Bei der Verleihung des Alefanz 2018 auf Schloss Langenstein bei Orsingen-Nenzingen war alles drin: ein Ordensträger, der – zumindest anfangs – nachgerade empört war über die Auszeichnung, zwei schwierige Fälle als Neue unter der Narrenkappe, ein Griff in die Vollen der lokalen Politik, aber auch ein Laudator, bei dem sich das Publikum ausschüttete vor Lachen. Närrisch und neckend – und somit ziemlich alefänzig – hob Lothar Bottlang die Qualitäten des neuen Alefanz Ludwig Egenhofer hervor.

Der Geehrte gab in seiner Ansprache zu Protokoll, er habe fünfmal trocken schlucken müssen, als er von der Ehrung mit dem Alefanzorden erfahren habe, und gedacht: "Das ist doch eine Unverschämtheit, mich als alefänzigen Zeitgenossen einzustufen." Schließlich nehme er immer alles ohne Widerspruch hin, sagte Egenhofer, und schlug seinen Chef, Landrat Frank Hämmerle, oder den Radolfzeller Oberbürgermeister Martin Staab, einen der Neuen unter der Langensteiner Narrenkappe, als geeignetere Kandidaten vor. Doch er sei auch in sich gegangen, sagt Egenhofer auf der Bühne im voll besetzten Hölzernen Gang des Schlosses. Und am Ende gibt auch er zu, er hätte wegen seiner "alefänzige Gosch scho fascht uf Schnorre" gekriegt. So ganz zu Unrecht fühlte sich der Mann, der seit mehr als 40 Jahren Präsident des Narrenvereins Alet in Allensbach ist, dann offenbar doch nicht ausgezeichnet. Den Applaus genoss er sichtlich – genau wie zuvor die Laudatio von Lothar Bottlang, fasnächtlich bekannt als Bue vum Land.

Lothar Bottlang bei seiner Laudatio auf den Ordensträger. Der Rolle als Bue vum Land blieb er treu.
Lothar Bottlang bei seiner Laudatio auf den Ordensträger. Der Rolle als Bue vum Land blieb er treu. | Bild: Siegfried Kempter

Bottlang blieb dieser Paraderolle zumindest optisch treu. Und er trieb ein brillant alefänziges Spiel und schob als Langenrainer den Allensbacher Egenhofer, CDU-Fraktionskollege im Allensbacher Gemeinderat, erst einmal weit von sich: "Loben? Ich? Den?" Es fand sich dann doch noch etwas dafür. Zum Beispiel, dass es in Allensbach kaum eine Aktivität gebe, an der Egenhofer nicht beteiligt sei. Schließlich sei der neue Ordensträger dort schon Narrenpräsident gewesen, als Langenstein noch im Rohbau war. Und auch für die Auszeichnung als Alefanz lieferte Bottlang ein entscheidendes Argument: "Kein anderer zwischen Konstanz und Singen kann andere so zur Weißglut bringen", und zwar durch ein "großes Lästermaul", zu dessen Zielgruppe auch grüne Frauen gehören würden – wie die grüne Landtagsabgeordnete Dorothea Wehinger, die ebenfalls eine Langensteiner Narrenkappe bekam. Und wo andere sagen, Egenhofer sei gut vernetzt, sehe er in dem Mann, der das Amt für Migration und Integration am Landratsamt leitet, "die größte Klatschbase der Welt" – reichlich Stoff für Alefanzereien also.

Der Alefanz 2018, Ludwig Egenhofer, bei seiner Rede.
Der Alefanz 2018, Ludwig Egenhofer, bei seiner Rede. | Bild: Siegfried Kempter

Doch es war auch ein politischer Abend auf Schloss Langenstein. Radolfzells Oberbürgermeister Martin Staab hat nicht nur nach einem Monate alten Entscheid der Langensteiner Narren die Narrenkappe der Cumpaney aufgesetzt bekommen, er hat auch eine ausgewachsene E-Mail-Affäre am Hals, die manch ein Narr genüsslich aufspießte. So dichtete ihm Lothar Bottlang gleich zwei Nominierungen für den Alefanz 2018 an. Die Hausband "Langensteiner Salonschleicher" ließ ihn einen Kriminaltango mit Bürgermeisterin Monika Laule tanzen, die ebenfalls Teil der Affäre ist.

Martin Staab ist einer der neuen Kappenträger der Langensteiner Cumpaney.
Martin Staab ist einer der neuen Kappenträger der Langensteiner Cumpaney. | Bild: Siegfried Kempter

Und Langenstein-Präsident Michael Fuchs verlieh ihm eine "runde Kappe ohne Ecken und Kanten", um dem Gegenwind weniger Angriffsfläche zu bieten. Staab ging auf die politischen Vorlagen nicht ein, sondern versicherte, die Kappe "mit Herz und nicht zum Scherz" tragen zu wollen. Und Dorothea Wehinger ist derzeit in einen handfesten Streit mit Volkertshausens Bürgermeister Alfred Mutter über die Umwandlung von Acker- in Bauland verwickelt – nutzte allerdings die Gelegenheit, noch einmal nachzulegen: Die Bürgermeister würden betonieren wie wild, die Bauern sollten den Weizen in Übersee kaufen, sagte sie an die Adresse der Bürgermeister, von denen einige im Saal versammelt waren – und reklamierte für diesen Hinweis wiederum Alefänzigkeit für sich.
 


Alle Bilder von der Alefanzordenverleihung im Schloß Langenstein

 

 

Musik und Moderation

  • Langensteiner Salonschleicher: Martin Schäuble (Radolfzell), Holger Schank (Meßkirch), Michael Zehnle (Stockach), Carola Schäpke (Orsingen-Nenzingen), Karl Amann (Gaienhofen-Horn) und Rainer Hespeler (Singen) traten als Schlossband auf.
  • Loschore: Martin Schäuble (Narrizella Ratoldi), Holger Schank (Katzenzunft Meßkirch), Michael Zehnle (Narrengericht Stockach) und Karl Amann (Heufresser Horn) schlagen dem Präsidium des Museumsvereins einen Kandidaten für den Alefanzorden vor.
  • Moderatoren ware Michael Fuchs und Rainer Hespeler.