Archäologen haben zwischen Orsingen und Wahlwies erneut bronzezeitliche Brandgräber gefunden und auch hunderte Abfall- und Fundamentgruben von Häusern entdeckt. Damit zeigt sich, wie die Siedlung aus der mittleren Bronzezeit (zweites Jahrtausend vor Christus) in etwa ausgesehen hat. Das Areal mit den Funden ist auf dem künftigen, elf Hektar großen Abbaubereich des Kieswerks Hardt. Eine archäologische Fachfirma war dort bereits im Frühling 2017 im Einsatz. Unter rund 570 Fundstellen waren damals unerwartet als große Besonderheit auch spätbronzezeitliche Gräber mit Bronzebeigaben.

Bei den Ausgrabungen in den vergangenen Monaten entdeckten die Archäologen nun eine weitere Reihe von Brandbestattungen. Es seien nun insgesamt 20 Gräber geborgen worden, teilt das Landratsamt Konstanz in einer Pressemitteilung mit. Die Gräber seien bis zu eineinhalb Meter tief und meist mit Steinbrocken abgedeckt gewesen. In ihnen lagen verbrannte Menschenknochen und Keramikgefäße. „Diese legte man den Toten damals mit ins Grab“, wird Kreisarchäologe Jürgen Hald in der Mitteilung zitiert.

Es seien auch "einzelne Reste von Trachtbestandteilen wie bronzene Gewandnadeln" unter den Funden gewesen. Diese seien hauptsächlich als Bruchstücke in verschiedenen Gruben vertreut gewesen, was laut Hald ein Hinweis darauf sei, dass die Gräber schon vor langer Zeit beraubt wurden.

Solche Grabfunde gibt es nicht oft. „Bestattungen dieser Zeit konnten bislang nur an wenigen Stellen im Bodenseegebiet entdeckt und mit modernen archäologischen Methoden untersuchen werden“, sagt Hald. „Vermutlich wurden diese Grabstätten bereits von Zeitzeugen der Grablegung wieder geöffnet, denn man scheint genau gewusst zu haben, wo man graben musste und was im Grab vorhanden war.“

Im Herbst sollen die archäologischen Ausgrabungen in die nächste Runde gehen. Dann ist auch eine öffentliche Führung geplant. Ein Termin steht aber bisher noch nicht fest.