Das Fasnachtsmuseum Schloss Langenstein plant Neubau und Umzug, blickt auf 50 Jahre Geschichte zurück – und alle Beteiligten bleiben sich bei der Verleihung des Alefanz-Ordens auf dem Schloss bei allem Wandel doch treu: Der Cumpaney-Abend sprühte nur so vor Alefänzigkeit.

Da gab es einen Laudator, der im Sekundentakt die Pointen in Richtung des Ordensträgers abschoss und das Publikum im voll besetzten Hölzernen Gang zum Brüllen brachte. Es gab einen Alefanz 2019, der sich zunächst nur widerwillig in sein Schicksal ergeben haben will, dieses dann aber umso gekonnter akzeptierte. Es gab eine Schlossband, die das lokale Geschehen, und eine Gastgruppe, die die Museumspräsidenten aufs Korn nahm.

Im Publikum im Hölzernen Gang von Schloss Langenstein waren auch dieses Jahr wieder viele bekannte Persönlichkeiten.
Im Publikum im Hölzernen Gang von Schloss Langenstein waren auch dieses Jahr wieder viele bekannte Persönlichkeiten. | Bild: Siegfried Kempter

Wie vielseitig Alefanz sein kann, zeigten die beiden Hauptredner des Abends, Laudator Wolfgang Reuther, langjähriger Stockacher Gerichtsnarr, ehemals Narrenrichter und in diesem Jahr erstmals Kläger, und der Alefanz 2019, Alfred Mutter, nach fast 36 Dienstjahren scheidender Bürgermeister von Volkertshausen. Jeder wandte die Fasnachtstugend auf seine Weise an, und beide taten das fürs Publikum sehr unterhaltsam und komisch. Reuther scharf formulierend und ohne Scheu vor Kraftausdrücken. Mutter vordergründig nüchtern, aber voller Ironie und Selbstironie.

Lachen über sich selbst: Der Alefanz 2019, Alfred Mutter (rechts), freut sich über die Laudatio. Neben ihm amüsiert sich Radolfzells Oberbürgermeister Martin Staab.
Lachen über sich selbst: Der Alefanz 2019, Alfred Mutter (rechts), freut sich über die Laudatio. Neben ihm amüsiert sich Radolfzells Oberbürgermeister Martin Staab. | Bild: Siegfried Kempter

Dabei habe er zwar mit allem Möglichen gerechnet, aber eben nicht mit dem Unmöglichen, berichtete Mutter von dem Besuch, den ihm die Vorsitzende Carola Schäpke und der Präsident Michael Fuchs vom Fasnachtsmuseumsverein Schloss Langenstein im Herbst 2018 abstatteten. Zum Beispiel nicht damit, dass er den Orden bekommen sollte. Am Ende habe er sich in das "unentrinnbare Schicksal" gefügt, allein um dem Publikum den "noch viel blöderen" Plan B der beiden Alefanz-Macher zu ersparen. All das kam knochentrocken rüber und erzielte dadurch umso größere komische Wirkung.

Das könnte Sie auch interessieren
Pointen im Sekundentakt: Wolfgang Reuther bei seiner Laudatio.
Pointen im Sekundentakt: Wolfgang Reuther bei seiner Laudatio. | Bild: Siegfried Kempter

Reuther hatte zuvor die Magerkeit der "fleischgewordenen Bohnenstange" (Alefanz-Urkundentext über Mutter) aufs Korn genommen als Strategie, damit die Bürger seiner "verarmten Gemeinde" (Reuther) keine zu großen Erwartungen hätten – ein klares Zeichen für Alefänzigkeit. Und Mutters "unterkühlte Empathie" (Urkundentext) sei kein Zeichen der Kaltherzigkeit, sondern sei ihm bei der Bundeswehr antrainiert worden. Dort sei der "Eisenschädel" (Reuther über Mutter) eine tragende Säule der Abschreckungsstrategie der Nato gegen den Warschauer Pakt gewesen.

Video: Freißmann, Stephan

Auch beim Rückblick auf ein halbes Jahrhundert Fasnachtsmuseum ging es nicht ohne Alefanzereien zu. "Die müssen bekifft gewesen sein, auf so eine crazy Idee zu kommen, ein Fasnachtsmuseum zu machen", kommentierte Michael Fuchs in einem Auftritt als Hippie. Und Beatrix Huber, Petra Springindschmitten und Ramona Fenzl als Gastgruppe aus Geisingen nahmen, ebenfalls als Hippies, die bisherigen Präsidenten des Museumsvereins musikalisch hoch.

Das könnte Sie auch interessieren
Das könnte Sie auch interessieren

Zwei Punkte waren allerdings doch ernst. Es gebe große Unterstützung für den geplanten Neubau des Museums in der Nähe des Schlosses, so Fuchs: "Wenn es so weitergeht, haben wir bald die erste Million zusammen." Doch dann fehle noch eine Million. Und der Cumpaney-Abend habe 2019 zum letzten Mal im hölzernen Gang stattgefunden. Künftig werde der Winzerkeller des Schlosses dessen Schauplatz sein.

Neu unter der Narrenkappe: Hubert Reimann aus Konstanz
Neu unter der Narrenkappe: Hubert Reimann aus Konstanz | Bild: Siegfried Kempter
Der SPD-Kreisvorsitzende Tobias Volz bekommt ebenfalls die Langensteiner Narrenkappe aufgesetzt.
Der SPD-Kreisvorsitzende Tobias Volz bekommt ebenfalls die Langensteiner Narrenkappe aufgesetzt. | Bild: Siegfried Kempter
Die baden-württembergische Landtagsabgeordente Nese Erikli (Grüne, Wahlkreis Konstanz-Radolfzell) ist die dritte Neue unter der Narrenkappe.
Die baden-württembergische Landtagsabgeordente Nese Erikli (Grüne, Wahlkreis Konstanz-Radolfzell) ist die dritte Neue unter der Narrenkappe. | Bild: Siegfried Kempter

Drei Neue unter der Langensteiner Kappe

  • Neue Kappenträger: Die Verleihung der Langensteiner Narrenkappen stand im Zeichen des Museumsneubaus. In die Cumpaney aufgenommen wurden drei Förderer des Projekts. Der Konstanzer Immobilienmakler Hubert Reimann unterstütze den Verein beim Neubauprojekt, sagte Carola Schäpke, Vorsitzende des Museumsvereins. Tobias Volz, Kreisvorsitzender der SPD, habe den Neubau durch eine Geldspende und das Museum durch eine wertvolle indische Maske unterstützt, so Rainer Hespeler, Vorsitzender der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee (NVHB). Und die Landtagsabgeordnete Nese Erikli (Grüne, Wahlkreis Konstanz-Radolfzell) habe sich für den Museumsneubau auf Sammeltour in Stuttgart begeben, sagte Museumsvereinspräsident Michael Fuchs und schloss: "Danke für die Kohle."
  • Alpensänger: Carola Schäpke (Orsingen-Nenzingen), Rainer Hespeler (Singen), Martin Schäuble (Radolfzell), Holger Schank (Meßkirch), Michael Zehnle (Stockach) und Karl Amann (Horn) traten als Schlossband auf.
  • Loschore: Martin Schäuble (Narrizella Ratoldi), Holger Schank (Katzenzunft Meßkirch), Michael Zehnle (Narrengericht Stockach) und Karl Amann (Heufresser Horn) schlagen dem Präsidium des Museumsvereins einen Kandidaten für den Alefanzorden vor.
  • Moderation: Durch den Abend führten Carola Schäpke, Rainer Hespeler und Michael Fuchs. (eph)