Streuobstwiesen prägen von jeher die Landschaft der hiesigen Region und tragen wesentlich zu deren Attraktivität bei. Der starke Rückgang des Streuobstbestandes durch Überalterung, Flächenverbrauch und Zunahme von Monokulturen gefährdet jedoch die knappen Lebensräume bedrohter Arten wie beispielsweise Grünspecht, Steinkauz und Blindschleiche sowie Wildbienen und Schmetterlinge.

Grüne halten Plädoyer für Streuobstwiesen

Die Landtagsabgeordnete Dorothea Wehinger (Die Grünen) suchte den Dialog mit Naturschützern, Landwirten, Privatgärtnern und Mostereien und wollte dabei für den Erhalt der Streuobstwiesen werben. Für einen Vortrag in Orsingen hatte sie den Grünen-Landtagsabgeordneten Markus Rösler, Biologe und naturschutzpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion, eingeladen. Im Ausschuss für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz ist er zuständig für Naturschutz, Gentechnik und Imkerei, Streuobstbau und Grünland. Er beschäftigt sich aber nicht nur theoretisch mit dem Streuobstbau, sondern auch ganz praktisch beim alljährlichen Mosten.

Rösler: Viele Obstbäume verwahrlosen

Markus Rösler sprach vor rund 40 Gästen über die Bedeutung der Streuobstbestände und -wiesen für Naturschutz und Menschen. Noch vor 30 Jahren seien Streuobstbäume in der Gegend sehr zahlreich vorhanden gewesen. "Jetzt fällt auf, wie die Bäume zunehmend in Mitleidenschaft gezogen werden." Misteln seien zum Beispiel ein großer Schädling für den Obstbaumbestand. Obstbäume verwahrlosten zunehmend, weil sich niemand um die Pflege kümmere.

Der Biologe machte klar, dass Streuobst in Form von Wiesen, Alleen oder Einzelbäumen vorkomme und wichtig für viele Pflanzen- und Tierarten sei. So nutze ein Specht erst einen 40 Jahre alten Hochstamm. Von seinen Höhlen profitierten wieder andere Tiere. Hochstämme sollten eine Höhe von 180 Zentimetern haben, empfahl er. Das sei auch für die Unternutzung von Vorteil. Hier könnten diverse Blumen und Pilze wachsen, Gänse und andere Tiere weiden und ein Traktor komme zum Mähen darunter hindurch. "Diese unterschiedlichen Möglichkeiten unterscheiden den Streuobstbau von allen anderen Arten der Landwirtschaft", betonte er.

Grüne sehen große Bedeutung auch für den Tourismus

Streuobstwiesen dienten nicht zuletzt auch der Erholung, der Freizeit und dem Tourismus warb Rösler. Ein Gesamtkonzept aus Heimat, Landschaft, Produkt und Naturschutz wie es in Niederösterreich umgesetzt werde, sei erfolgversprechend. "Günstige Rahmenbedingungen und Innovation können Streuobst auch heute lukrativ machen."

Markus Rösler zeigt auch in Kursen Schnitt und Pflege auf Streuobstwiesen. "Seit über 10 Jahren sind bei unseren Schnittkursen viele junge Leute, Frauen und Familien. Es gibt einen erfreulichen Trend. Der Streuobstbau hat Zukunft." Rösler regte an, auch beim Schulobstprogramm mehr Tafelobst einzusetzen als bisher und gab das Motto "Mosttrinker sind Naturschützer" mit auf den Weg – denn wo viel Most getrunken wird, ist der Streuobstbestand besser erhalten.

 

Förderprogramm

Mit einer Förderung unterstützt das Land seit der Schnittsaison 2015/16 den fachgerechten Schnitt von Kern- und Steinobstbäumen mit 15 Euro pro Baumschnitt. Gemeinden, Vereine, Mostereien, Aufpreisinitiativen, Landschaftserhaltungsverbände, Abfindungsbrennereien und Gruppen von mindestens drei Privatpersonen hatten dafür Sammelanträge bei den Regierungspräsidien eingereicht, mit denen ein fünfjähriges Schnittkonzept vorgelegt wurde, das mindestens 100 Bäume umfasst. Pro Baum werden zwei Schnitte in fünf Jahren gefördert. Neue Interessenten müssen auf die Neuausschreibung des Förderprogramms warten. (wig)