Der Beschlussvorschlag zum Thema Weiher II war kurz: Der Entwurfsplanung des Ingenieurbüros Reckmann werde zugestimmt. Die schadhafte Thujahecke werde entfernt und durch eine Neupflanzung ersetzt. Der notwendige Notüberlauf werde durch das Hafnerwegle zum Vorfluter verlegt. Beschlossen wurde jedoch im Gemeinderat Orsingen-Nenzingen nach einstündiger Debatte zu später Stunde lediglich die Verschiebung der Entscheidung auf die erste Sitzung nach der Sommerpause. Zahlreiche Zuhörer waren extra für diesen Tagesordnungspunkt in die öffentliche Sitzung gekommen.

Bürgermeister Bernhard Volk erläuterte, nach der erneuten Offenlage des Bebauungsplans sei nur vom Amt für Wasserwirtschaft und Bodenschutz beim Landratsamt Konstanz der Hinweis eingegangen, dass für die Verlegung und naturnahe Umgestaltung des Riedgrabens eine wasserrechtliche Genehmigung erforderlich werde. Zur Notentlastung des bestehenden Staukanals werde ein Notüberlauf benötigt, der am sinnvollsten durch das Hafnerwegle zum Rückhaltebecken innerhalb der öffentlichen Grünfläche führe.

Petition für den Erhalt des Weges

Eine Petition hatte sich im März stark für den Erhalt des beliebten Weges in seiner bisherigen Form ausgesprochen. Ein daraufhin von der Gemeinde angefordertes Gutachten über den Gesundheitszustand sowie die Stand- und Verkehrssicherheit der Thujahecke habe laut Volk ergeben, dass es in der Vergangenheit an der artgerechten Pflege der Hecke gemangelt habe, was einen radikalen Rückschnitt erforderlich machen würde. Dieser sei jedoch nicht möglich, ohne den Pflanzen nachhaltig zu schaden. Durch Bodenverdichtung aufgrund der Nutzung als Fuß- und Radweg sei die Wasser- und Nährstoffaufnahme der Pflanzen beeinträchtigt. Verschiedene Thujen zeigten am Stammfuß Wunden mit fortgeschrittener Fäule. „Aus Sicht des Gutachters überwiegen eindeutig die Nachteile beim Erhalt der Hecke“, so Volk.

„Die Zeiten, wo neue Bauplätze relativ konfliktfrei vergeben werden können, gibt es nicht mehr.“ Bernhard Volk, Bürgermeister von Orsingen-Nenzingen
„Die Zeiten, wo neue Bauplätze relativ konfliktfrei vergeben werden können, gibt es nicht mehr.“ Bernhard Volk, Bürgermeister von Orsingen-Nenzingen | Bild: SK

Unter Beibehaltung des Bewuchses sei mit dem Verlust von drei Baugrundstücken zu rechnen. Außerdem müsse die fußläufige Verbindung künftig beleuchtet werden, was bei dem jetzigen Weg unmöglich sei. Bliebe das Hafnerwegle so, müsse der erforderliche Notüberlauf über eine zu veräußernde Bauplatzfläche geführt werden, die an dieser Stelle dann nicht bebaut werden könne. Volk sagte: „Die Einteilung Weiher II geht nicht anders, es sei denn, wir verzichten auf Teile der Bauflächen und schneiden die restlichen kleiner zu. Dann fehlen aber seitliche Abstandsflächen bei den Häusern.“ Sabine Hins schlug Minihäuser (sogenannte Tiny Houses) zur Bebauung vor.

Plädoyer für die Verkehrssicherungspflicht

Christine Leithe sagte, durch Einkürzen der Kronen könnten die Bäume langfristig erhalten bleiben. Wenn beim Bau 2,50 Meter Abstand zum Wurzelbereich gehalten würden, würde dieser nicht beschädigt. „Dort stehen viele gesunde Bäume. Ich sehe nicht ein, dass 60 Bäume gefällt werden, wenn es andere Möglichkeiten gibt.“ Nikolaus Langner betonte, er sei zwar beeindruckt von dem Weg, glaube aber, dass sich der Gutachter Gedanken gemacht habe. „Die Gemeinde hat die Verkehrssicherungspflicht. Diese steht der Leidenschaft im Weg. Ich sehe keine andere Möglichkeit, als hier einen radikalen Schlag zu machen.“ Sachlich gesehen gebe es keine Diskussionsgrundlage, äußerte Harry Metzger, aber Roman Roth betonte, das Hafnerwegle sei eine „emotionsgeladene Geschichte“. Die neuen Gemeinderäte Ralph J. Schiel und Antonie Schäuble wollten alternative Vorschläge sehen, bevor sie sich entscheiden.

Volk sagte, er erkenne, dass der Weg eine gewisse Bedeutung habe, und er wisse nicht, inwieweit man durch momentanen Verzicht ohne Veränderung der Planung den Bewuchs längere Zeit halten könne. „Die Zeiten, wo neue Bauplätze relativ konfliktfrei vergeben werden können, gibt es nicht mehr“, machte er klar. Einen Beschluss soll es in der Sitzung am 10. September geben.