Ein Pokerface hat Laudator Franz Götz der versammelten närrischen Prominenz auf Schloss Langenstein als Alefanz angekündigt – und ein Pokerface hat das Publikum im voll besetzten Hölzernen Gang auch bekommen. Nämlich mit Hans-Peter Jehle einen neuen Träger des Alefanz-Ordens, der die Gesichtszüge seines Publikums umso wirkungsvoller vor Lachen entgleisen lässt, je unbeweglicher seine eigenen Gesichtszüge bleiben.

In seiner Ansprache nach der Verleihung des Ordens gab er, der den Fasnachter Hans-Peter Jehle 2013 schon "für immer beerdigt" (Jehle) zu haben glaubte, noch einmal viele Kostproben seines Humors. So schien es ihn doch ein bisschen zu wurmen, dass er zwar fast 30 Jahre mitentscheiden durfte, wer den Alefanz-Orden bekommt, es aber genau deswegen nie in Frage kam, ihn selber entgegenzunehmen – "obwohl ich jederzeit dazu in der Lage gewesen wäre, ihn mir selbst umzuhängen", wie er hinterher schob. Jetzt fühle er sich dagegen zu Recht geehrt. Auch frühere Alefanze bekamen ihr Fett weg. So habe es 2010 einen regelrechten Aufstand gegeben, als der damalige grüne Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank den Orden bekam. Das alles klang wie die Bilanz von einem, der in 45 Jahren Fasnacht alles gesehen hat und noch einmal zur Hochform aufläuft. Nur sein Markenzeichen, die fetzig bunte Krawatte, war am Freitag nicht dabei. Seit er nicht mehr im Dienst sei, trage er keine seiner 200 Krawatten mehr, erzählte Jehle am Rande der Veranstaltung.

Franz Götz hatte zuvor in seiner Laudatio die mehreren Leben des Hans-Peter Jehle kurz kommentiert, zum Beispiel: vom Starkstromlehrling zum Schulleiter, vom Leiter einer Pfarrbücherei zum Buchautor oder vom Briefmarkensammler zum Marine-Experten. Doch all das ist natürlich nicht der Grund dafür, dem früheren Leiter der Konstanzer Zeppelin-Gewerbeschule den prestigeträchtigen Orden um den Hals zu hängen. Als Narr sei Jehle ein Spitzenreiter und immer vorne am Narrenkarren gewesen, so Götz, Ehrenpräsident des Museumsvereins und frühere Kreisarchivar. Und weil Jehle lange die Fernsehfasnacht aus dem Konstanzer Konzil präsentiert, für den SWR zahlreiche Umzüge kommentiert und 27 Jahre lang den närrischen Frühschoppen in Gottmadingen moderiert hat, sei Jehle zum "Fasnachtsgottschalk der Nation" geworden – wenn auch weniger zappelig. Der so Gelobte dazu: "Mensch, war ich mal ein Hirsch."

Einen musikalischen und optischen Höhepunkt des Abends lieferte der Langensteiner Kuckucks-Clan mit einem närrischen Rundumschlag um das Geschehen in der Region – und Karl Amann als Kuckuck unter einer extra für diesen Abend von Thomas Kauter gebauten Kuckucksuhr. Die Brüder Peter und Hannes Bliestle aus Singen servierten in ihren Liedern treffenden Wortwitz und Hubert Kunicki aus Stockach zeigte seine wehmütig singende Säge. Präzise Pointen steckten in den Ansagen von Carola Schäpke, Michael Fuchs und Rainer Hespeler, die durch das Programm führten. Und ganz ohne Pokerface kam der Saal zum Schluss mit Wolfgang Mettlers Lied von der Langensteiner Cumpaney ins Schunkeln.

Zwei Neue unter der Langensteiner Kappe

Bei der Alefanz-Verleihung hat die Langensteiner Cumpaney zwei neue Mitglieder bekommen. Wer sie sind und wer noch auftrat: 

  • Torsten Geiling: Er ist seit 2012 stellvertretender Chefredakteur und Heimatchef des SÜDKURIER und wurde als "intelligenter, charmanter und zivilisierter Bayer – kurz, als Franke" (Rainer Hespeler) in die Cumpaney aufgenommen.
  • Helmut Sauter: Er war Chef der Rehbockzunft in Volkertshausen und Landvogt der Nellenburg in der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee. Heute ist er Museumsführer auf Schloss Langenstein.
  • Kuckucks-Clan: Carola Schäpke (Orsingen-Nenzingen), Rainer Hespeler (Singen), Martin Schäuble (Radolfzell), Holger Schank (Meßkirch), Michael Zehnle (Stockach) und Karl Amann (Horn) traten als Schlossband auf.
  • Loschore: Sie halten die Ohren offen und schlagen dem Präsidium des Museumsvereins einen Kandidaten für den Alefanzorden vor: Martin Schäuble (Narrizella Ratoldi), Holger Schank (Meßkircher Katzenzunft), Michael Zehnle (Narrengericht Stockach) und Karl Amann (Horner Heufresser). (eph)

Die Bliestle-Brüder auf Schloss Langenstein: Chinesen beim Skifahren


Die Bliestle-Brüder auf Schloss Langenstein: Haarwuchs am Ohre


Die Bliestle-Brüder auf Schloss Langenstein: Liebschaften mit dünnen Frauen können gefährlich werden


Hubert Kunicki mit der singenden Säge, Manfred Kehlert (Klavier): Walzer aus der Jazz-Suite Nr. 2 von Dmitri Schostakowitsch


Hubert Kunicki mit der singenden Säge, Manfred Kehlert (Klavier): Ausschnitt aus Das Dreimäderlhaus