Der Rad und Motorsport Verein Nenzingen (RMSV) stand in den 1960er-Jahren zunehmend vor einem Problem: Eine eigene Trainingsmöglichkeit fehlte. Die Sportler mussten immer wieder den Raum wechseln oder hatten zu wenig Platz. Zuletzt habe der Verein nur noch die Scheune von Zimmermeister Josef Maier zur Verfügung gehabt, heißt es in der Festschrift "100 Jahre Rad- und Motorsportverein Nenzingen 1904".

Die Radlerhalle bekam in den 1980er-Jahren einen Anbau (rechts). Baustart war 1988. Es entstanden Toiletten, Umkleideräume, Duschen und ein Schulungsraum. Außerdem fand eine Umgestaltung des Eingangsbereichs statt und die Halle erhielt eine Garage. Bauleiter war wie 1968 Willi Stehle. Die Einweihung war im Juni 1991. Der Vorsitzende Werner Brecht und viele andere Mitglieder leisteten ehrenamtlich viele Stunden. Bild: Ramona Löffler
Die Radlerhalle bekam in den 1980er-Jahren einen Anbau (rechts). Baustart war 1988. Es entstanden Toiletten, Umkleideräume, Duschen und ein Schulungsraum. Außerdem fand eine Umgestaltung des Eingangsbereichs statt und die Halle erhielt eine Garage. Bauleiter war wie 1968 Willi Stehle. Die Einweihung war im Juni 1991. Der Vorsitzende Werner Brecht und viele andere Mitglieder leisteten ehrenamtlich viele Stunden. Bild: Ramona Löffler | Bild: Löffler, Ramona

"Auf Vorschlag des ersten Vorsitzenden Paul Feucht entschloss sich der Verein zum Bau einer eigenen Übungshalle", beschreibt eine weitere Festschrift von 1991, die zur späteren Erweiterung der Halle erschien. Bürgermeister Eugen Bold und die Gemeinde stellten dem Verein dann das Grundstück im Gewann Leger am Weinbergweg kostenlos zur Verfügung, erzählt Ehrenvorstand Werner Brecht. Die Festschrift beschreibt zur Finanzierung des Bauvorhabens: "Noch vor Einführung der Mehrwertsteuer kaufte der Verein im Jahre 1967 einen Großteil des Baumaterials ein." Es sei ein mutiges Unternehmen gewesen, "denn dem Kostenvoranschlag von circa 84 000 DM standen gerade 5000 DM gegenüber".

Die Lösung? Der Verein, den es nun seit rund 114 Jahren gibt, sammelte Spenden und machte Veranstaltungen. "Wir haben auch zur Finanzierung Abrisse von Häusern gemacht", erzählt Ehrenvorstand Werner Brecht, der 1967 einfaches Mitglied war und 1974 in den Vorstand kam. Der Verein bekam auch einen Zuschuss der Gemeinde und Totomittel. Dennoch war sparen angesagt: "Die abgegebenen Angebote wurden genauestens geprüft und wenn ein Baumaterial irgendwo nur um einen Pfennig billiger zu haben war, dann holte man es dort", beschreibt die Festschrift. Immer wenn das Geld knapp wurde, musste der Bau ruhen. "Dies spornte die Mitglieder dann zu noch mehr unentgeltlicher Arbeit und die Vorstandschaft zur Suche neuer Geldquellen an. Dies war aber auch der Grund für die verhältnismäßig lange Bauzeit; man wollte den Bau ohne Kreditaufnahme durchziehen", lautet die Zusammenfassung.

Der Bau begann 1967, doch die Halle war erst 1972 fertig. Von Ende 1967 bis Februar 1968 richtete der Verein die Baustelle ein und Ende März wurde der Boden ausgehoben. Im April kam das Fundament und Ende Mai begannen die Aufmauerarbeiten. Es folgten Gerüste und der Verein feierte im August das Richtfest. Bis November wurde dann das Dach fertig. Noch vor Winterbeginn bekam die Halle ihre Fenster, doch anschließend ruhte der Bau mehr als ein Jahr bis im Juni 1970 die Holzdecke kam. Bis der Innenausbau der 145 Quadratmeter großen Halle fertig war, gab es weitere Pausen.

Die Vereinsmitglieder und Helfer leisteten in dieser Zeit laut dem Bautagebuch des vor einigen Jahren verstorbenen Mitglieds und Bauleiters Willi Stehle 755 Arbeitseinsätze mit 3148 Stunden. Stehle selbst hatte mit 996 Stunden die meisten davon. "Er war an vorderster Front", sagt Werner Brecht. "Ohne Willi wäre das alles nicht möglich gewesen."