georg Häußler (beide Geschäftsführer von Archaeo Task). Bild: Ramona Löffler
Kreisarchäologe Jürgen Hald (rechts) erklärt einen Grabfund. Bei ihm stehen (von links) Andreas Drewing (Geschäftsführer Kieswerk Hardt), Armin Höfler und Georg Häußler (beide Geschäftsführer von Archaeo Task). | Bild: Löffler, Ramona

Entdeckungen zum damaligen Leben

Immer wieder kamen auch Brandgruben ans Licht. „Wahrscheinlich waren das Erdöfen“, erklärte Hald. Diese könnten für Feste angelegt worden sein, um große Mengen Fleisch zu braten. An einer Stelle mit mehrere Gruben werde ein Festplatz vermutet. Mitarbeiter hätten das sogar selbst mal mit einem Spanferkel versucht und es habe geklappt.

Tonscherben mit Dreiecksmuster. Keramikscherben wie diese erlauben eine Zuordnung zur Bronzezeit. Das Muster ist typisch für sie. Bild: Ramona Löffler
Tonscherben mit Dreiecksmuster. Keramikscherben wie diese erlauben eine Zuordnung zur Bronzezeit. Das Muster ist typisch für sie. | Bild: Löffler, Ramona

Eine von vielen Zuhörer-Fragen an Hald war am Ende die nach der Herkunft der Metalle. Er erzählte, dass Bronze eine Legierung aus Kupfer und Zinn sei. Kupfer sei vermutlich aus Chur gekommen, Zinn aus der Bretagne oder Südengland. Die Metalle seien auch immer wieder eingeschmolzen und recycelt worden.

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Der Grabungsort zwischen Orsingen und Wahlwies und was mit den Funden passiert

  • Grabungs- und Fundstelle: Sie liegt zwischen Orsingen und Wahlwies auf Orsinger Gemarkung. Es handelt sich um eine künftige Erweiterungsfläche des Kieswerks Hardt im Gewann „Im unteren Bann“ und umfasst rund elf Hektar. Die Ausgrabungen begannen im März 2017 und laufen seither in Etappen. Laut Kreisarchäologe Jürgen Hald sind bisher 4,7 Hektar untersucht. Ein weiterer Hektar folgt noch im nächsten Jahr. Für die Kreisarchäologie und das Landesamt für Denkmalpflege ist bei diesen Grabungen die darauf spezialisierte Firma Archaeo Task aus Engen-Welschingen im Einsatz. Außerdem hat das Kieswerk Hardt, das auch die Kosten für das Grabungsprojekt trägt, einen Bagger zur Verfügung gestellt.
  • Funde: Bisher wurden 2250 Einzel­fundstellen aus der mittleren und späten Bronzezeit (1600 bis 1000 vor Christus) entdeckt. Es gab auch Funde aus der Eisenzeit (250 bis 100 vor Christus) Es sind Fundamentgruben von Holzpfosten und verschiedenen Gebäuden oder Vorrats-, Abfall-, und Feuergruben. Dort kamen bei den Ausgrabungen Tonscherben und Ähnliches zum Vorschein. Außerdem stießen die Archäologen unerwartet auf zwei Brandgrab-Felder, in denen teilweise noch Beigaben waren. Alle gesicherten Funde kommen in das zentrale Fundarchiv nach Rastatt. Es könnte aber Jahre dauern, bis sie untersucht und restauriert sind. Laut Kreisarchäologe Jürgen Hald gibt es zwei Paletten voll mit Funden aus Orsingen.