Das Hafnerwegle in Nenzingen bleibt ein emotionales Thema. Bereits vor den Sommerferien war im Gemeinderat von Orsingen-Nenzingen intensiv über Anregungen und Bedenken diskutiert worden. Nach einigen Wochen Bedenkzeit ging der engagierte Austausch über Verbleib oder Entfernung der Thujen in die Verlängerung. Dabei stand das Baugebiet selbst zu keinem Zeitpunkt zur Debatte. Der Bebauungsplan „Weiher II“ wurde mit zwölf Ja-Stimmen bei einer Nein-Stimme und einer Enthaltung als Satzung beschlossen. Das Hafnerwegle wird in diesem Zuge mit adäquater Randbegrünung und Beleuchtung neu angelegt und der Notüberlauf des Staukanals in offener Mulde umgesetzt. Dafür stimmten neun Mitglieder des Gremiums, vier waren dagegen, eine Person enthielt sich.

Gesundheit vieler Thujen ist angegriffen

Bürgermeister Bernhard Volk ging ausführlich auf das Gutachten zum Bewuchs des Fußwegteils im Hafnerwegle ein. Die Gesundheit vieler Thujen sei angegriffen, das zeigten Risse, Totholz und Höhlungen. Das Gutachten habe dargestellt, dass einige Pflanzen 13 Meter hoch seien und ein extrem ungünstiges Höhen-Durchmesser-Verhältnis aufwiesen. Aus Gründen der Verkehrssicherheit müssten alle Thujen mit Fäulnisansatz entfernt werden. Es entstünden Lücken, ein gegenseitiges Stützen sei nicht mehr gewährleistet. Die Thujen würden sehr windwurfgefährdet.

Abgesehen von der Verkehrssicherheit sagte Volk, ihm sei klar, dass das Beseitigen der Thujen, um den Bebauungsplan „Weiher II“ wie geplant umsetzen zu können, sehr kritisch gesehen werde. Planungsalternativen seien jedoch aufgrund des bestehenden Staukanals und in Privateigentum befindlicher Bauplatzflächen und dadurch feststehender Grundstücksgrenzen nicht möglich.

Bestand schränkt Möglichkeiten bei der Bebauung ein

Bliebe das Hafnerwegle im derzeitigen Zustand, müsste laut Volk – bis der Bewuchs auf natürlichem Wege weg sei – auf einen Bauplatz im Baugebiet „Weiher II“ und zwei Bauplätze im künftigen Bebauungsplangebiet „Weiher I“ verzichtet werden. Dann sei außerdem der Notüberlauf des Staukanals über ein gemeindliches Bauplatzgrundstück anzulegen, was zu einer Beeinträchtigung der baulichen Nutzung dieses Grundstückes führe. Ein möglicher Rückschnitt des Bewuchses scheine als Alternative nicht geeignet, da die Thujen dadurch sehr wahrscheinlich absterben würden.

Das sagen Gemeinderäte zu dem Thema

Christine Leithe (FWV) setzte sich für den Erhalt ein und schlug vor, einen Baumpfleger mit dem Rückschnitt zu beauftragen und abzuwarten, ob die Thujen sich erholen. „Die Allee ist charmant und einzigartig, ich möchte diese wunderschöne Stelle im Herzen von Nenzingen erhalten.“ Sie verwies auch auf die Petition zur Erhaltung des Bewuchses, die 400 Einwohner unterzeichnet hatten.

Antonie Schäuble (FWV) betonte: „Eine Kürzung der Kronen ist durch das Gutachten nicht ausgeschlossen, doch man weiß nie, was passiert, wenn man einen Baum verändert. Kürzen würde jedoch den Verkehrssicherheitsabstand verringern.“ Der Bürgermeister äußerte, er habe kein Problem, einen fachgerechten Rückschnitt der Thujen machen zu lassen. „Das kostet halt was und wir sehen, was geht. Es wird keine Beleuchtung geben, weil Baggern an die Wurzeln geht.“ Er glaube jedoch nicht, dass man damit die Thujen retten könne.

Roman Roth (FWV) sprach sich für eine adäquate Ersatzpflanzung mit heimischen Gehölzen aus. Er sehe ein, dass solche Eingriffe manchmal nötig seien, wenn Land bebaubar gemacht werden solle.

Auch Stefan Stemmer und Roland Riegger (beide CDU) sahen einen Rückschnitt skeptisch. „Wenn es so weit zurückgeschnitten wird, dass die Verkehrssicherheit gegeben ist, ist der Charme weg“, so Stemmer. Riegger sagte, man dürfe nicht an Geld sparen und müsse etwas Neues schaffen, das wieder 100 Jahre hält. Jeder dürfe einen Beitrag zur künftigen Gestaltung einbringen.

„Viele warten auf den Beschluss, damit das Gebiet auf den Weg gebracht werden kann“, erklärte Volk und bat um eine Entscheidung. Der Antrag von Christine Leithe, den Bewuchs erst zurückzuschneiden und dann endgültig zu entscheiden, wurde mit fünf zu neun Stimmen abgelehnt.