Das hatte was von einem Narrenstreich: Zur Verleihung der Heinrich-Rehm-Medaille in der Rebberghalle in Nenzingen fehlte das wichtigste Utensil – die Medaille. Rainer Hespeler, der Präsident der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee, erklärte charmant, sie sei in Gottmadingen vergessen worden und werde gerade geholt. So bekam der Empfänger der Ehrung, Professor Werner Mezger, von Hespeler und Michael Fuchs, dem Vorsitzenden des Fasnachtmuseums Schloss Langenstein, zunächst nur die prachtvoll gestaltete Urkunde. Mezger gab sich erleichtert: "Ich habe schon den ganzen Tag überlegt, wie ich beides gleichzeitig halten soll."

Hespeler sagte den über 250 aktiven Narren vieler Vereine und Zünfte aus der Region, als Fasnachtskenner und Moderator zahlreicher Kultursendungen des SWR habe sich Narrenfreund und Ethnologie-Professor Werner Mezger diese Auszeichnung verdient. Zwar sei es dem Gremium nicht ganz leicht gefallen, nach dem Schwaben Gerd Motzkus nun schon wieder einen Schwaben zu ehren: "Ich glaube aber, Heinrich Rehm wäre mit dieser Wahl einverstanden gewesen."

Laudator Franz Götz, selbst Träger der Heinrich-Rehm-Medaille, ehemaliger Kreisarchivar und Ehrenpräsident des Vereins Fasnachtsmuseum Schloss Langenstein, berichtete vom Juni 1977, als Mezger, der in Tübingen Germanistik, Geschichte und Volkskunde studiert und dort auch promoviert hatte, nach Radolfzell ans Gymnasium kam, dort Bruno Epple traf und mit ihm in Götz' Büro erschien. Ein kleiner Beitrag Mezgers für das Buch "Die Welt der Fastnachtsnarren" wurde zum Beginn einer langen Zusammenarbeit zwischen ihm und den Fastnachtsforschern und -praktikern der Region. Franz Götz schloss mit einer lateinischen Ansprache an Mezger, samt deutscher Übersetzung.

Der Geehrte antwortete spontan ebenfalls auf Latein: "Sinngemäß: Ich tät Dankeschön sagen für das, was er gesagt hat", erklärte er schelmisch. Mezger gab einige Anekdoten aus seinem Leben preis. Die amüsierten Zuhörer erfuhren, wie er 1984 bei einem Anlass im Rollkragenpullover aufgetreten war. Es handelte sich um die Feier zum 60-jährigen Bestehen der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN), er war der Festredner, die Zuhörer trugen Festkleidung. "Zum Glück war es ein Diavortrag, es wurde bald dunkel", so Mezger. Fasnacht verbinde sich für ihn mit großartigen Menschen wie Helmut Faßnacht, Wafrö, Hans-Peter Jehle oder dem kürzlich verstorbenen Alfred Heizmann, an den er sich in großer Dankbarkeit erinnere.

Die Gemeinde Orsingen-Nenzingen tue alles für die Narren – das verdeutlichte Bürgermeister Bernhard Volk den versammelten Fasnachtern in seinem Grußwort. Nachdem er bei früheren Verleihungen der Medaille die Politik außen vor gelassen habe, wolle er nun klarstellen: Umbau und Ausbau der beiden Kindergärten, die Einrichtung der Ganztagesbetreuung, der nun schon dritte Anbau an die Grundschule und auch der Umbau des Feuerwehrhauses – alles geschehe nicht nur, weil im Alltag Platz gebraucht werde. Man habe dabei stets an die Narren gedacht, die die Kinder befreien und dann bewirtet werden.

Schließlich wurde die Schatulle gebracht. "Das ist eine der wenigen Ordensverleihungen, bei denen der Orden frisch auf den Tisch kommt", kommentierte der Geehrte. Und: Diese Medaille sei einer der wichtigsten Fasnachtsorden, die er je erhalten habe. Das Gottmadinger Blechbläserquintett mit Volker Befurt, Werner Schmidt, Peter Gassner, Roland Sauter und Michael Maurer bot den festlichen musikalischen Rahmen.

 

Die Auszeichnung

Der in Nenzingen geborene Heinrich Rehm war Mitbegründer der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee und des Fasnachtsmuseums Schloss Langenstein. Ihm zu Ehren wird seit 2006 die Heinrich-Rehm-Medaille verliehen für herausragende Verdienste um das Fasnachts-Brauchtum im deutschsprachigen Raum. Die bisherigen Preisträger sind Theo Hany (Bonndorf 2006), Walter Fröhlich (Singen 2007), Hans-Peter Jehle (Gottmadingen) und Franz Götz (Singen, beide 2009), Heinz-Peter Fräntzki (Überlingen 2011), Sigrun Mattes (Singen 2013) und Gerd Motzkus (Ravensburg 2015). (wig)