Sich vegetarisch oder vegan zu ernähren, liegt im Trend. 2016 gaben über sechs Millionen Menschen in Deutschland an, auf Fleisch oder ganz auf tierische Lebensmittel zu verzichten. Hinzu kommen Menschen, die nur gelegentlich Fleischwaren konsumieren. Bei ihnen landen statt Steak oder Wurst öfter Fleischersatzprodukte auf Sojabasis auf dem Teller. Auch in der Nutztierfütterung ist Soja von großer Bedeutung.

Anbau vorwiegend in Süddeutschland

Die Agrar-Ingenieure Antonie und Andreas Schäuble aus Nenzingen bauen die Bohne seit 2015 an. Sie sehen darin viele Vorteile. „Soja wächst bei uns als Vorfrucht vor dem Getreide. Die Pflanze hinterlässt nach der Ernte einen guten Boden.“ Bei ihnen gedeihen Blattfrucht (beispielsweise Rüben und Hülsenfrüchte wie Soja) und Halmfrucht – also Getreide – im Wechsel. Antonie Schäuble erklärt: „Dadurch versucht man, den Krankheits- und Unkrautdruck so gering wie möglich zu halten. Dann sind weniger Pflanzenschutzmittel notwendig.“

Agrar-Ingenieurin Antonie Schäuble baut gemeinsam mit ihrem Mann Andreas Soja an.
Agrar-Ingenieurin Antonie Schäuble baut gemeinsam mit ihrem Mann Andreas Soja an. | Bild: Claudia Ladwig

Die klimatischen Bedingungen hätten sich verändert. Noch vor einigen Jahren sei es viel schwieriger gewesen, in Deutschland Soja anzubauen. Durch neuere Züchtungen gebe es jetzt frühreifere Sorten, die auch bei geringeren Temperaturen gut wachsen, allerdings momentan vorwiegend in Süddeutschland.

Historischer Höchststand im Jahr 2018

Doch auch wenn der Sojaanbau in Deutschland im Jahr 2018 laut dem Deutschen Sojaförderring mit 24 100 Hektar einen historischen Höchststand erreichte und gegenüber 2017 um 25 Prozent wuchs, wird nur ein Prozent der jährlich in Deutschland benötigten Sojabohnen hier produziert.

Die Pflanzen vor der Ernte: In den Schoten stecken die Sojabohnen.
Die Pflanzen vor der Ernte: In den Schoten stecken die Sojabohnen. | Bild: Antonie Schäuble

Antonie Schäuble erzählt: „Hauptanbaugebiet ist der amerikanische Kontinent. Um die Produktivität zu erhöhen, werden dort oft wertvolle Ökosysteme zerstört, was zu erheblichen Umweltproblemen führt. Außerdem ist ein Großteil der dort produzierten Sojabohnen gentechnisch verändert.“ Nach der fünften Ernte haben die konventionell arbeitenden Landwirte viele gute Erfahrungen mit dem Sojaanbau gemacht. „Soja braucht nur eine einzige Unkrautbekämpfungsmaßnahme, sonst nichts.

Sojapflanze ist sehr pflegeleicht

Die Pflanze benötigt auch keinen Stickstoffdünger, denn sie sammelt den Stickstoff selber aus der Luft. Daher ist sie sehr pflegeleicht“, sagt Andreas Schäuble. Die jetzt geernteten Bohnen verkaufen Schäubles als Saatgut. „Es wäre schön, die Bohnen mal als Futter für unsere Bullen einzusetzen. Der Einsatz von unbehandelten Bohnen in der Rinderfütterung ist aufgrund des hohen Fettgehalts aber nur in begrenzten Mengen möglich. Sie müssten erst wärmebehandelt werden“, so Antonie Schäuble. Sie hofft, dass künftig vielleicht mobile Lohnunternehmer das Toasten oder Rösten der Sojabohnen übernehmen.

Es ist bereits die fünfte Sojabohnen-Ernte auf einem Feld von Antonie und Andreas Schäuble in Nenzingen. Die Sojapflanzen hinterlassen einen guten Boden.
Es ist bereits die fünfte Sojabohnen-Ernte auf einem Feld von Antonie und Andreas Schäuble in Nenzingen. Die Sojapflanzen hinterlassen einen guten Boden. | Bild: Antonie Schäuble

In diesem Jahr haben Antonie und Andreas Schäuble 13 Hektar Soja angebaut. Abschließend sagen beide, Soja biete viel Potential und der Anbau nehme langsam zu. „Es wäre wünschenswert, dass neue Züchtungen bald den Sojaanbau in weiten Teilen Deutschlands ermöglichen. Denn wir halten es für wichtig, dass viele Nahrungs- und Futtermittel vor Ort erzeugt werden. Nur so kann sich ein regionaler, nachhaltiger Kreislauf bilden.“

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