Im Fasnachtsmuseum Schloss Langenstein gibt es alles Interessante und Wissenswerte zur schwäbisch-alemannischen Fasnacht. Hier befindet sich aber auch eine umfangreiche Maskensammlung mit Objekten aus verschiedenen Ländern. Besonders beeindruckend ist die ethnologisch ausgerichtete Maskenabteilung mit ausgesuchten Stücken aus Afrika, Indien, Malaysia, Mexiko, Argentinien, Honduras, Guatemala und anderen Ländern. Sie geht auf Friedrich Georg Schmieder, den ersten Präsidenten des Vereins Fasnachtsmuseum Schloss Langenstein zurück. Schmieder, auch bekannt als Gründer der Schmieder-Kliniken, hatte sich schon früh für Ethnologie interessiert und diese Maskensammlung eingebracht, die weit über den Fasnachtskontext und Regionales hinausging.

Schloss Langenstein zwischen Eigeltingen und Nenzingen beherbergt das Fasnachtsmuseum. Bild: Claudia Ladwig
Schloss Langenstein zwischen Eigeltingen und Nenzingen beherbergt das Fasnachtsmuseum. Bild: Claudia Ladwig

Der amtierende Präsident Michael Fuchs bekennt, er sei anfangs unsicher gewesen, ob dieser Bestandteil eine Berechtigung im Museum habe, habe sich aber entschieden, die ethnologische Sammlung zu bewahren und sogar zu erweitern. "Wir zeigen die Masken vergleichend, um sichtbar zu machen, dass Masken, die auch Larven oder Schemen genannt werden, ganz unterschiedliche Funktionsweisen haben." Götter- und Ahnenkult, Karneval oder Fasnacht – alles ist möglich. Kulturelle Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten werden deutlich. "Gerade am Beispiel Fasnacht zeigen sich in Europa verblüffend große kulturelle Gemeinsamkeiten", sagt Fuchs. Die Ausstellung macht klar, dass Maskierungen ein globales Phänomen darstellen.

Sogar in Indien gibt es Karneval, der auch genauso heißt, wie Tobias Volz auf einer längeren Indienreise kürzlich erfuhr. Schon in seiner Jugend habe er von seinem Vater gelernt, dass es dort ähnliche Bräuche wie hier gibt. Volz hatte einen Sammler und Experten kennengelernt, der historische Masken sammelt und ausstellt, und darüber sogar ein Buch veröffentlich hat. Kein Geringerer als Prinz Charles habe dieses Buch finanziert, weil er verstanden habe, dass es sich bei den Masken um ein wichtiges Kulturgut handele, erklärt Tobias Volz. Nun hat er die Nachbildung einer alten Holzmaske mitgebracht und dem Museum geschenkt.

Seiner Unterstützung dürfte sich Michael Fuchs, Präsident des Fasnachtsmuseums (links) sicher sein: Tobias Volz überreicht ihm eine Maske aus Indien. SPD-Kreisrat Volz ist zwar nicht Mitglied des Kultur- und Schulausschusses, der über einen CDU-Antrag auf einen Zuschuss von 100.000 Euro für den Museumsneubau entscheidet. Aber ein gutes Wort wird er bei seinen Genossen sicher einlegen. Bild: Fasnachtsmuseum
Seiner Unterstützung dürfte sich Michael Fuchs, Präsident des Fasnachtsmuseums (links) sicher sein: Tobias Volz überreicht ihm eine Maske aus Indien. SPD-Kreisrat Volz ist zwar nicht Mitglied des Kultur- und Schulausschusses, der über einen CDU-Antrag auf einen Zuschuss von 100.000 Euro für den Museumsneubau entscheidet. Aber ein gutes Wort wird er bei seinen Genossen sicher einlegen. Bild: Fasnachtsmuseum | Bild: Fasnachtsmuseum

Die rund 100 Masken zeigen auch die große Bandbreite der verwendeten Materialien. "Holz war auch früher nicht für alle Fasnachtsregionen typisch, es hat sich erst im 20. Jahrhundert durchgesetzt", erklärt Michael Fuchs. Davor habe es Stoffmasken oder gerußte Gesichter als einfachste Verkleidung gegeben. Ausgestellt sind auch Masken aus Pappmaché, Leder, Metall, Gummi, Stoff, Plastik und Brotteig. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt.

Die nachgewiesen älteste Maske im Museum stammt von 1699. Es ist eine Villinger Narro-Scheme von Johannes Schupp (1631 bis 1713). Die zweitälteste im Rokoko-Stil aus dem Jahr 1720 von Anton Josef Schupp (1664 bis 1729) sei aber bei weitem das Meisterstück. Auch hier verbindet sich das Naive mit dem Lieblichen und das Geheimnisvolle mit dem fast Geschlechtslosen. Die Scheme erinnert mit ihrem Doppelkinn und den Grübchen an eine Putte. "Viele Villinger kommen extra her, um sie zu sehen", freut sich Fuchs.

Museumsspeicher ist eine Fundgrube

Auf dem Speicher hat er vor einiger Zeit zehn Kupferstiche aus dem 17. Jahrhundert gefunden. Diese hatten zum Teil Stockflecken, wurden restauriert, neu gerahmt und aufgehängt. Man sieht die Kostüm- und Maskenvielfalt, die sonst nur selten dokumentiert wird. Laut Fuchs beziehen sich die Darstellungen auf höfische Karnevalsfeste und weniger auf ländliche Fasnachtsbräuche. "Besonders stolz war ich, als ich herausfand, dass das Reichsmuseum Amsterdam dieselbe Sammlung besitzt", freut er sich.

Die zweitälteste Maske im Fasnachtsmuseum in Schloss Langenstein stammt von 1720. Es ist eine Villinger Narro-Scheme. Bild: Claudia Ladwig
Die zweitälteste Maske im Fasnachtsmuseum in Schloss Langenstein stammt von 1720. Es ist eine Villinger Narro-Scheme. Bild: Claudia Ladwig

Und dann ist da noch der Fetisch: Im Archiv stieß Michael Fuchs kürzlich durch Zufall auf eine kleine geheimnisvolle Schachtel. "Ich habe gestaunt und konnte mit dem Inhalt zuerst nichts anfangen." Es handelt sich um einen geschnitzten Nusskern, der etwas größer als eine Walnuss ist und die Form eines Kopfes hat, an dem sich Federn eines Paradiesvogels befinden. "Selbst Franz Götz, der von 1984 bis 2009 Vereinspräsident und außerdem Kreisarchivar war, wusste nichts davon." Ein beigefügter Zettel erklärt, dass es sich um einen Fetisch der Papua aus Papua-Neuguinea handelt. Das Museum bekam ihn im März 1969 beim Besuch eines indigenen Papuastammes mit einem Rotorarier von RC Port Moresby, der Hauptstadt Papua-Neuguineas. "Er wurde vermutlich als Gastgeschenk überreicht. Ein Fetisch ist für Indigene ein magischer Gegenstand. Ich gehe davon aus, dass er uns positive, magische Kraft für die Arbeit hier schenken sollte", deutet Fuchs scherzhaft seinen Fund.

Das Fasnachtsmuseum Schloss Langenstein zeigt seinen Besuchern fast ganzjährig, was Fasnachtsnarren in der sogenannten "fünften Jahreszeit" treiben. Geheimnisvolle Gestalten präsentieren sich mit 300 anderen Figuren in farbenprächtigen Gewändern und mit teils lieblichen, teils grotesken Gesichtsmasken. Die Besucher erfahren auf Schautafeln alles über Herkunft, Wesen und Geschichte des Fasnachtsbrauchtums. Sie finden eine Chronologie des Fasnachtsablaufs, handschriftliche Dokumente, Bilder und Broschüren, Zeitungen, Programme und Plakate zum Thema Fasnacht, närrische Attribute aller Art wie Narrenbändel, Pritschen, Rätschen, Karbatschen, Saublotere, Zepter und Orden. Darüber hinaus beherbergt das Museum eine große Ausstellung mit 300 Zizenhausener Tonfiguren.

Infos: Bis März 2018 ist das Museum geschlossen. Mehr Informationen unter www.fasnachtsmuseum.de

So stellt man sich ein Fasnachtsmuseum gemeinhin vor – schwäbisch-alemannisch. Zu sehen sind hier zum Beispiel Burgwichtel aus Schwandorf (grünes Kopftuch mit gelb-roter Kleidung) und Rebstöckle aus Oberstenweiler (grünes Häs). Bild: Claudia Ladwig
So stellt man sich ein Fasnachtsmuseum gemeinhin vor – schwäbisch-alemannisch. Zu sehen sind hier zum Beispiel Burgwichtel aus Schwandorf (grünes Kopftuch mit gelb-roter Kleidung) und Rebstöckle aus Oberstenweiler (grünes Häs). Bild: Claudia Ladwig

Die Serie

In oder hinter bekannten und alltäglichen Dingen kann sich Interessantes verbergen. In der Serie „Perspektivwechsel“ macht die Redaktion genau das, was der Name sagt und schaut sich etwas aus einem anderen, neuen Blickwinkel an. Was verbirgt sich zum Beispiel in diesem einen Gebäude, an dem jeden Tag so viele vorbeigehen? Gibt es vielleicht aktuelle Forschungen, die ein neues Licht auf einen historischen Ort werfen? Auch die scheinbar ganz normale Natur hat hier und da noch eine Überraschung parat. Die Serie geht dem Ungewöhnlichen im Alltäglichen auf die Spur. Die Redaktion nimmt auch Leservorschläge an: Was hat Sie schon immer fasziniert und würde Sie aus einer anderen Perspektive interessieren? Kontakt: Südkurier Stockach, Hauptstraße 16, 78333 Stockach oder stockach.redaktion@suedkurier.de (sk)