Wenn jemand eine Arbeit schon lange macht, kommt leicht die Rede auf Eigenheiten, Unverwechselbares, eben Markenzeichen. Bernhard Volk, Bürgermeister von Orsingen-Nenzingen, macht da keine Ausnahme. Volk ist seit 30 Jahren im Amt, was in der Gemeinde nun mit einem Festakt in der Orsinger Kirnberghalle gefeiert wurde. Und dabei kam das eine oder andere Markenzeichen des Verwaltungschefs zur Sprache.

Zum Beispiel der „salopp herunterhängende Krawattenknoten„, auf den Manfred Jüppner, Bürgermeister von Mühlingen und mit 36 Amtsjahren selbst einer der Langjährigen, hinwies. Die Erklärung lieferte Volk nach dem offiziellen Teil der Feier im Gespräch gleich selbst: Er habe früher Trompete gespielt, wobei ihn enge Krägen gestört hätten – der tief hängende Krawattenknoten wurde zur Gewohnheit.

Diese oberflächliche Saloppheit darf aber nicht über andere, für einen Bürgermeister wichtigere, Eigenschaften hinwegtäuschen. „So ist unser Bürgermeister, sachlich und klar“, sagte da beispielsweise Bürgermeisterstellvertreter Nikolaus Langner, der durch den Abend führte, gegen Ende der Veranstaltung über Bernhard Volk. Auch der Ruf, sehr sparsam zu sein, eilt Volk voraus. So wies Jüppner, der beim Festakt für die Verwaltungsgemeinschaft aus Stockach und den fünf Gemeinden Bodman-Ludwigshafen, Hohenfels, Mühlingen, Eigeltingen und Orsingen-Nenzingen sprach, auf Volks Vollbart hin, den dieser, wohl aus Sparsamkeit, nur selten schneiden lasse.

Großer Zuspruch: Die Kirnberghalle war bei der Feierstunde voll besetzt. Unter den Zuschauern waren zahlreiche Vertreter des öffentlichen Lebens in der Gemeinde und viele amtierende und ehemalige Bürgermeister aus der Region.
Großer Zuspruch: Die Kirnberghalle war bei der Feierstunde voll besetzt. Unter den Zuschauern waren zahlreiche Vertreter des öffentlichen Lebens in der Gemeinde und viele amtierende und ehemalige Bürgermeister aus der Region. | Bild: Freißmann, Stephan

Und der Konstanzer Landrat Zeno Danner, selbst erst seit Mai im Amt, berichtete, wie Volk beim vorangegangenen Gemeindebesuch seinen Ort präsentiert habe. Da sei er nämlich mit ihm durch die Gemeinde gefahren und habe ein paar Erläuterungen gegeben, statt den Ort in den buntesten Farben zu schildern, „damit der junge Landrat auch weiß, was er nachher zu sagen hat“.

Lobende Worte fand Danner aber auch so für die Entwicklung von Orsingen-Nenzingen. Er wies etwa auf das Wachstum von 2200 auf 3500 Einwohner hin, sagte, dass die Gemeinde hervorragend dastehe, „auch finanziell“, und hob Volks deutliche Wahlergebnisse hervor. „Die volle Halle zeigt das große Ansehen“, so Danner, der Volk als Ehrung für die 30-jährige Amtszeit eine Stele des Gemeindetags und weitere Präsente aus dem Landratsamt überreichte. Und zum Thema Sparsamkeit bei Bernhard Volk hatte auch Danner seine Anekdote beizutragen. Es gehe im Landratsamt das Gerücht um, dass Volk die Gummibänder, mit denen die Sitzungsunterlagen für den Kreistag zusammengehalten werden, für eine erneute Verwendung zurückgebe.

Was ist nun das Geheimnis hinter einer so langen Amtszeit? Ein klares Rezept, das auf jeden Fall zum Erfolg führt, hat Volk im Gespräch nach der offiziellen Feier nicht auf Lager. Vielleicht steht am ehesten dies im Hintergrund: Er bemühe sich, regelmäßig Kontakte zu pflegen und Themen direkt vor der Haustür zu besprechen, was in einer kleinen Gemeinde auch ganz gut funktioniere, erzählt der Bürgermeister.

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In seiner offiziellen Ansprache reichte Volk einen Teil des Lobes, das er bekommen hatte, an andere weiter. Das Erreichte sei nicht allein sein Verdienst, sondern auch der konstruktiven Zusammenarbeit mit Gemeinderäten, Vereinen, Unternehmen, anderen Gemeinden und vielen weiteren Akteuren geschuldet. „Und manchmal hatten wir auch einfach Glück“, so Volk. Und er gewährte einen Einblick ins Seelenleben eines Bürgermeisters. Aufgaben seien im Laufe der vergangenen 30 Jahre komplexer geworden, die Abwägungsprozesse herausfordernder – zum Beispiel wenn zwingend Gewerbegebiete ausgewiesen werden müssen, aber unter unbedingter Berücksichtigung der Ökologie. Doch es gebe Gestaltungsspielräume und die, so viel ließ Volk durchblicken, sorgen bei ihm für den Spaß an der Arbeit.

Lob für das Gemeindeoberhaupt kam auch von Rechnungsamtsleiter Udo Widenhorn, der für die beinahe 70 Verwaltungsmitarbeiter sprach, und von Ella von Briel, die sich als Hörgeschädigte im Selbsthilfenetzwerk Kommit engagiert und die 2005 den Ehrenpreis der Gemeinde Orsingen-Nenzingen erhielt. Die evangelische Pfarrerin Martina Stockburger als Vertreterin der Kirchengemeinden attestierte Volk ein stets offenes Ohr für die Anliegen der Kirchen.

Eine Kleingruppe aus den beiden Musikvereinen Orsingen und Nenzingen gliederte die Veranstaltung mit ihren schwungvollen Beiträgen.
Eine Kleingruppe aus den beiden Musikvereinen Orsingen und Nenzingen gliederte die Veranstaltung mit ihren schwungvollen Beiträgen. | Bild: Freißmann, Stephan

Und für die Vereine rechnete Florin Kraft, Präsidentin des Narrenvereins Halb-Olfer, vor, wie viele Vereinsveranstaltungen Bernhard Volk in den vergangenen drei Jahrzehnten besucht haben dürfte – auch wenn sie selbst noch keine 30 Jahre alt sei. Sie kam auf die stolze Zahl von 3900 Veranstaltungen, darunter unter anderem 690 Hauptversammlungen, 30 Moschtfeschte und 30 Westernschießen, drei Heimattage und vier Narrentreffen. Die Vereine sorgten auch für die Musik, die von einer Kleingruppe aus beiden Musikvereinen gespielt wurde.

Und der solchermaßen Gelobte? Er freue sich natürlich, dass seine Arbeit über die lange Zeit hinweg wertgeschätzt und anerkannt werde, sagte er nach dem Festakt. Ein weiteres Markenzeichen blieb indes unerwähnt: Volks alter Fiat 500. „Den gibt‘s noch“, sagte er dazu. Jedoch, das Gefährt habe gerade keinen TÜV. Das wolle er demnächst angehen.